Zweibrücken
Träume, Melancholie und Witz: das Jim-Knopf-Musical in der Festhalle
Es ist eine Reise zum Ende der Welt – und am Ende stehen Jim Knopf (Rebecca Schmieder) und sein Freund Lukas (Fabian Klatt) vor einem weinenden Drachen. Why Not Events hebeln bei dem Kindermusical von Christian Berg alle Gesetze aus. So werden die Zuschauer Zeugen davon, dass die Lokomotive Emma im Meer fahren kann, und sie begegnen dem Scheinriesen Tur Tur (Eva-Maria Lechler), der eigentlich normalgroß ist.
Bevor sich Jim Knopf und Lukas auf ihre wundersame Reise begeben, tut sich die Bildprojektion eines ganz normalen Bahnhofs auf. Ein Schaffner weist die Zuschauer zurecht. „Was gucken Sie so komisch?“, fragt er einen. Zu diesem Zeitpunkt wirkt alles noch normal – bis der Schaffner (Yannick Toth) auf eine Kiste stößt. Als er sie öffnet, fördert er Michael Endes Buch über Jim Knopf zutage. „Wegen Jim Knopf bin ich erst Schaffner geworden“, ruft er begeistert. Aber wo wohnen die Figuren noch mal? „Auf Helgoland oder im Legoland?“, überlegt er. „Lummerland“, rufen die Kinder empört.
Mit der Lok übers Meer
Da das jetzt geklärt ist, kann der Schaffner loslegen. „Eine Insel mit zwei Bergen“ erklingt, und schon ist man als Zuschauer mitten in der Geschichte. Und weil die dem Schaffner so gut gefällt, schlüpft er einfach selbst in die Rolle des Königs Alfons des Viertel-vor-Zwölften und fungiert in manchen Passagen auch als Erzähler. So geht er in die erste Reihe und fragt einen Mann im Publikum, was eine Fata Morgana ist. Nachdem dieser das richtig beantwortet hat, bekommt er einen Lolli.
Mit seiner aufgedrehten, flippigen Art wird Darsteller Yannick Toth die Zuschauer im Laufe des Musicals noch begeistern. Aber erst sorgt er in der Rolle des Königs für Ärger. Denn das Findelkind Jim, das im Paket per Post auf der Insel landete, ist zu viel für die winzige Insel. Für diese „Überbevölkerung“ gibt es nur eine Lösung: Lukas’ Lok Emma soll weg. Aber der will sich nicht von ihr trennen – und auch nicht von Jim. Und so laufen die beiden nachts einfach weg. Die Lok wird zum Schiff umfunktioniert und schwimmt im Meer. Wallende Tücher symbolisieren die Wellen, Meeresrauschen dringt einem ins Ohr.
Entführung in die Drachenstadt
Das Musical ist ständig in Bewegung. Immer passiert etwas, immer tun sich neue, fremde Welten auf. So wie in China: Dorthin spülen die Wellen Jim und Lukas. Irgendwann stehen sie vor der Tür der Kaiserin. Nachdem sich die beiden ans Essen – geröstete Stinkmorchel und Kaulquappen – gewöhnt haben, folgt der nächste Schock: Die Tochter der Kaiserin wurde entführt und wird in der Drachenstadt gefangen gehalten. „Wir wollen die Tochter der Kaiserin befreien. Was denkt ihr?“, fragt Lukas die Kinder. „Ja!“, rufen die ganz aufgeregt. Also geht’s auf in die Drachenstadt.
In dem zweistündigen Musical versammeln sich Träume, Melancholie und Witz: Man merkt den Darstellern das Herzblut an, das sie in die Geschichte stecken. Zwei Millionen Leute haben das Musical seit seiner Uraufführung 1999 gesehen. Kein Wunder: Einerseits sind es die grandiosen Darsteller selbst, andererseits ist es das Drumherum: Bühnenbild, Bildprojektionen auf der Leinwand, die tollen Kostüme und die Interaktion mit den Kindern.
Begegnung mit Frau Mahlzahn
Jim und Lukas stoßen schließlich auf einen weinenden Drachen – einen Drachen, vor dem keiner Angst hat. „Ich bin nur ein Halbdrache, meine Mama war ein Nilpferd“, klagt er. Das hält ihn nicht davon ab, zu Hip-Hop-Musik einen Tanz hinzulegen. Am Ende stehen Jim und Lukas vor Frau Mahlzahn – und vor ihr hat jeder Angst …
Why Not Events haben in Zweibrücken ein packendes Musical aufgeführt, das die Kinder begeistert hat. Was bleibt, ist ein rasantes Abenteuer – und die Erkenntnis, dass Freundschaft Berge versetzen kann. Auch die zwei auf Lummerland.