Panorama RHEINPFALZ Plus Artikel Postmeister in der Antarktis: Der „coolste Job der Welt“

Auf der britischen Antarktis-Station Port Lockroy befindet sich das einzige Postamt des Kontinents.
Auf der britischen Antarktis-Station Port Lockroy befindet sich das einzige Postamt des Kontinents.

In der Antarktis arbeiten nicht nur Wissenschaftler. Auch ein Postamt muss betrieben und die lokalen Pinguine müssen überwacht werden. Diese beiden Stellen zu besetzen, ist jedes Mal wieder eine Herausforderung.

Eine britische Organisation hat – so nennt es der „Guardian“ – den „coolsten“ Job der Erde besetzt. Die Beschreibung ist bewusst doppeldeutig, denn derzeit beträgt die Temperatur in der britischen Station Port Lockroy, die auf Goudier Island vor der antarktischen Halbinsel liegt, gerade mal ein Grad plus.

Der UK Antarctic Heritage Trust schreibt die auf fünf Monate ausgelegte Position des antarktischen Postmeisters jährlich aus. Neben dem südlichsten Postamt der Welt befinden sich auch ein Museum und ein Geschenkeladen auf der Insel. Auch hierfür wird jährlich Personal gesucht. Eine weitere Position existiert zur Überwachung der lokalen Pinguinpopulation. Das Team, das der Trust auswählt, unterhält von November bis März – die Sommermonate in der Antarktis – die Station und kümmert sich dabei auch um die wichtigsten Hausmeistertätigkeiten, die anfallen.

Beliebtes Reiseziel

Port Lockroy war die erste permanente britische Basis. Sie wurde ursprünglich von 1944 bis 1962 genutzt. Seit 2006 ist dort das einzige Postamt der Antarktis – für Besucher des eisigen Kontinents ist es damit eine der großen Attraktionen. Kreuzfahrtschiffe planen dort gerne einen Stopp ein. In der Saison 2022/23 kamen fast 20.000 Besucherinnen und Besucher an Land.

Da sollte der neue Postmeister – der 34-jährige George Clarke aus Bristol in Großbritannien – in der anstehenden Saison genug zu tun haben. Clarke bewarb sich Anfang des Jahres für die Stelle, nachdem er einen Artikel im „Guardian“ gelesen hatte, der ihn nun auch interviewte. „Ich dachte, es wäre etwas Neues, etwas Aufregendes“, sagte er. Er habe „nichts zu verlieren“ gehabt, deswegen habe er sich beworben. Clarke ergatterte die Stelle und hofft nun auf eine aufregende Zeit auf dem Kontinent aus Eis. „Ich freue mich darauf, aufzuwachen und meinen Morgenkaffee mit Blick auf die Antarktis zu trinken und hoffentlich auch einen Wal zu sehen“, sagte er.

Während sich die kleine Crew ihre Aufgaben auf der Station teilt, liegt Clarkes spezielle Verantwortung als Postmeister darin, die vielen Briefe und Postkarten zu bearbeiten, die die Besucherinnen und Besucher hinterlassen. Er werde die Post sortieren, die Briefmarken entwerten und sie dann über vorbeifahrende Kreuzfahrtschiffe weiterschicken, sagte er der britischen Zeitung. Andere Teammitglieder werden die Überwachung der Tierwelt übernehmen und Nester, Eier und Küken der lokalen Pinguine zählen, das Museum leiten und den kleinen Andenkenladen betreiben. Später in der Saison werden noch zwei Tischler zur Crew hinzustoßen, um einige der Holzkonstruktionen vor Ort zu reparieren.

Luxus darf das kleine Team in der Station nicht erwarten. Geschlafen wird in einem gemeinsamen Schlafsaal in einer der Hütten und jeder darf nur eine Schachtel mit „Goodies“ mitbringen – gefüllt je nach Geschmack mit seinen Lieblingsspielen, Büchern, Fotos und Leckereien. „In den nächsten fünf Monaten werden unvorhersehbares Wetter, nahezu konstantes Tageslicht, Minustemperaturen und Pinguin-Nachbarn zur neuen Norm werden“, hieß es vonseiten der Organisation. Außerdem müsste sich das neue Antarktisteam an ein Leben ohne fließendes Wasser und Spültoilette gewöhnen.

Schnee schmilzt schneller

Und obwohl sich das bereits sehr bescheiden anhört, so hat die Anwesenheit von Menschen trotzdem enorme Nachteile für das fragile Ökosystem der Antarktis, wie eine Studie der britischen Keele Universität aus dem Jahr 2022 zeigt. Für diese in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlichte Forschungsarbeit sammelten Wissenschaftler Proben an 28 Orten auf einer 2000 Kilometer langen Strecke von der Antarktischen Halbinsel bis ins Innere der Westantarktis. Bei ihren Analysen stellten die Forschenden fest, dass sämtliche Proben aus nahegelegenen menschlichen Siedlungen einen Rußgehalt aufwiesen. Dieser lag dabei weit über den normalen antarktischen Werten und war damit ein klares Zeichen menschlicher Emissionen.

Erhöhte Rußwerte beeinflussen, wie Schnee Licht absorbiert, eine Eigenschaft, die als „Albedo“ bekannt ist. Schnee mit einer niedrigeren „Albedo“ schmilzt schneller. Insofern konnten die Forscher schlussfolgern, dass die Schneeschmelzrate wohl aufgrund menschlicher Aktivitäten gestiegen ist. „Die Ergebnisse sind ernüchternd“, schrieb Matthew Harris, einer der Klimawissenschaftler der britischen Universität, in einem Artikel im akademischen Magazin „The Conversation“.

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