ZWEIBRÜCKEN RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücker Stadtderby ist ein höllisch lautes Spektakel

Drehte in der zweiten Hälfte mächtig auf: Marc-Robin Eisel (mit Ball, hier gegen Dominik Rifel).
Drehte in der zweiten Hälfte mächtig auf: Marc-Robin Eisel (mit Ball, hier gegen Dominik Rifel).

Höllisch lautes Spektakel Handball: Wer am Samstag in die Zweibrücker Westpfalzhalle gekommen war, um sich das Stadtderby zwischen dem SV 64 Zweibrücken und der VTZ Saarpfalz anzuschauen, musste wirklich hart im Nehmen sein. Die Halle war mit 1200 Fans prollenvoll, emotional und tatsächlich überhitzt. Ausliegende Vuvuzelas sorgten zudem beim Sieg des SV 64 für einen ohrenbetäubenden Lärm.

Die sportlichen Verhältnisse im Zweibrücker Handball sind für diese Saison geklärt: Der SV 64 Zweibrücken, Spitzenreiter der Handball-Oberliga, gewann auch das zweite Stadt-Derby gegen die VTZ Saarpfalz. Mit 27:20 (9:10) setzten sich die Zweibrücker am Samstag vor 1200 Zuschauern durch, die in der Westpfalzhalle ein höllisch lautes Spektakel bereiteten.

„Die Jungs waren mega-nervös“, beschrieb SV-Trainer Stefan Bullacher den Auftakt seiner Mannschaft, der komplett misslang. Das Spiel sei zunächst ganz klar in Richtung VTZ gelaufen, stellte er fest. Die VTZ führte nach 24 Minuten, auch in der Höhe verdient, mit 10:5. Tom Paetow und Martin Mokris, brachten mit schönen Schlagwürfen – die die SV-Abwehr zunächst nicht verteidigte – ihr Team in Führung. „Man hofft, dass das umgesetzt wird, was man sich vorgenommen hat. Das hat in den ersten 20, 25 Minuten hervorragend funktioniert“, analysierte VTZ-Trainer Kai Schumann die Anfangsphase seines Teams. Tom Paetow hatte zum 10:5 (24.) getroffen. „Ich wollte unbedingt gewinnen“, bekannte er.

SV 64 findet erst nach und nach ins Spiel

Kenner beider Zweibrücker Handball-Teams hatten angesichts dieser Startphase eine dritte Oberliga-Mannschaft vor Augen: die SF Budenheim. In Budenheim verlor der SV sein bisher einziges Saisonspiel. Auch dort war die Mannschaft sichtlich gehemmt aufgetreten, der Knoten platzte über 60 Minuten nicht. Die VTZ hatte hingegen den Budenheimern zu Hause eine tolle erste Halbzeit geboten, war dann im zweiten Durchgang eingebrochen. Die spannende Frage war also: Würde sich die Budenheim-Geschichte für eines der beiden Teams wiederholen?

Nicht für den gastgebenden SV 64. Der fand nach dem Fünf-Tore-Rückstand ins Spiel. Die Wechsel, die Bullacher vorgenommen hatte – unter anderem hatte er Christopher Huber, Tom Ihl und Till Wöschler gebracht – fruchteten. Die VTZ tat sich nun zunehmend schwerer. „Wir hatten halbzeitübergreifend einen 14:1-Lauf“, stellte ein zufriedener Bullacher fest. Binnen 20 Minuten habe seine Mannschaft die VTZ weggedonnert. „Das 14:1, das ist eine ganz klare Sprache“, fand Bullacher.

VTZ-Abwehr findet nach Pause keinen Zugriff mehr

Huber verkürzte zunächst auf 6:10. Mit einem Heber. „Ich dachte die ganze Zeit: Das kann doch nicht sein, dass wir hier vor dieser großartigen Kulisse so eine schwache Leistung abliefern“, betonte Tom Grieser, der zum emotionalen Führungsspieler seines Teams avancierte. Er traf per Gegenstoß zum 7:10 und markierte auch das 8:10. Kian Schwarzer verkürzte in der 30. Minute vom Kreis auf 9:10. VTZ-Torwart Yannic Klöckner parierte in der Schlusssekunde der ersten Hälfte einen letzten Wurf von SV-Kapitän Philip Hammann.

