Panorama 41-Jähriger im Mordfall Peggy unter Verdacht
«Lichtenberg.» Im Fall des toten Mädchens Peggy aus Oberfranken hat die Polizei mehrere Anwesen eines 41 Jahre alten Beschuldigten durchsucht. Der Mann sei bereits früher zum „relevanten Personenkreis“ im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Peggy gezählt worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft gestern mit.
Nun sei er wieder in den Fokus der Ermittler gerückt, weil aktuelle Untersuchungsergebnisse und frühere Erkenntnisse neu bewertet worden seien. Der 41-Jährige sei vernommen und wieder entlassen worden. „Zum Inhalt der Aussage können wegen der andauernden Ermittlungen keine Angaben gemacht werden“, hieß es. Die Durchsuchungen im oberfränkischen Lichtenberg und im rund 50 Kilometer entfernten Marktleuthen fanden bereits am Mittwoch statt. Peggys Schicksal zählt zu den rätselhaftesten Vermisstenfällen in Deutschland. Am 7. Mai 2001 war die damals Neunjährige verschwunden. Gut 15 Jahre später – Anfang Juli 2016 – fand ein Pilzsammler Teile ihres Skeletts in einem Waldstück bei Rodacherbrunn in Thüringen, knapp 20 Kilometer von Peggys Heimatort Lichtenberg entfernt. Gegen den beschuldigten 41-Jährigen hätten sich Verdachtsmomente ergeben, nachdem die Polizei die wissenschaftlichen Untersuchungen zu den am Knochen-Fundort entdeckten Spuren bewertet und mit Erkenntnissen aus den Ermittlungsakten abgeglichen habe. Weitere Ermittlungsschritte hätten diese Verdachtsmomente untermauert. Die Ermittler haben den Fall bis heute nicht gelöst. Sie hatten im Laufe der Jahre aber schon mehrere Verdächtige im Visier. Der bekannteste Fall ist der eines geistig Behinderten, den ein Gericht 2004 als Mörder von Peggy verurteilte. Zehn Jahre später wurde er in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen. Am Fundort von Peggys Skelett hatten die Ermittler auch DNA des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt. Später stellte sich jedoch heraus, dass eine Verunreinigung eines Geräts der Spurensicherung der Grund dafür war. Im vergangenen Jahr hatte sich eine Gruppe von Bürgern aus Lichtenberg mit einem „Hilferuf“ an die Öffentlichkeit gewandt. Darin warfen die elf Unterzeichner den Ermittlungsbehörden gravierende Fehler und Schlamperei vor. Viele Hinweise aus der Bevölkerung seien ignoriert worden und Zeugenaussagen aus den Akten verschwunden. Die Staatsanwaltschaft wies die Vorwürfe zurück.