Panorama Gewinn für Bauern und Staatskasse
«Yamoune.»Roter Libanese, das war in der Bundesrepublik der 80er Jahre noch ein Synonym für Haschisch. Dann drängte Libanon den Anbau von Cannabis für Jahre zurück. Jetzt setzen dort viele auf einen neuen Boom der Droge.
„Wir haben versucht, Äpfel anzupflanzen, Tomaten, Kartoffeln. Nichts wächst besser in dieser Region als Cannabis“, sagt Bauer Abu Ali Schreif aus dem libanesischen Yamoune. „Du brauchst nur Samen und Wasser, dann kriegst du das beste Haschisch“, sagt der 52-Jährige – neben ihm die kniehoch aufgehäufte illegale Ernte. „Libanesisches Cannabis ist wie Gold. Es ist das beste der Welt.“ Die Pflanze, die ihn so erfreut, bereitet manchen in Deutschland Kopfzerbrechen. Laut Sucht- und Drogenbericht ist Cannabis hierzulande wieder auf dem Vormarsch. Es ist jedoch vor allem die Verwendung als Medikament, die hier in Libanon Hoffnungen weckt. Seit Generationen bauen die Bewohner des Bekaa-Tals trotz häufiger Razzien der Behörden Cannabis an, wie Abu Ali Schreif berichtet. Insbesondere während des Bürgerkriegs zwischen 1975 und 1990 florierte der Anbau. Roter Libanese, das war in den 80ern in Westdeutschland ein gängiges Synonym für Haschisch. In den frühen 90ern begannen dann Libanons Regierung und das UN-Entwicklungsprogramm, Cannabis durch andere Pflanzen zu ersetzen. Doch die Idee konnte sich nicht durchsetzen, Bauern kehrten zurück zur Droge. Der Anbau der Rauschgiftpflanze ist in Libanon illegal. Aber das Parlament erwägt, die Produktion für medizinische Zwecke zu legalisieren. Vertreter aus Bekaa stehen hinter der Idee. Ziel ist es, nicht nur die Region zum Blühen zu bringen, sondern auch dem wirtschaftsschwachen Libanon als Ganzem zu helfen. Auf den Feldern von Yamoune arbeiten auch junge Syrerinnen. Sie sind mit ihren Familien aus ihrem kriegsgebeutelten Land in den Libanon geflohen. Die Mädchen arbeiten ruhig und werden dabei von Mostafa beobachtet. Mostafa, ebenfalls Syrer, managt den Cannabis-Anbau für Abu Ali Schreif. „Zeit ist Geld. Wir müssen schnell sein und die Ernte einfahren, um sie zu einem guten Preis zu verkaufen“, sagte der 30-Jährige. Der Anbau von Cannabis kann viel Geld einbringen. Laut der örtlichen Bevölkerung landet der Großteil der Einnahmen derzeit aber in den Taschen der Dealer, die es nach Europa und in andere Teile der Welt schmuggeln. „Leute wie ich, die große Plantagen haben, machen gutes Geld. Aber die Exporteure sind die wirklich reichen Leute“, sagt Schreif. Sein Geschäft könnte profitabler ihn werden, wenn das Parlament die Produktion für medizinische Zwecke erlaubt. Wirtschaftswissenschaftler sagen, die Legalisierung würde den Umsatz bringen, den die hart vom Krieg im benachbarten Syrien getroffene Wirtschaft des Libanons so dringend braucht. Bauern könnten anständig leben, Jobs würden entstehen. „Ich kam auf die Idee, Cannabis zu legalisieren, als ich bemerkte, dass alle legalen Früchte das Cannabis nicht ersetzen können“, sagt Antoine Habshi, ein Abgeordneter aus Deir al-Ahmar, einer überwiegend christlichen Kleinstadt bei Yamoune. „Wenn wir Cannabis legalisieren, helfen wir den Bauern, in Würde zu leben, dämmen die illegale Verbreitung ein und bringen Geld in die Staatskasse.“ Habshi hofft, dass Europa, Südamerika, Australien und Kanada medizinisches Cannabis importieren werden. Bauer Schreif sieht das mit gemischten Gefühlen. „Auf der einen Seite bedeutet das, wir können die Pflanze offen anbauen. Auf der anderen Seite habe ich Angst, dass nur die Regierung profitiert“, sagt er. „Was ist, wenn sie beschließt, unsere Ernte zu niedrigen Preisen zu kaufen, wie sie es mit Tabak macht, und es Unternehmen zu hohen Preisen verkauft?“