Tiere Hunde in Teetassen: Niedlicher Trend oder Tierquälerei?
Bei manchen sieht man erst auf den zweiten Blick, dass es keine Stofftiere, sondern Lebewesen sind. Bei anderen sieht man den Unterschied auch beim dritten Hinsehen nicht. Teacup-Hunde, oder kurz: Teacups, also Hunde, die so klein sind, dass sie in eine Teetasse passen, sind maximal 23 Zentimeter groß, wiegen etwa eineinhalb Kilogramm, kosten mehr als ein Motorroller und haben teilweise Hunderttausende Abonnenten auf Instagram und Facebook. Tierschützer sehen die Zucht der niedlichen Statussymbole, die oft wie Mode-Accessoires oder Spielsachen präsentiert werden, jedoch kritisch: Die Tiere seien häufig degeneriert und besonders krankheitsanfällig.
In Deutschland gebe es nicht viele Züchter solcher Miniatur-Hunde, sagt die Hobby-Züchterin Ivonne Winter aus Hanau, die auf Teacup-Pudel spezialisiert ist. Die Nachfrage sei deutlich höher als das Angebot. „Jeder will jetzt einen Teacup-Hund haben, aber man hat sie ja nicht in den Regalen sitzen.“ Die Arbeit ist zeit- und kostenintensiv. Gerade die Welpen bräuchten besonders viel Zuwendung. „Da muss man alle zwei Stunden zufüttern, Tag und Nacht“, sagt Winter.
Die schwächsten Tiere für die Zucht
Aber wie werden die Winzlinge überhaupt herangezüchtet? „Man sucht sich die schwächsten und kleinsten Tiere aus einer Zucht aus, um mit denen wieder zu züchten“, sagt Daniela Schrudde, inhaltliche Leiterin der Welttierschutzgesellschaft. Das sei wider die Natur. Die typischerweise großen Augen, der große Hinterkopf und die kleine Nase entsprächen zudem nicht der Anatomie eines gesunden Hundes.
„So etwas passiert nicht, wenn man das sorgfältig macht und reine Teacup-Hunde miteinander verpaart“, entgegnet Ivonne Winter. Die Mutter-Hündin etwa müsse mindestens 20 bis 23 Zentimeter groß sein und auch der Rüde müsse größenmäßig zu ihr passen. Ihre Mini-Pudel seien genauso gesunde Hunde wie jeder Klein- oder Großpudel, sagt Winter.
Fragil und verletzungsanfällig
Lisa Hoth, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund, hingegen berichtet von Tieren, die häufig zittern, weil ihre Körpertemperatur zu niedrig sei. Ein weiteres Problem sei Unterzuckerung: Die könne schon durch eine verpasste Mahlzeit entstehen und schlimmstenfalls in den Tod führen. Auch Fehlentwicklungen am Kopf seien zu beobachten. Zudem seien die Knochen sehr fragil, die Augen unproportional groß und dadurch verletzungsanfälliger und Milchzähne oft nicht ohne äußere Hilfe entfernbar.
Rechtlich scheint die Sache zunächst eindeutig: Denn nach dem Tierschutzgesetz sind sogenannte Qualzuchten in Deutschland verboten. Das heißt, es ist nicht erlaubt, Tiere zu züchten, wenn ihnen Körperteile oder Organe für ihren artgemäßen Gebrauch fehlen oder umgestaltet sind – und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. „Wenn man sich die Teacup-Hunde anschaut, die haben das alle“, sagt Daniela Schrudde.
Rechtliche Probleme
Die praktische Umsetzung des sogenannten Qualzuchtparagrafen stößt jedoch auf Probleme, wie Lisa Hoth erläutert. „Bislang gab es nur Urteile einzelner Zuchten.“ Dabei seien bestimmte Qualzuchtmerkmale wie etwa die Kurzköpfigkeit bereits bekannt und wissenschaftlich untersucht, sagt die Tierschützerin.
Auf dem Online-Portal Instagram gibt es zahlreiche Seiten, die regelmäßig Fotos und Kurzvideos der winzigen Vierbeiner präsentieren: Mal sind sie in bunten Kostümchen eingepackt, mal strecken sie den kleinen Kopf aus einem Strandkorb. Dabei wird nichts dem Zufall überlassen, alles scheint minutiös inszeniert, vom perfekt gepflegten Fell bis hin zur Auswahl der Bildrequisiten.
Zertifikate keine Garantie
Auffällig ist dabei, dass es vor allem die Seiten von professionellen Händlern sind, die besonders viele Nutzer erreichen. Die Instagram-Seite des Anbieters „Rolly Teacup Puppies“ etwa hatte Anfang Juni 740.000 Abonnenten, der Händler versendet die Winzlinge, die umgerechnet bis zu 8640 Euro kosten, in die ganze Welt.
Doch allein die Tatsache, dass die Hunde weltweit verschickt würden, ohne die künftigen Besitzer genauer zu kennen, spreche gegen die Seriosität des Angebotes, sagt Daniela Schrudde. Auch Zertifikate seien keine Garantie dafür, dass es den Tieren gut gehe.