Italien
Ausflug nach Venedig: Trump junior auf der Jagd
Donald Trump Jr., der älteste Sohn des US-Präsidenten, liebt Privatreisen. Und diese sorgen in letzter Zeit regelmäßig für Schlagzeilen. Im Januar machte Donald der Jüngere, rein zufällig, ein paar Tage Urlaub in Grönland, das Donald der Ältere bekanntlich den USA einverleiben will. Aber schon einige Tage vorher, nämlich im Dezember, hatte es den 47-jährigen Präsidentensohn nach Italien gezogen, genauer nach Venedig, wo er ebenfalls ein paar Ferientage verbrachte. Was man dank einem Video auf YouTube erst jetzt erfuhr: Während seines Venedig-Aufenthalts nahm Donald Jr. mit einigen Kumpels auch an einer fröhlichen Jagdpartie in der Lagune teil.
Auf dem Video, das von der US-amerikanischen Jagd-Website „Field Ethos – The global hunt for adventure“ produziert wurde, ist Donald Trump Jr. mehrfach zu sehen, wie er im Tarnanzug mit einem Jagdgewehr gen Himmel schießt – dann fallen tote Enten und Gänse zu Boden, die von Jagdhunden apportiert werden. Damit man auch wirklich erkennt, wer da so treffsicher ist, wird der Name Trumps eingeblendet. Auf einem Standbild, das am Dienstag von den italienischen Medien veröffentlicht wurde, sieht man Trump im hohen Schilfgras sitzen, umgeben von seinen frisch erlegten Jagdtrophäen. Unter den toten Tieren befindet sich auch eine Rostgans. „Very cool“ sei das Jagen in der Lagune gewesen, sagt im Video eine Stimme, wobei nicht klar ist, ob der Satz vom Präsidentensohn gesagt wurde.
Massaker im Schutzgebiet
Der grüne Parlamentarier des Regionalrats von Venetien, Andrea Zanoni, fand das Video jedenfalls gar nicht cool. Er betonte, dass es sich bei der Rostgans um eine europaweit geschützte Spezies handle, die in Italien nicht gejagt werden dürfe. Außerdem habe das Vogelmassaker wahrscheinlich in einem Teil der Lagune stattgefunden, das durch die EU-Habitat-Direktive geschützt ist. Laut der Turiner Zeitung „La Stampa“ und anderen Medien wurde auf einem Stück Land gejagt, das als besonderes Schutzgebiet mit der Bezeichnung „Mittlere-Untere Lagune von Venedig“ des EU-Netzwerks Natura 2000 ausgewiesen ist. Außerdem: Ausländer dürfen in Italien ohnehin nicht jagen; das sei laut Gesetz einzig und allein der einheimischen Bevölkerung vorbehalten, erklärte Zanoni.
Der grüne Lokalpolitiker hat bereits angekündigt, dass er beim Präfekten von Venedig Strafanzeige gegen den Trump-Sprössling stellen wird. „Die können hier nicht die Herren spielen, die Region Venetien und Italien sind noch nicht Eigentum der USA.“ Venedigs sozialdemokratische Stadträtin Monica Sambo wiederum erklärte, dass es „gravierend und inakzeptabel“ sei, dass geschützte Arten in der Lagune von Venedig getötet würden. „Sollte die Beteiligung von Trump Junior an der Jagd in der Lagune bestätigt werden, hoffen wir, dass er wie jeder andere Bürger strafrechtlich verfolgt wird.“ Für die Tötung geschützter Tierarten sieht das italienische Strafgesetzbuch Strafgelder bis 4000 Euro oder Gefängnisstrafen bis sechs Monate vor.
Am Dienstagabend teilte die Regionalregierung von Venetien mit, dass Trump Jr. eine Jagdgenehmigung beantragt und diese auch erhalten habe. Dennoch hat die Jagdpartie des Trump-Sohns längst auch die nationale Politik aufgescheucht. Die Abgeordnete des linksgrünen Bündnisses AVS, Luana Zanella, hat an Giorgia Melonis Umweltminister Gilberto Pichetto Fratin eine dringliche Interpellation gerichtet, in welchem sie Aufklärung über den Vorfall fordert. Mit anderen Worten: Die Angelegenheit dürfte ein politisches und auch ein diplomatisches Nachspiel haben, vor allem dann, falls die Staatsanwaltschaft von Venedig Strafermittlungen gegen Donald Trump Jr. einleiten sollte.
Melonis guter Draht
Bisher sieht sich die rechtsnationale Regierungschefin Meloni als privilegierte Gesprächspartnerin von US-Präsident Trump, der sie unlängst als „fantastic person“ bezeichnet hat. Trump war es auch maßgeblich zu verdanken, dass Anfang Januar die italienische Journalistin Cecilia Sala aus einem iranischen Foltergefängnis entlassen wurde. Eine Anklage gegen Trump Jr. in Italien wäre dem guten Einvernehmen wohl nicht förderlich. Andererseits wäre ein Gnadenerlass für den Trump-Sohn für Meloni heikel: Italiens Tierschützer zählen zu den militantesten Europas, und sie rühren bereits die Kriegstrommel.