Zweibrücken Luther schwebte über allen
Zwar begann die große Ausstellung zur Reformation in der Pfalz, die Charlotte Glück vom Stadtmuseum federführend kuratierte, schon im Herbst 2016, doch sie blieb nur bis Mai hier. Danach wanderte sie nach Berlin (in die Landesvertretung), zurzeit gastiert sie in Kaiserslautern und 2018 in Ludwigshafen. Das große Interesse erregte sie erst in diesem Jahr. So konzentriert und allgemeinverständlich hat man die Ideen und die Folgen der Reformation selten gesehen. Ab August zeigte die Bibliotheca Bipontina ergänzend die Ausstellung „Gott, Schöpfer Himmels und der Eden. Die Tradition der Schöpfungsgeschichte bei Luther“ mit wunderschönen alten Buchillustrationen, die auf so große Resonanz stieß, dass sie bis Februar 2018 verlängert wurde. Dazwischen las Michael Landgraf über Luther, das Duo Silvia Bervingas/Matthias Wolf erklärte mit einer szenisch-musikalischen Lesung, dass Luthers Revolution wohl gescheitert wäre, hätte sich nicht Frau Luther, seine Ehefrau, um all die lebensnotwendigen, profanen Dinge in der Familie Luther gekümmert. Auch beim Straßentheater-Spektakel gab es ein Stück über Luther. Ansonsten stand Musik aus der Lutherzeit auf vielen Konzertprogrammen in Zweibrücken und Umgebung, auch beim Euroclassic-Festival, dabei ging es nicht nur um die von Johann Sebastian Bach vertonten Luther-Worte, sondern auch um weniger Bekanntes. Helge Schulz widmete der Zeit eine ganze CD. Neue Bücher und Aufsätze vom (inzwischen in Homburg lebenden) Kirchenhistoriker Bernhard Bonkhoff erschienen – manchmal hatte man den Eindruck, im Zweibrücker Raum war mehr Luther als an der Saar und anderen Teilen der Westpfalz. Zu neuer Blüte kam 2017 vor allem die Musikkultur. Das Sommer-Open-Air mit dem populären Sänger Andreas Bourani schlug alle Besucherrekorde mit fast 4000 Zuhörern und wird vielen in Erinnerung bleiben – auch weil es ein schönes, emotionales Konzert war. Doch der große Clou war etwas ganz anderes: die Konzertreihe „Klassik nah dran“, mit der die Stadt Zweibrücken jungen Leuten zeigte, wie toll klassische Musik ist. Dazu gingen professionelle junge Musiker aus dem Umfeld der Festivalleiterin Johanna Ruppert im März eine Woche lang in die Kneipen. Der Eintritt war frei, in den Gymnasien gab es vorbereitende Workshops – und siehe da: Ravel, Debussy, Vivaldi und moderne Klassik wie Philipp Glass und andere Crossover-Musik sorgten für volle Kneipen. Das auch optisch reizvolle Schwarzlichtkonzert (so etwas tun klassische Musiker sonst nicht) war der Knaller. Das Kulturamt hofft, das Festival wiederholen zu können, wenn nicht 2018, dann 2019. Wie alles (auch das Sommer-Open-Air) ist es eine Geld-, beziehungsweise Zuschussfrage. Ob die erstmals auf die Beine gestellte Music Spring Tour der Zweibrücker Wirte fortgesetzt wird, ist auch nicht klar, dahingehen werden die neue Bläserklasse für Erwachsene und die neue Klassik-Konzert in der Reithalle fortgesetzt. Das sind doch gute Signale für 2018!