Wochenend-Kolumne
Wird für die tollen Euroclassic-Angebote genug geworben?
„Zu Asche. Zu Staub.“ Wer die TV-Serie „Babylon Berlin“ gesehen hat, der kennt das Moka Efti. Das verruchte Nachtlokal in der Reichshauptstadt der späten 1920er-Jahre. Schauplatz des Krimi-Geschehens, das in der Zeit der Weimarer Republik spielt. Den Nachtclub gab es nicht wirklich, er war fürs Fernsehen erfunden. Doch ganz real existiert das Moka Efti Orchestra: Die fantastische Bigband mit Swing und Jazz im Stil der Goldenen Zwanziger schlägt das Publikum derzeit auf Deutschland-Tournee in Bann. Allen voran die geheimnisvolle Leadsängerin Severija mit ihrem rauchigen Alt.
Wer am Samstag vor einer Woche in der Zweibrücker Festhalle dabei war, der kann den Lobeshymnen nur beipflichten. Was das Orchester da auf die Bühne gezaubert hat, war meisterhaft und mitreißend.
Wer hat’s gesehen? Nur etwa 180 der 680 verfügbaren Plätze waren besetzt. „Diese Besucherzahl blieb völlig unter unseren Erwartungen“, bedauert Thilo Huble. Dabei hatte sich der Zweibrücker Kulturamtsleiter eigens mit dem Festival „Tatort Eifel“ in Daun zusammengetan: Denn weder die Veranstaltungsreihe in der Eifel noch das hiesige Euroclassic hätten für sich allein das kostspielige Moka Efti Orchestra bezahlen können. Daher gastierte die Berliner Bigband in einer Art Gesamtpaket am 16. September in Daun und tags darauf in Zweibrücken.
Hier habe ich das Konzert zusammen mit Bekannten aus Bexbach besucht. Hätte ich diese nicht vorab auf das Gastspiel aufmerksam gemacht, hätten sie vom Moka-Efti-Besuch hier in der Region überhaupt nichts mitbekommen. In der Festhalle wunderten sich meine Freunde dann über die vielen Stühle, die leer geblieben sind. „Wenn die mehr Werbung gemacht hätten, wäre die Halle voll geworden“, meinten sie: „,Babylon Berlin’ zieht doch die Leute an. Aber man muss ja erst mal wissen, dass hier so etwas stattfindet.“
„Wo sind die Plakate, die Flyer, die Inserate, die Radio-Spots?“ hat neulich mein Kollege Christian Hanelt in der Pirmasenser Ausgabe der RHEINPFALZ mit Blick auf Euroclassic gefragt – in einem Kommentar mit der Überschrift „Es ist Festivalzeit und keiner merkt es“.
Thilo Huble versichert, dass für Euroclassic in diesem Jahr keineswegs weniger geworben werde als früher. Und dass das interessierte Publikum das Angebot durchaus wahrnehme, könne man daran sehen, dass bevorstehende Festival-Höhepunkte wie die Auftritte von Karat und Jan Josef Liefers bereits nahezu ausverkauft seien.
„Den Leuten sitzt das Geld nicht mehr so locker“, erinnert Huble an die gestiegenen Lebenshaltungskosten. „Da wird auch bei der Kultur strenger ausgewählt – viele Leute gehen nur noch zu den ganz großen Acts.“ Hinzu komme die Zurückhaltung wegen Corona.
Aber vielleicht hätte man ja mit etwas weiter ausstrahlender Werbung trotzdem noch mehr Musikfreunde erreichen können, die gerne zu Moka Efti gekommen wären. Wenn sie denn von diesem und anderen tollen Zweibrücker Angeboten überhaupt erfahren hätten.