zweibrücken
Helexier feuert Arzt und hat immer noch keine Zulassung
Laut Stadtverwaltung fehlen nach wie vor Unterlagen, die benötigt werden, um den Antrag von Helexier auf Klinikbetrieb überhaupt prüfen zu können. Im Wesentlichen seien dies ein Hygienekonzept mit Prüfvermerk des Gesundheitsamts, Baugenehmigungen, ein Brandschutzkonzept mit Prüfvermerk sowie die ausführliche Beschreibung der vorgesehenen Privatklinikleistungen, wie Stadtsprecher Thilo Huble auf Anfrage mitteilte. „Aufgrund dessen kann die Stadtverwaltung derzeit keine Genehmigung erteilen“, so Huble.
Noch bevor es losgehen kann mit dem Klinikbetrieb, muss einer schon wieder gehen: der Zweibrücker Arzt Thomas Dörr, bis vor Kurzem kommissarischer ärztlicher Direktor. Ihm wurde Hausverbot erteilt und fristlos gekündigt, wie Helexier-Geschäftsführer Alexander Jüllig auf Anfrage bestätigte. Beides sei unvermeidbar gewesen.
Jüllig wirft Dörr unduldbares Verhalten vor
Laut Jüllig kam Dörr im November 2020 zu Helexier. Er habe sich als kommissarischer ärztlicher Direktor angeboten und auch dafür, nach der Zulassung medizinischer Leiter zu werden. Helexier sei auf das Angebot der kommissarischen Leitung eingegangen. Ab Januar aber sei Dörr anderen Ärzten und künftigen Ärzten des Hauses gegenüber herrisch aufgetreten und habe diese untereinander denunziert, so Jüllig. Dies habe immer massivere, nicht mehr duldbare Formen angenommen. Im März sei die Situation eskaliert. Um den Frieden im Haus wiederherzustellen, habe Helexier keine andere Wahl gehabt, als Dörr zu kündigen, so Jüllig.
Weil man noch keine Zulassung für einen Klinikbetrieb hat, „müssen wir darauf achten, dass der ambulante Betrieb ausgebaut werden kann und nicht gestört wird“. Sämtliche Ärzte des Hauses hätten sich gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Dörr ausgesprochen und sich am Samstag gemeinsam entschlossen, strafrechtlich gegen Dörr vorzugehen. Dörr könne nach Terminvereinbarung und unter Aufsicht der Geschäftsführung Sachen, die ihm gehören, abholen. Widersetze er sich ansonsten dem Hausverbot, rufe Helexier die Polizei, heißt es im entsprechenden Schreiben.
Dörr hat eine einstweilige Verfügung gegen das Hausverbot beantragt, er will in seine Räume am Himmelsberg und dort weiter praktizieren. Das bestätigte Landgerichtssprecher Uwe Fischer auf Anfrage. Entschieden werde über den Antrag in zwei bis drei Wochen, wenn die Stellungnahme der Gegenseite vorliegt. Dörr selbst war am Mittwoch nicht zu erreichen.
Die Staatsanwalt erklärte auf Anfrage, dass momentan weder eine Strafanzeige von Helexier gegen Doerr noch umgekehrt eine von Doerr gegen Helexier vorliege.
Selbstheilung mit Fitnesstrainern
Als ärztlichen Direktor führt Helexier nun den Arzt Rainer Scheel an, der vor seinem Ruhestand die geriatrische Abteilung der Saarbrücker Sonnenberg-Kliniken leitete. Am Himmelsberg bietet er nun „Heilimpuls“ an; Selbstheilungskräfte sollen hier etwa über die umstrittene Magnetfeldtherapie aktiviert werden. Mit im Boot: drei Fitnesstrainer.
Wie berichtet, sollen in der „Himmelsberg Fachklinik“ medizinische Leistungen auch für Selbstzahler angeboten werden. Kerngeschäft ist aber der Verkauf von medizinischer Ausstattung wie Diagnostikgeräten oder auch Masken, wie Jüllig eingeräumt hatte. Auch Nahrungsergänzungsmittel werden bei Helexier verkauft. Das ehemalige Krankenhaus biete sich als Mischobjekt aus Privatklinik, Ausstellungsräumen und Verkaufsabteilungen an.
Als Helexier 2020 den Immobilienmaklern Willi Geßner und Hans Albus das Gebäude am Himmelsberg abkaufte, klangen die Absichten noch anders. So stellte das Unternehmen mit Firmensitzen in Heltersberg, Dubai und Luxemburg etwa Kurzzeitpflege, einen Kindergarten, Seniorenwohnen und ein Hotel in Aussicht. Daraus wurde nichts.
Wenig professionell bis unseriös
Vergangenes Jahr wollte Helexier in St. Goar-Oberwesel ein aufgegebenes Krankenhaus übernehmen, blitzte aber beim dortigen Stadtrat ab: Dem Gremium erschien die Geschäftsleitung zu unerfahren für das Betreiben einer Klinik. In Zweibrücken trat Helexier bislang wenig professionell bis unseriös auf. So wurden im angeblichen Verwaltungsrat wiederholt Personen aufgeführt, die bestritten, diesem jemals angehört zu haben.