Panorama Peinliche Posen

Voller Körpereinsatz: Der 29-jährige Schauspieler sagte spontan seine Hilfe zu.
Voller Körpereinsatz: Der 29-jährige Schauspieler sagte spontan seine Hilfe zu.

«Berlin.» Das Internet ist voller Kinderbilder – meist zeigen stolze Eltern den Nachwuchs in allen erdenklichen Situationen her. Was auf den ersten Blick süß aussieht und harmlos wirkt, kann problematisch sein. Darauf will eine Berliner Bloggerin mit einer ungewöhnlichen Aktion hinweisen.

So sieht man Wilson Gonzalez Ochsenknecht auch nicht alle Tage: Der 29-jährige Schauspieler und Sänger trägt Lätzchen, hat einen total mit Brei verschmierten Mund. Oder er sitzt nackt auf dem Töpfchen. Die irrtierenden Motive sollen auf ein ernstes Thema hinweisen: den Umgang mit Kinderfotos in den diversen Kanälen der sozialen Medien. „Würden wir uns als Erwachsene auch so im Internet zeigen?“, fragt Toyah Diebel, die die Idee zur der Kampagne hatte. Süß ist an diesen Schnappschüssen jedenfalls nichts mehr. „Veröffentlicht jemand ungefragt ein Bild von uns im Netz, fühlen wir uns in unseren Persönlichkeitsrechten verletzt. Doch genau wie Erwachsene haben Kinder ein Recht auf Privatsphäre“, erklärt die Bloggerin aus Berlin auf der Website deinkindauchnicht.org. Vielen Kindern werde leider die Entscheidung abgenommen, ob und vor allem wie sie im Netz dargestellt werden. Auch für das spätere Leben könnten die peinlichen Posen negative Konsequenzen haben, wenn Mitschüler, Kollegen oder Arbeitgeber auf die „Jugendsünden“ stoßen. Diebel: „Ich persönlich würde nicht wollen, dass es Bilder von mir als Kind im Netz gibt, wo ich in der Badewanne sitze – weil es mir zu privat wäre.“ Wenn man Fotos von einem Kind poste, gebe man ihm eine digitale Identität, erklärt Thomas-Gabriel Rüdiger. „Das kriegt man nicht mehr aus dem Netz raus.“ Der Cyberkriminologe weist seit längerem auf die Problematik hin und hat die Bloggerin das Expertenwissen für die Kampagne geliefert. All das geschehe, bevor ein Kind selbst bestimmen könne, wie es sich präsentieren will. Zudem wisse man gar nicht, was irgendwann einmal technisch mit solchen Bildern möglich sein wird. Schließlich könnten die Fotos auch Sexualtäter anlocken. Rüdigers Faustregel: „Kinderbilder sollte man nur jenen Menschen zur Verfügung stellen, denen man sein Kind auch anvertrauen würde.“ Das sind sicher weniger als die „Freunde“ aus dem Netz. Das Deutsche Kinderhilfswerk startete auf Facebook schon Ende 2017 eine Kampagne zu Kinderrechten. Das Posten von Fotos verletze zuallererst die Privatsphäre, hieß es da. Laut einer Umfrage fehle vielen Erwachsenen ein Problembewusstsein. Ein spezielles Internetgesetz, das solche Fragen regelt, gibt es allerdings nicht. Es gelten die generellen Gesetze wie etwa das Recht am eigenen Bild. Toyah Diebel weist regelmäßig auf den leichtsinnigen Umgang mit Kinderfotos im Netz hin. Ihre Reichweite auf Instagram (50.000 Abonnenten) wolle sie für Themen nutzen, die ihr wichtig seien. Sie will nicht allen Eltern fahrlässiges Verhalten vorwerfen. „Aber oft fehlt es an Medienkompetenz und Weitsicht, was achtlos gepostete Bilder der eigenen Kinder anrichten oder wozu sie missbraucht werden können“, sagt die 29-Jährige. „Ich würde mir wünschen, die Eltern würden mehr darüber nachdenken.“ Aufmerksamkeit garantiert ihr das bekannte Gesicht von Wilson Gonzalez Ochsenknecht. Der Schauspieler ist mit Toyah Diebel befreundet und sagte sofort seine Unterstützung zu. Das Fotoshooting sei skurril gewesen, erzählt sie. Und natürlich gebe es neben viel positiver Resonanz im Netz auch kritische Kommentare. Gut so, findet die Bloggerin: „Das trägt zur Debatte bei.“

x