Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel So reagieren die Pfälzer auf die extremen Spritpreise

Wo geht die Reise bei den Preisen noch hin?
Wo geht die Reise bei den Preisen noch hin?

Die Kraftstoffpreise klettern und klettern. Wie sehen die Pfälzer die teuren Benzinpreise? Sparen sie an anderen Stellen, gehen sie mehr zu Fuß oder nutzen Bus und Bahn?

Servet Metin aus Zweibrücken fährt seit 1992 Auto. „Die Preise sind vom Weltmarkt abhängig. Mal steigen sie, mal fallen sie. Und wenn das Benzin bei uns teurer ist als in Frankreich, dann hängt das ja auch vom Steuersatz ab und der Ökosteuer. Ich fahre nicht sehr viel Auto, aber natürlich achte ich auch auf die Benzinpreise. Auf die haben die Mitarbeiter an den Tankstellen ja gar keinen Einfluss“, sagt er.

Servet Metin
Servet Metin

Metin kann sich aber nicht vorstellen, dass der Literpreis eines Tages auf über drei Euro klettert. „Da würden die Leute rebellieren, und dann ginge gar nichts mehr.“

Hans Busch aus Zweibrücken fährt seit einem halben Jahrhundert Auto. Sein aktuelles Fahrzeug hat einen Verbrennermotor. „Die Kraftstoffpreise sind ein bisschen hoch, aber das war zu erwarten“, meint er. Er komme damit aber klar, weil er sich entsprechend einschränke.

Hans Busch
Hans Busch

„Kurzfahrten in die Stadt vermeiden wir. Da gehen wir lieber zu Fuß“, sagt Busch über sich und seine Frau. Von seiner Wohnung bis in die Stadt sind es zweieinhalb bis drei Kilometer. Auch Busfahren ist für ihn eine Alternative, genauso wie die Bahn. Allerdings nicht erst, seit die Benzinpreise so hoch sind, sondern ganz generell. „Ich denke, 20 bis 30 Prozent Preissteigerung könnten noch kommen, aber dann ist Ende“, hofft er. Erreichten die Preise drei oder vier Euro pro Liter, werde er das Autofahren einstellen.

„Erschreckend“ findet es die Zweibrückerin Ksenia Dorovskaya, wie teuer Benzin und Diesel geworden sind. „Ich hab’ auch am ersten Tag gleich getankt, billiger als heute oder gestern“, sagt sie. Den Autotank hat sie vollgemacht; jetzt denkt sie über den Kauf von Kanistern zur Vorratshaltung nach. „Mein Auto hat einen geringen Verbrauch. Aber ich fahre privat sehr viel. Beruflich nicht unbedingt. Privat fahre ich um die 300 Kilometer pro Woche, muss meist dreimal im Monat volltanken.“

Ksenia Dorovskaya
Ksenia Dorovskaya

Bislang hätten im Monat 150 Euro fürs Tanken gereicht. „Jetzt werden es wahrscheinlich 200 Euro. Das macht was aus“, rechnet sie vor. Dafür werde sie dann an anderer Stelle sparen müssen. Am Donnerstag habe sie das Auto absichtlich stehen gelassen und sei mit ihrer Tochter in die Stadt gelaufen. Die Tochter nutzte dabei ihren fußbetriebenen Tretroller.

Ralf Helmert fährt ohnehin wenig Auto. Beruflich ist der Zweibrücker nicht aufs Auto angewiesen. Zu den aktuellen Kraftstoffpreisen fällt ihm nur ein Wort ein: „Teuer. Beim Globus stand der Liter Diesel heute Morgen über zwei Euro und das Super-Benzin bei mehr als 1,90 Euro.“ Ralf Helmert kann sich nicht erinnern, dass die Benzinpreise schon einmal so hoch gewesen wären. „Wahrscheinlich in der Corona-Zeit oder als der Ukraine-Krieg angefangen hat. Natürlich merke ich das im Geldbeutel.“

Ralf Helmert
Ralf Helmert

Als Helmert noch berufstätig war, sei er sommers wie winters aus Zweibrücken mit dem Fahrrad nach Homburg auf die Arbeit gefahren, über 20 Jahre lang. Zweimal bei minus 16 Grad“, erzählt er und hofft, dass der Irankrieg in vier Wochen vorbei ist und sich der Benzinpreis dann wieder normalisiert. Ein Teil der Preiserhöhungen sei gerechtfertigt, ein Teil sei aber auch Abzocke der Mineralölkonzerne.

Elisabeth Lelle aus Zweibrücken kommt gerade mit ihrem E-Bike aus Homburg daher. Das schöne Wetter hat sie ausgenutzt und vom Auto aufs Rad umgesattelt. „Wären die Benzinpreise nicht so hoch, wäre ich vermutlich mit dem Auto gefahren“, erklärt sie. Fahre man weniger, könne man damit sparen. Normalerweise fahre sie die vier Kilometer Hin- und Rückweg täglich mit dem Auto auf die Arbeit bei der Awo. „Ich fahre früh los. Dann lieber mit dem Auto“, erklärt sie ihre Wahl.

Elisabeth Lelle
Elisabeth Lelle

Die hohen Benzinpreise träfen sie schon. Müsse sie viel fahren, müsse sie dreimal im Monat tanken. Öffentliche Verkehrsmittel nutze sie nicht, aber ab und an läuft Elisabeth Lelle mit ihren Trekkingstöcken. Sie und ihr Mann halten die hohen Preise für nicht gerechtfertigt.

Die Zweibrückerin Katharina Weber fährt seit 2008 Auto. „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Preise sich so schnell erhöhen. Dafür gibt es meiner Meinung nach keinen Grund. Das war heftig, von einem auf den anderen Tag.“ Vorigen Montag hatte sie getankt und gehofft, dass sich die Preise bald einpendeln. „Dummerweise nur für 50 Euro und nicht vollgetankt, weil ich gehofft habe, die Preise sinken wieder.“

Katharina Weber
Katharina Weber

Die Zweibrückerin studiert in Mannheim und fährt zwischen 800 und 1000 Kilometer im Monat. „Das geht ins Geld. Man versucht, einzusparen. Ich habe von Prognosen gehört, dass die Preise bis auf vier Euro steigen könnten. Das wäre mein Albtraum“, sagt Katharina Weber.

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