Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Hornbach: Experiment mit Tönen und Pastellfarben geglückt

Tenor und Erzähler Ralf Peter sowie Pianist Thomas Layes (verdeckt) lassen die Romanze von Magelone und Peter lebendig werden.
Tenor und Erzähler Ralf Peter sowie Pianist Thomas Layes (verdeckt) lassen die Romanze von Magelone und Peter lebendig werden.

Auf den ersten Blick verwunderlich, aber Comic und Klassik passen zusammen: Das haben Tenor Ralf Peter, Pianist Thomas Layes und die bildende Künstlerin Barbara Steinitz am Samstag in Hornbach unter Beweis gestellt. Steinitz’ Papiertheater bebilderte sehr schön Brahms romantischen Liederzyklus „Die schöne Magelone“.

Von Konstanze Führlbeck

Unter dem Motto „Lichtstrahl in der Dämmerung“ präsentierten Ralf Peter als Tenor und Erzähler, Pianist Thomas Layes und Künstlerin Barbara Steinitz am Samstagabend in der Klosterkirche Hornbach ein Papiertheater-Experiment über Ludwig Tiecks Ritter-Erzählung „Die schöne Magelone“ und den gleichnamigen Liederzyklus op. 33 von Johannes Brahms.

Zeichnungen als Orientierung

Comic und Klassik – kann das zusammenpassen? Es kann, das haben Ralf Peter, Thomas Layes und Barbara Steinitz überzeugend unter Beweis gestellt. Die kunstvollen und doch bewusst einfachen, skizzenartigen Zeichnungen von Steinitz, die sie Papiertheater nennt, brachten die einzelnen Stationen der Geschichte um die schöne Königstochter Magelone von Neapel und Peter, den Sohn des Grafen der Provence, in zart pastellfarbenen Grüntönen auf den Punkt und boten dem Publikum eine optische Orientierung in der Erzählung.

Diese Art der Gestaltung unterstrich den szenischen Charakter von Brahms’ Romanzenzyklus, der ungeachtet seiner lyrischen Momente eine dramatische Entwicklung durchläuft und fast schon eine kleine Kammeroper ist. Die Zwischentexte sprach Ralf Peter, der auch das Gesamtkonzept entworfen hat.

Wie der junge Graf Peter sich auf Reisen machte und dabei die schöne Prinzessin Magelone von Neapel traf, gestalteten Thomas Layes und Ralf Peter in mitreißenden Klängen voll poetischem Schwung. Die an Jugendstilskizzen erinnernden Steinitz-Zeichnungen schufen zusätzliche Freiräume für die Phantasie der etwa 60 Besucher, die in der dezent beleuchteten Hornbacher Klosterkirche die Reise des jungen Grafen mit gespannter Teilnahme verfolgten.

Romantische Farben bereicherten den Klavierpart, dessen feinste Schattierungen Thomas Layes mit sicherem Gespür für dramatischen Ausdruck hervorhob, immer im interaktiven Dialog mit dem Sänger. Ralf Peter gestaltete die zwischen Hoffen und Bangen hin- und hergerissene Gefühlswelt des verliebten Ritters in der Romanze „Sind es Schmerzen, sind es Freuden“ mit sonorem lyrischem Tenor voller Strahlkraft. Seine wachsende Erregung spiegelte sich sowohl in der Stimme des Sängers als auch im Spiel des Pianisten mit seinem immer energischeren Anschlag wider.

Ein Ritter mit Ecken und Kanten

Die Strophenballaden, in denen die Kontaktaufnahme des Ritters mit seiner Herzensdame berichtet wird, zeichneten sich durch einen höchst präzisen Textausdruck aus, Ralf Peter lotete jede Nuance subtil aus. Erregung und bange Erwartung wechselten sich in der Selbstreflexion von „Wie soll ich die Wonne, die Freude denn tragen“ ab.

Den Abschied von seinem geliebten Saitenspiel und den Willen, seine Geliebte auf der gemeinsamen Flucht zu beschützen, gestaltete Ralf Peter mit markigem Tenor und heldisch-leuchtender Höhe über machtvoll flutenden Klavierakkorden. Doch auf der Flucht wurden die beiden getrennt. Peter verfolgte einen Raben, der Magelones Ring gestohlen hatte, und geriet dabei in Seenot. Die Stimme von Ralf Peter blühte erregt und leidenschaftlich auf, er scheute auch vor Ecken und Kanten nicht zurück, um die Verzweiflung des Ritters lebendig werden zu lassen.

Bunte Bilder zeigten sein weiteres Schicksal. Er geriet in die Gefangenschaft des Sultans, wo sich dessen Tochter in ihn verliebte. Doch er dachte nur an Flucht. Das Temperament des Ritters verlor sich in düsterer Melancholie. Auch für den Kummer der einsamen Magelone fand Ralf Peter berührende Töne. Mit kraftvollen und doch zärtlichen Klängen gestaltete er dann die Wiedervereinigung des Paares, begleitet von Layes’ lebendigem Klavierspiel.

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