Hornbach Mariola Jupé singt gefühlvolle Lieder
Lieder sind seit geraumer Zeit en vogue – in Frankreich, Deutschland und überall. Warum also nicht in der Hornbacher Klosterkirche, in der Daniel Seel am Sonntag sein 61, Benefizkonzert veranstaltet. Der Pianist und Theologe sucht oft Musik aus, die nicht oft zu hören ist. Diesmal von Fanny Hensel, Reynaldo Hahn und Sergej Rachmaninow, den man weniger für seine Lieder als für seine Sinfonien, Klavierkonzerte und Kammermusik kennt.
Die Musik des russischen Komponisten hat die Herzen der Konzertbesucher am Sonntag im Sturm erobert. Mariola Jupé und Pianist Uwe Brandt haben neun Stücke zusammengestellt, die besonders gut zur klaren wie variablen Sopranstimme der Sängerin passen. Die hat die Kirche, die Konzerten eine großartige Akustik bietet, bis in den letzten Winkel erfüllt. Oft hat man den Eindruck, dass die Stimme von Mariola Jupé, die an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar studiert hat, viel zu groß und mächtig ist für den Raum und eigentlich einen riesigen Konzertsaal bräuchte.
„Ay“ kommt gut an
Wie das Nationaltheater in Weimar, wo sie als Barbarina von Wolfgang Amadeus Mozarts „Le nozze di Figaro“ sowie als erster Knabe in seiner Oper „Die Zauberflöte“ auf der Bühne stand. Großen Anklang findet besonders das Lied „Ay“, op. 38, Nr. 6, weil es eine Geschichte zu erzählen scheint und immer wieder ein Zitat von Ludwig van Beethovens fünfter Sinfonie erklingt.
Hervorragend sind auch die Lieder von Fanny Hensel. Sie soll in der Gattung des Liedes eine ganz eigene musikalische Sprache erfunden haben, weil das Lied und das lyrische Klavierstück für sie zum Experimentierfeld wurden. Obwohl Fanny Hensel, die große Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy, als Musikerin und Komponistin genauso begabt gewesen sein soll wie ihr Bruder, stand sie ihr Leben lang in seinem Schatten. Trotzdem sollen die beiden unzertrennlich gewesen sein. Als sie ihm ihre Lieder schickt und um sein Urteil bittet, sagt der, dass es für ihn die schönste Musik sei, die jetzt ein Mensch auf Erden machen könne. In Hornbach erklingen die Lieder „Warum sind denn die Rosen so blass“, „Schwanenlied“ sowie „Dämmerung senkte sich von oben“, die ein Genuss für die Ohren sind.
Hahns melancholische Lieder
Der dritte Komponist, dessen Werke am Sonntag erklingen, ist Reynaldo Hahn, der seinerzeit seine eigenen Lieder sang und sich selbst am Klavier begleitete. „Den Kopf leicht nach hinten geneigt, während der melancholische, ein wenig verachtungsvolle Mund, die rhythmisierte Flut der schönsten, der traurigsten und der wärmsten Stimme entlässt, die es je gab“, so poetisch beschreibt der Schriftsteller Marcel Proust den Komponisten, Sänger und Dirigenten Reynaldo Hahn, dem er 1894 begegnet und sich sofort in ihn verliebt. Zwei Jahre lang sollen die beiden ein Paar gewesen sein, doch die tiefe Freundschaft sowie der künstlerische Austausch soll bis zu Prousts Tod im November 1922 andauern.
Das Klavier überlässt die Sopranistin dem Pianisten Uwe Brandt, mit dem sie perfekt eingespielt ist. Brandt studierte Klavier in Saarbrücken, Paris und Brüssel und unterrichtet seit 1982 an der Hochschule für Musik Saar. Seit 2003 leitet der darüber hinaus die Musikschule Sulzbach, deren Leiter er ist und wo auch Mariola Jupé gemeinsam mit Miriam Gehring und Mariola Jupé den Musikschulchor leitet.
Wagner-Zugabe
Der Auftritt des Duos in der Hornbacher Klosterkirche gefällt dem erlesenen Publikum, das die beiden nicht mit einem nicht enden wollenden Applaus belohnt und nicht ohne eine Zugabe – „Schmerzen“ von Richard Wagner – gehen lässt.
Im Grunde sind die Hornbacher Benefizkonzerte zu einem Treffpunkt von Musikliebhabern in der Region geworden. Für alle, die Musik schätzen, ist das Konzertangebot von Pfarrer Daniel Seel, der selbst ein ausgebildeter Pianist und zweiter Vorsitzender der Mozartgesellschaft Zweibrücken-Pirmasens ist, zu einem liebgewonnenen, festen Termin geworden. Seel bietet kontinuierlich und vehement musikalische Überraschungen und ein qualitativ hochkarätiges Programm. Den Erlös vom Sonntag kommt der Kinder- und Jugendarbeit seiner Gemeinde zugute.