Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Zahlen zur Kaufkraft: Biedershausen ist die neue Nummer 1

Mal ein anderer Blick auf Biedershausen. Vor 20 Jahren noch ganz unten, ist die Kaufkraft der Einwohner aus dem Dorf auf der Sic
Mal ein anderer Blick auf Biedershausen. Vor 20 Jahren noch ganz unten, ist die Kaufkraft der Einwohner aus dem Dorf auf der Sickinger Höhe nun spitze im Zweibrücker Land.

Der persönliche Eindruck mag ein anderer sein. Finanziell aber geht es den Menschen im Zweibrücker Land gar nicht so schlecht. Wenigstens statistisch und im Vergleich. Schaut man auf Zweibrücken und 34 Umland-Gemeinden, liegen nach Kaufkraft jetzt elf über dem deutschen Durchschnitt. Vor vier Jahren waren es acht.

kaufkraft 2023

Die Gesellschaft für Konsumforschung, die anerkannte GfK mit Sitz in Nürnberg, ermittelt aufgrund amtlicher, anonymisierter Einkommensdaten der Vorjahre die Kaufkraft der Einwohner aller deutscher Gemeinden. Aus allen zusammen wird ein Durchschnittswert gebildet und aufs laufende Jahr hochgerechnet. Die Hochrechnung beruht unter anderem auf repräsentativen Befragungen und einer erprobten, immer weiter verfeinerten Methode. Für dieses Jahr, 2023, gibt die GfK das verfügbare, durchschnittliche Netto-Jahreseinkommen – auch Kaufkraft genannt – eines deutschen Einkommensbeziehers mit 26.271 Euro an. Übrigens ein Zuwachs um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was allerdings bei den allermeisten keine Freudensprünge auslösen dürfte. Stichwort: Inflation.

Nimmt man die ermittelten Einkommen aller Einwohner einer Gemeinde zusammen, ergibt sich ein Bild über die private Vermögenslage, nicht der öffentlichen Finanzlage einer Gemeinde. Also: Es kann sein, dass in einem Ort sehr viele Gutsituierte wohnen, das Durchschnittseinkommen hoch ist, sogar die privaten Vermögen, der Gemeindehaushalt aber Land unter.

Kaufkraft: Wie gut geht’s den Einwohnern einer Gemeinde?

Was besagt die Kaufkraft überhaupt? Sie ist eine in einem Euro-Betrag ausgedrückte Kennziffer für das den Lebenshaltungskosten und dem Konsum zur Verfügung stehende Jahreseinkommen der Bürger. Pro Kopf der Einkommen beziehenden Einwohner eines Ortes. Die laufenden Einnahmen werden berücksichtigt, nicht dagegen angehäuftes Vermögen, Kapital, das einmal aufgezehrt oder weitergegeben werden soll. Die Gesellschaft für Konsumforschung wertet die amtliche, anonymisiert Einkommensstatistik aus. Das Netto-Einkommen von Erwerbstätigen wird dabei ergänzt durch weitere Einkommensquellen, darunter die wichtigsten: Renten und Pensionen, aber auch staatliche Transfers wie Arbeitslosengeld, Bürgergeld, Kindergeld, etc.). Um kein Zerrbild zu zeichnen, berücksichtigen die Forscher Einkommen von Höchstverdienern, Einkommensmillionären, nur begrenzt. Der unterm Strich stehende Betrag ist die Kaufkraft.

Vereinfacht ausgedrückt besagt sie, wie gut es finanziell den Einwohnern einer Stadt oder eines Dorfes geht. Wie viele Anschaffungen, aber auch Schulden, sie sich leisten können. Durchschnittlich und statistisch wohlgemerkt, auf einzelne Personen lässt sich ausdrücklich nicht schließen. Den deutschen Durchschnitt setzt die GfK zu Vergleichszwecken mit dem Indexwert 100 an. Liegt die ermittelte Kaufkraft einer Gemeinde darüber, so erreicht sie einen Indexwert 100 plus X, liegt sie darunter, so wird ihr entsprechend ein Indexwert kleiner 100 zugewiesen.