In der Kabine bekannte Grieser, habe sich das SV-Team noch mal richtig motiviert. Einer kam besonders erfolgreich zurück: Marc-Robin Eisel. Er war ganz schwach ins Derby gestartet. „Ja, leider, bin ich da manchmal einfach schlecht, brauche Anlaufzeit“, bekannte Eisel hinterher lachend und freute sich: „Es hat dann ja aber noch geklappt.“ Und wie. Eisel war einer der Matchwinner des SV. „Wir haben in der Abwehr keinen Zugriff mehr bekommen. Man muss auch einräumen, dass weder ich noch Alex Akzente im Tor setzen konnten“, analysierte VTZ-Torhüter Klöckner seine Leistung und die seines Vertreters Alexander Dörr selbstkritisch. Was den Zugriff in der Abwehr anbelangte, konkretisierte Schumann: „Wir haben die langen Übergänge von den Halbpositionen nicht mehr verteidigt bekommen, sind in der Seitwärtsbewegung nicht mehr mitgekommen.“

VTZ arbeitet sich an SV-Abwehr ab

Auf der anderen Seite steigerte sich SV-Torhüter Marko Ivankovic im zweiten Durchgang, vor allem aber steigerten sich sein Vorderleute. „Es ist so heftig, gegen diese Abwehr 60 Minuten lang anlaufen zu müssen“, bekannte Paetow. Irgendwann werde man müde, und die Präzision bei den Würfen gehe verloren. Das habe auch dazu geführt, dass der SV 64 ins Rollen kam. „Und wenn der Zug rollt, rollt er richtig“, erkannte Paetow an. Auf seinen Schultern sowie auf den Schultern von Mokris und Loic Laurent verteilte sich die Hauptangriffslast der VTZ. Der Franzose könnte der größte Pechvogel des Spiels sein. Er kämpfte bis zum Abpfiff, lief kurz vor dem Schlusspfiff noch energisch mit zurück und griff sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Oberschenkel. Der Muskel, sagte Schumann. Eine genaue Diagnose steht noch aus.

Der Spitzenreiter hatte zu diesem Zeitpunkt, begleitet von lautstarkem Vuvuzela-Lärm, die Partie längst im Griff. „Wir haben uns aber nicht so aufgegeben wie gegen Budenheim“, sah auch VTZ-Trainer Philip Wiese aus VTZ-Sicht keine Duplizität der Ereignisse. Nach dem Abpfiff rollten die SV-Fans das große Plakat mit der Aufschrift „Derbysieger“ aus. Es war das optische Signal zum Start in eine lange Party-Nacht.

So spielten sie

SV 64 Zweibrücken: Ivankovic, Berz (ab 55.) - Bayer (2), Eisel (7), Grieser (4) - Hammann, Schaller (3/1) - Schwarzer (1) - Zellmer (5/2), Ihl, Huber (4), Dettinger, Wöschler, Alt (1)

VTZ Saarpfalz: Klöckner, Dörr (36.-50. ) - Kraucevicius, Mokris (6/1), Paetow (8) - Brauns, Wilga - Rifel (2) - Zilinczik, Laurent (4)

Spielfilm: 2:2 (6.), 2:5 (13.), 5:7 (20.), 5:10 (24.), 9:10 (Halbzeit), 11:10 (32.), 12:11 (36.), 19:11 (44.), 22:14 (50.), 27:20 (Ende) - Zeitstrafen: 3:3 - Strafwürfe: 4/3:1/1 - Beste Spieler: Eisel, Grieser - Paetow, Mokris - Zuschauer: 1200 - Schiedsrichter: von Wolff/Müller (Saulheim/Osthofen).

Zwischendurch hektisch, war es nach dem Derby wieder friedlich: Shakehands zwischen SV-Coach Stefan Bullacher und VTZler Tom Pae
Zwischendurch hektisch, war es nach dem Derby wieder friedlich: Shakehands zwischen SV-Coach Stefan Bullacher und VTZler Tom Paetow.
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