Zweibrücken
„Papa, wollen wir nicht mal was machen?“

Interview: Der lothringische Sänger und Liedermacher Marcel Adam stellt beim Sonntagskonzert im Rosengarten (14.30 Uhr) zusammen mit seinem Sohn Yann-Loup und dessen Frau Anisha französische und deutsche Chansons sowie Mundart-Lieder vor. Rheinpfalz-Mitarbeiterin Konstanze Führlbeck hat sich mit dem Künstler über die Familienbande unterhalten.
Herr Adam, Sie treten meist mit der Familie auf. Wie ist es dazu gekommen?
Ich lebe ja von der Musik und mein Haus war immer voll von Musik. Mein Sohn Yann-Loup hat das von klein auf mitgekriegt und wollte immer selber auch Musik machen. So hat er dann Klavierunterricht genommen. Dann hat er den Gitarristen Joscho Stephan spielen hören, der damals gerade von einer Australien-Tournee zurückgekommen war. Mein Sohn war so baff, dass er seit diesem Tag nur noch Gitarre gespielt hat. Er hat viele Lieder gelernt, am Anfang meine, nach und nach hat er seinen eigenen Geschmack entwickelt. Er hat mit Guido Allgaier gespielt, jahrelang. Und wenn ich ein neues Projekt hatte, war mein Sohn mit auf der Bühne. Er hat auch eine eigene Band, MamaSaid, mit seiner Frau Anisha zusammen. Die ist viel größer als meine, und spielt auch open air. Ich spiele ja vorwiegend in geschlossenen Räumen. Nach meiner letzten CD sind Yann-Loup und Anisha auf mich zugekommen und haben gefragt: Papa, wollen wir nicht noch mal was machen? Und ich habe gesagt: Ok, und so haben wir zusammen „Pour le plaisir“ gemacht. So sind wir intensiver zusammengekommen.
Wer hat denn da die Liederauswahl bestimmt?
Wir haben Lieder und Coversongs gemacht, die er und ich im Programm haben. Und es gibt vier neue Lieder, die sind von mir. Zwei auf französisch und zum ersten Mal auch zwei auf deutsch, „„Dann sind wir weg“ und „Die letzte Kreuzfahrt“.
Worum geht es in diesen neuen Liedern?
In „Die letzte Kreuzfahrt“ verarbeite ich meinen Burn-Out. „L’italieno“ ist eine Hommage an meinen Akkordeonisten und „C’est comme ca“ ist ein Revoltelied. Es erzählt, wie die Welt ist, dass man verarscht wird, dass man aber trotzdem immer weitermachen muss. Es sind sehr persönliche Lieder, mit vielen persönlichen Codes drin. Man muss sie nicht immer verstehen, sie sind trotzdem schön.
Spielen Sie einige davon beim Konzert im Rosengarten?
Ja, sicher wollen wir die neuen Songs da vorstellen. Ich werde aber auch alleine spielen, mein Sohn wird alleine spielen, wir werden zusammen spielen, es wird ein Mix. Material ist genug da!
Ist es etwas Besonderes, wenn man mit der Familie spielt?
Wenn man sich in der Kultur so umschaut, gibt es ja einige Künstler, die mit der Familie auftreten. Udo Jürgens zum Beispiel hat mit seiner Tochter gesungen. Es gibt viele Leute aus dem Metier, wo die Kinder durch die künstlerische Arbeit der Eltern beeinflusst werden. Mein Rat an meinen Sohn Yann-Loup war: Mach einen anderen Beruf! Weil es sehr schwer ist, von der Musik zu leben. Ich hatte jahrelang auch eine Produktionsfirma und war die ganze Zeit immer nah an der Pleite. Yann-Loup hat in Metz bis zum Bachelor Arts et Spectacle studiert, hier in Deutschland nennt man das wohl Bühnen- oder Theaterwissenschaft. Aber dann ist er gewechselt zum Personalmanagement und arbeitet jetzt da. Musik macht er aber die ganze Zeit weiter.
Gibt es auch mal Spannungen oder Rivalitäten zwischen Ihnen beiden?
Nein, überhaupt nicht, ich kann keine Spannung erfinden. Ich habe großen Respekt vor meinem Sohn, weil er es echt gut macht, und er ist auch der Produktionschef. Er lernt von mir, ich lerne von ihm. Und seine Frau Anisha hat auch eine tolle Stimme.
Welche Instrumente spielen Sie, welche Ihr Sohn?
Ich spiele Gitarre, schon mein Leben lang. Und seit 20 Jahren auch Ukulele. Yann-Loup spielt elektrische und akustische Gitarre. Und wir singen natürlich. In unserer Band kommen dann noch Akkordeon, Schlagzeug und Bass dazu.