Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Wie gut funktioniert der Livestream der Drittliga-Spiele des SV 64 Zweibrücken?

Handball auf zwei Computer-Bildschirmen statt in der Halle: Die beiden Live-Kommentatoren des hessischen Gastgebers ESG Gensunge
Handball auf zwei Computer-Bildschirmen statt in der Halle: Die beiden Live-Kommentatoren des hessischen Gastgebers ESG Gensungen/Felsberg haben sich hörbar auf das Team des SV 64 Zweibrücken vorbereitet.
Jetzt zahlen bitte: Ein Handball-Spiel der Dritten Liga im Internet- Livestream kostet 4,50 Euro.
Jetzt zahlen bitte: Ein Handball-Spiel der Dritten Liga im Internet- Livestream kostet 4,50 Euro.

Drittliga-Spiel am Samstag zwischen der ESG Gensungen/Felsberg und dem SV 64 Zweibrücken. Ohne Fans. Wer dennoch live mitfiebern will, holt sich für 4,50 Euro ein Ticket beim Online-Sportsender Sportdeutschland.TV. Andrea Daum hat’s ausprobiert.

Sportfans kennen Sportdeutschland.TV. Viele Bild- und Tonübertragungen des Online-Sportsenders sind via Internet kostenfrei. Wer Drittliga-Handballspiele sehen möchte, muss allerdings ein Ticket für die Übertragung kaufen. Das sind gar nicht so wenig Leute: Zum Spiel der Aufstiegsrunde zwischen dem VfL Pfullingen und dem TuS Dansenberg schalteten sich Mitte April 1000 Rechner zu.

Zum ersten Mal dabei? Dann heißt es, sich erst mal registrieren. Name, Mail-Adresse und auswählen, wie bezahlt wird. Es stehen verschiedene Optionen offen. Jetzt heißt es aufpassen beim Buchen: Wer den SV 64 Zweibrücken unterstützen möchte, damit dieser an den Einnahmen beteiligt wird, kauft das Einzelticket SV 64 Zweibrücken. Gebucht.

Gut: Zweibrücken ist nicht Saarbrücken

Es tut sich: nichts. Abgesehen vom Hinweis, dass es bis zu 15 Minuten dauern kann, bis die Übertragung startet, läuft nur der Countdown auf der Spielankündigungsmaske runter. Hat das jetzt geklappt? Ja, hat es – aber die Bestätigungs-Mail, die das umgehend beantwortet hätte, findet sich erst am nächsten Tag im Spam-Ordner. Das Countdown-Bild verschwindet. Werbung startet für eine Versicherung, für hessisches Bier, dann kommt wieder das Live-Bild aus der „Hölle Nord“, wie die ESG ihre Heimspielstätte nennt.

„Guten Abend aus Hessen“, begrüßen die beiden Kommentatoren die Zuschauer. Ausdrücklich auch die in Zweibrücken. Da sind die Jungs in Gensungen ihren Kollegen aus Kirchberg jüngst weit voraus. Die hatten ständig von Saarbrücken gesprochen. Auf dem Feld wärmen sich die Teams gerade auf, die Kamera bleibt bei den Gastgebern. Es folgen zwei regionale Werbeclips, wieder das Live-Bild aus der Sporthalle. Kurz vor dem Anpfiff werden Werbebanner regionaler Sponsoren eingeblendet. Das erinnert an Kinowerbung vor dem Jahr 2000.

Sogar mit Wiederholungen

Anpfiff, und die Übertragung beginnt Spaß zu machen. Die Partie lässt sich gut verfolgen. Besonders schöne Aktionen werden auch wiederholt. In der ein oder anderen Szene würde man sich in der in eher gedeckten Farben gehaltenen Halle etwas mehr Licht wünschen. Eine Aufstellung wird zwar nicht geliefert, die lässt sich parallel dazu aber per Liveticker holen. Aber Achtung: Wer sich die Spannung bis zum Schluss der Übertragung erhalten will, sollte bedenken, dass das weniger komplexe Liveticker-Signal deutlich früher ankommt als das Online-Fernsehbild.

Die Kamera ist immer auf Ballhöhe, das Spielgerät ist gut zu sehen. Der ein oder andere Zoom wäre schön. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau, denn das Bild aus Hessen kommt ruckelfrei in der Pfalz an. Und Stimmung wird auch transportiert, in der Halle wird getrommelt.

„Jetzt sehen wir schon die 3:2:1-Abwehr der Zweibrücker“, verweisen die Kommentatoren auf taktische Besonderheiten. Gegen die es, verraten sie, laut Gensungens Trainer taktische Mittel gibt. Wie den siebten Feldspieler. Die beiden Kommentatoren sind natürlich ESG-Fans, halten sich aber lange wohltuend zurück. Strafwurf für die ESG. „Hast du das auch so gesehen?“, fragt Marcel seinen Co-Kommentator. Diplomatische Antwort: „Kann man geben.“ „Ob das die Zweibrücker Zuschauer auch so sehen?“, fragt Marcel. Nein, klare Fehlentscheidung, denkt der Zuschauer mit dem SV-Ticket. Dass die Kommentatoren sich auf die Gäste vorbereitet haben, ist unüberhörbar. Sie kennen die schwache Siebenmeter-Bilanz, wissen, welcher Spieler neu im Team ist, wer nach der Saison wohin wechselt.

Der innere Fan im Kommentator

Auszeiten sind dann Zeiten für Werbung oder es wird Musik eingespielt. Das gilt auch für die Halbzeitpause. Wird keine Werbung gezeigt, bleibt die Kamera auf dem Spielfeld. Ohne Kommentatoren-Ton. Der wird erst in Halbzeit zwei wieder dazugeschaltet.

Die Zweibrücker holen nun einen deutlichen Rückstand auf. Jetzt fällt es den Kommentatoren zunehmend schwerer, neutral zu bleiben. Der innere Fan gewinnt die Oberhand. Die Partie endet unentschieden. An diesem Abend hat sich das Ticket für den Zweibrücker Handball-Fan gelohnt.

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