Zweibrücken relativ besser, Pirmasens relativ schlechter

Wie steht es so gesehen um die Orte im Zweibrücker Land? Vergleicht man die Daten 2023 mit denen von 2019, also vor der Corona-Pandemie mit zum Teil herben Konsequenzen für Löhne und Gehälter – denkt man an die Kurzarbeit gerade in der Zweibrücker Industrie im Jahr 2020, als 6400 in Zweibrücken Beschäftigten Lohnersatzleistung von der Agentur für Arbeit bezogen – so fällt auf: Waren es vor vier Jahren acht Orte, die über dem deutschen Durchschnitt lagen, sind es jetzt elf. Und waren es 2019 elf Orte, deren Einwohner eine stärkere Kaufkraft aufbrachten als der rheinland-pfälzische Mittelwert, sind es aktuell 16. Die GfK gibt die rheinland-pfälzische Pro-Kopf-Kaufkraft 2013 mit 25.718 Euro an. Für Walshausen, Schmitshausen, Krähenberg, Kleinbundenbach, Langwieden und Gerhardsbrunn ging es hoch, über den Landesdurchschnitt, Reifenberg fiel zurück, unter den Schnitt. Kleinbundenbach schaffte wie das nur 270 Einwohner zählende Langwieden und das noch kleinere Gerhardsbrunn (174) sogar den Aufstieg über den deutschen Durchschnitt – nach Kaufkraft pro Kopf.

Es gibt einen neuen Spitzenreiter im Zweibrücker Land. Biedershausen führt nun die Kaufkraft-Rangliste an, sogar mit deutlichem Vorsprung. In Euro: 1248. Vor vier Jahren noch lagen die 184 Biedershauser nach dem durchschnittlichen, verfügbaren Pro-Kopf-Nettoeinkommen auf Rang vier, zogen aber nun an den damals führenden Saalstadt, Rosenkopf und Wallhalben vorbei. Die Biedershauser Kaufkraft wird nun von der GfK mit 29.676 Euro im Jahr angegeben. Das ergibt den stolzen Indexwert 113.

Nettoeinkommen im nahen Saarland höher

Die Kaufkraft der gut 34.000 Zweibrücken liegt im unteren Viertel der „Rangliste“, nicht untypisch für eine sozial-durchmischte deutsche Stadt mit „Speckgürtel“. 24.005 Euro bedeuten einen Indexwert von 91,4. Relativ, bezogen auf Gesamtdeutschland, verbesserte sich die Kaufkraft der Zweibrücker aber leicht, um genau einen Indexpunkt. 2019 lautete der Wert 90,4. Blickt man nach Pirmasens, ist das nicht schlecht. Für Pirmasens nennt die GfK nun eine Pro-Kopf-Kaufkraft von 21.986 Euro und einen Indexwert von 83,7. 2019 war er noch 84,2 aber auch damals schon der schwächste aller Städte und Kreise der Pfalz.

Vorne in der Pfalz liegt der Rhein-Pfalz-Kreis, also das Ludwigshafener Umland, mit 114,5, gefolgt von Bad Dürkheim (111,0) und Neustadt an der Weinstraße (108,1), Der Landkreis Südwestpfalz liegt mit einer Kaufkraft von 24.932 Euro und dem Indexwert 94,9 noch im Mittelfeld. Und besser als die angrenzenden westpfälzischen Kreise Kaiserslautern (92,9) und Kusel (89,5).

Blickt man kurz über die Landesgrenze ins nahe Saarland, erkennt man aber: In Blieskastel (pro Kopf 26.346 Euro, Indexwert 100,3), Homburg (25.304; 96,3) und dem übrigen Saarpfalz-Kreis (26.185; 99,7) liegen die verfügbaren Nettoeinkommen im Schnitt höher als in Zweibrücken und der Südwestpfalz.

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