Zweibrücken Tiefschlag ohne Gegner

ZWEIBRÜCKEN. Eine weitere dunkle Wolke trübt die ohnehin herrschende Tristesse rund um das Westpfalz-Stadion. Das 0:5 (0:1) des Fußball-Oberliga-Tabellenletzten SVN Zweibrücken gegen die TuS Koblenz war alles andere als blamabel (Die RHEINPFALZ am Sonntag berichtete). Doch Niederlage Nummer 14 nagt natürlich am Nervenkostüm – auch wenn der Gegner Koblenz hieß und Tabellenführer ist. Was allerdings weit schwerer wiegt, ist die Verletzung von Burak Bilaloglu.
In der Pause galt es für die SVN-Kicker, nicht nur fürs späte Gegentor treffende Flüche zu finden. „Sie haben besorgt gefragt: Was ist mit Burak ...“, berichtete Raphaél Laghnej von Betretenheit in der Kabine. Der Coach erschauderte bei der Schilderung; zu oft habe er das bei Spielern miterleben müssen, kenne die Symptome: Bei Bilaloglu deutet alles auf Kreuzbandriss hin. Der erneute Tiefschlag traf die gebeutelten Kicker aus dem Nichts. Kein Gegner war in der Nähe, als der Mittelfeldmann im Rasen hängenblieb und sich das Knie verdrehte. Trotz des Schocks nach 24 Minuten wehrten sich die Gastgeber weiter wacker. „Wir wollten die erste Halbzeit mal ohne Gegentreffer überstehen“, sagte Laghnej, um sich in Galgenhumor zu flüchten. „Ich glaub’, es ist wieder ein paar Sekunden später passiert“, kommentierte er den Gegentreffer in Minute 43. „Wenn das Tor nicht fällt, wer weiß, wie sich das Spiel entwickelt“, sah auch SVN-Kapitän Turgut Osmantsa den verwandelten Elfmeter als Knackpunkt. „So könnte ich jetzt wieder dasselbe erzählen wie jede Woche. Das ist wie ein Fluch“, meinte Osmantsa, dem auf seiner rechten Verteidigerposition der quirlige Tony Schmidt zuvor gehörig zugesetzt hatte. So gab es erst die kalte Dusche. „Und dann sind wir schläfrig aus der Kabine gekommen“, rätselte Peter Müller, neben dem prima aufgelegten, mehrmals gut parierenden Keeper Andrej-Sorin Popescu ein Lichtblick, über den neuerlichen Bruch. „Dabei haben wir bis dahin alles gut umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten.“ Weit in der Überzahl waren die Koblenzer Fans. Die sind berüchtigt, waren aber brav, sodass auch eine Menge Polizisten eine in Halbzeit zwei nurmehr einseitige Partie seelenruhig betrachten konnten. Die Fans der TuS freuten sich unkritisch über den Sieg und die Darbietung ihres Teams – Trainer Petrik Sander sah über Mängel hinweg. Man sei ja nicht gekommen, um spielerische Glanzlichter zu zünden. „Das kann ich nicht erwarten, wenn vorher nur die Rede davon ist, wie hoch der Sieg ausfällt.“ Drei Punkte, fertig: „Aufgabe erfüllt – und deshalb bin ich heute zufrieden“, sagte der Ex-Bundesliga-Trainer. Interessant die Aussage eines neutralen Zuschauers: Schiedsrichter-Beobachter Willi Clemens war nach dem Salmrohr-Fiasko zum zweiten Mal da. „Eine Steigerung um mehrere hundert Prozent“ bescheinigte er dem SVN. „Das freut mich jetzt“, sagte Laghnej und fügte an: „Wär’ aber schlimm, wenn’s nicht so wäre ...“