Zweibrücken
Training im Jugendfußball: Den Spaßfaktor hochhalten
„Das haben wir auch befürchtet nach dieser langen Zeit, in der viele gar nicht wussten, wohin mit ihrer Energie. Deshalb haben wir sofort, als es möglich war, mit dem Training für die A-, B- und C-Junioren angefangen“, hat Sascha Grimm als Vorstand des SV Ixheim den Überblick über alle Altersklassen. Harald Nentwig, Jugendleiter der JSG Wattweiler/Saarpfalz, fiel auf: „Die Kinder hatten sich wochenlang nicht gesehen. Da musste zuerst einmal ein enormer Redebedarf gestillt werden.“
Früh mit Training gestartet
Grimm ist in der Jugend des VB Zweibrücken groß geworden. Sein sechsjähriger Sohn Lennox kickt in der G-Jugend, wo der Papa und Klaus Gehlbach das Training leiten. „Um auch ja keinen zu verlieren und sofort als aktiver Verein präsent zu sein, hatten wir uns vorgenommen, so schnell wie möglich mit dem Training zu starten. Per Video-Konferenz haben wir unsere Trainer geschult. Und – Kompliment an alle Beteiligten – es hat super funktioniert!“, bedankt sich Grimm (33). „Die Jungs waren ganz heiß darauf, anfzufangen. Die haben schon mit den Hufen gescharrt!“, schmunzelt Grimm.
„Wir haben aus der gesamten Fußballabteilung vielleicht einen Abgang zu verzeichnen. Und der wollte eh seine Priorität auf Basketball verlagern“, so Grimm. Der SVI ist in allen Altersklassen präsent und spielt neben den C-Junioren (U15) kommende Saison mit den B-Junioren (U17) in der Landesliga. „Bei den Kindern habe ich keine auffallende Gewichtszunahme festgestellt. Der Trend ging eindeutig zum Fahrrad. Es sieht so aus, als wenn das anhält, denn es kommen jetzt viel mehr Kinder mit dem Rad zum Training als vorher.“
Das Gemeinsame fehlte
Nentwig rückt mit seiner alten D-Jugend (Jahrgang 2007) hoch in die C-Jugend. Hier wird es eine Spielgemeinschaft aus Wattweiler, TSC Zweibrücken, Mittelbach und Einöd geben, weshalb auch das Wort Saarpfalz in der Mannschaftsmeldung stehen bleibt. „Auch wir haben sofort losgelegt mit dem Training. Bei uns hat das jeder angenommen, sich dran gehalten, die Kinder haben alles vorbildlich umgesetzt. Das Gemeinsame hat ihnen gefehlt. Die haben sich ja auch in der Schule nicht sehen können.“
Der Jugendleiter aus Wattweiler weist auf ein weiteres Problem hin: „Wir haben einen syrischen Jungen dabei, der nur durch Mitnahme anderer zu Spiel und Training kommen kann. Dafür brauchen wir Eltern, die die Verantwortung übernehmen.“
Die Einstellung stimmt
Als Aufsteiger waren die A-Junioren (U19) der SG Rieschweiler in die Landesliga-Saison gestartet. Mit einem hervorragenden vierten Platz schlossen sie die Spielrunde ab. „Auch wir haben uns die Frage gestellt, ob wohl alle wieder zurück kommen. Aber das ist eindeutig eine Einstellungs- und Charaktersache. Wie auch der Fitness-Zustand“, ist Pascal Frank (31), der kommende Saison mit Alexandra Papke die SGR-U19 coacht, der Meinung, dass die Wankelmütigen wohl eher bei den Kleinen zu finden sein werden.
„Wir sind mit der Landesliga schon eher im Leistungsbereich. Da ist über die Jahre ein Leistungspotential aufgebaut, das man nicht so einfach zur Seite legt“, sei man bei der U19 in Rieschweiler auf der glücklichen Seite, dass nicht um Spieler geworben werden muss, sondern 21 Jungs fest zur Verfügung stehen, die alle ihre Verknüpfungen zum Verein unter der ,Dicken Eiche’ haben. „Das ist ein echtes Pfund für uns. Denn welcher Spieler wechselt schon, ohne vorher ein Probetraining gemacht zu haben?“, wirft der Diplom-Ingenieur aus Rieschweiler eine Frage auf, die jetzt erst einmal beantwortet werden will.
Trainer müssen umdenken
„Auch wir haben sofort wieder das Training aufgenommen“, sagt Stefan Schäfer, der mit Nikolaus Sefrin die Landesliga C-Junioren der SG Contwig/Battweiler/Niederauerbach trainiert. „Auch für uns Trainer ist das eine Riesenherausforderung. Da geht es nicht an, mal aus dem Bauch heraus ein Training zu machen, da muss alles stehen, die Abläufe müssen klar vorgegeben sein“, erzählt er aus der Praxis. Sehr angetan ist er von der Art und Weise wie die Kinder mit der Situation umgehen. „Die Kinder haben total viel Verständnis und sind sehr einsichtig. Die waren einfach froh, wieder miteinander etwas machen zu können. Daher sei s für die Trainer jetzt ganz wichtig, den Spaßfaktor hoch zu halten, auch wenn noch nicht alle Spielformen möglich sind.
Schäfer hatte seinen Kickern einen Trainingsplan an die Hand gegeben. „Wer sich nicht daran hält, bescheißt sich selbst. Wir Trainer haben schnell gemerkt, wer auf der Play-Station in die Nationalmannschaft aufgestiegen ist und wer nicht“, erzählt der U15-Trainer lachend. Der Jahrgang 2006, den Schäfer bis vor einem Jahr noch im JFV Zweibrücken aufbaute und hegte, wird als älterer Jahrgang in der Landesliga spielen, wo er als junger Jahrgang schon einen guten neunten Platz belegte. „Es deuten sich noch drei Neuzugänge an. Wir werden wohl auch die Sommerferien durch trainieren, denn wir wollen unter die besten vier Teams kommen.“
Training in den Ferien
„Alle Jungs sind bei der Stange geblieben. Wenn ich ehrlich bin, habe ich auch nichts anderes erwartet“, kann sich Steffen Käfer, der mit Danny Lehmann die E-Junioren der SG Wiesbach trainiert, auf einen unveränderten Kader freuen, mit dem wieder die Kreisliga angestrebt wird. „In der Spielgemeinschaft sind wir stolz darauf, dass wir sofort, wieder mit dem Training anfangen konnten. Die Trainer haben alle Abläufe abgesprochen, alle Beteiligten halten sich prima daran“, sagt Käfer.
Nachdem viele Eltern signalisiert hatten, dass sie ihre Sommerferien zu Hause verbringen, hat er sich dazu, auch währen der Ferien zu trainieren. „Das hat den Vorteil, dass wir unseren Beitrag leisten können, das zu kompensieren was in den vergangenen Wochen gelitten hat.“ Und der Fitness-Zustand? „ Wir werden wohl alle hier und da ein Pfund zugelegt haben. Aber das kriegen wir wieder hin“, meint Lehmann. Schließlich seien ja alle von dieser ungewohnten Situation betroffen gewesen, so der U11-Trainer aus Wiesbach.