Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Halbe Stadt im Dunkeln: Diese Auswirkungen hatte der Stromausfall am Freitagmorgen

Eine halbe Stunde lang war es am Freitagmorgen in Zweibrücken dunkel, hier in Mittelbach.
Eine halbe Stunde lang war es am Freitagmorgen in Zweibrücken dunkel, hier in Mittelbach.

Rund eine halbe Stunde lang war am Freitagmorgen die halbe Stadt Zweibrücken dunkel. Ein Stromausfall nach Leitungsarbeiten bei den Pfalzwerken war der Grund.

„Das war eine Störung im Netz der Pfalzwerke, die sich auf unser Netz durchgeschlagen hat“, sagt Stadtwerke-Chef Werner Brennemann auf Anfrage. Jedenfalls sei das Umspannwerk 2 der Stadtwerke im Wolfsloch um 6.32 Uhr stromlos gewesen. Diese Anlage versorgt unter anderem Mittelbach, Hengstbach, Rimschweiler, Wattweiler, Bubenhausen, Ernstweiler und Teile von Ixheim sowie der Innenstadt mit Strom.

Was war passiert? „Im Rahmen von Baumaßnahmen musste die Abschaltung einer Freileitung erfolgen“, erklärt Sven Claus, Sprecher der Pfalzwerke in Ludwigshafen. Dies habe „mehrere einzelne Schalthandlungen in einem 110-Kilovolt-Stromkreis im Umspannwerk Homburg“ nötig gemacht. „Infolge eines Fehlers im Ablauf wurde ein 110-Kilovolt-Transformator abgeschaltet.“ Dies, so Claus, habe ab 6.26 Uhr „zu einer Versorgungsunterbrechung von etwa zwei Minuten“ geführt und sich auf das Umspannwerk Wolfsloch ausgewirkt. Daher sei in Teilen von Zweibrücken der Strom ausgefallen. „Es wurden unmittelbar Maßnahmen ergriffen, um die Versorgung der Einspeisung des Umspannwerks Wolfsloch schnellstmöglich wieder herzustellen“, betont der Pfalzwerke-Sprecher. Nach den beiden Minuten sei die Versorgung wiederhergestellt worden.

So sah es im Krankenhaus aus

Auch das Nardini-Klinikum war betroffen: Um 6.31 Uhr brummte das Handy von Thomas Frank. Über eine hausinterne Warn-App ist der Pflegedirektor in die Alarmierungskette des katholischen Krankenhauses eingebunden. Infolge der Netzstörung sprangen Notstromaggregate in der Klinik automatisch an; eine Stunde später wurden sie wieder abgeschaltet. Fünf Haustechniker streiften durch das Gebäude, um sämtliche Schaltschränke wieder auf Normalbetrieb einzustellen. „Ab 7.45 Uhr lief bei uns alles wieder störungsfrei.“ Dank des Notaggregats konnte in kritischen Bereichen wie der Patientenversorgung und den Operationssälen nach Franks Worten auch während des Stromausfalls zuverlässig weitergearbeitet werden.

Ausgefallen seien am Morgen im Nardini auch Teile der IT-Anlage sowie diverse Computerserver und -drucker, Telefone und das W-Lan. „Auf den Stationen haben wir sämtliche Patientenakten digitalisiert“, erläutert der Pflegedirektor: „Papierakten haben wir hier schon lange nicht mehr.“ Daher verfüge man im Haus über eine Digital-Notfallstrategie. Zum Beispiel könne man bestimmte Dateien auch offline abrufen. „Sollte der Strom über längere Zeit wegbleiben, haben wir zudem die Möglichkeit, Akten wieder auf Papier umzustellen. Das war in der einen Stunde am Freitagmorgen aber nicht nötig.“

Fernwartung bei Ausfall nicht möglich

In den betroffenen Gebieten in Zweibrücken gingen die Straßenlaternen im fraglichen Zeitraum aus. Elektrische Garagen- und Hoftore ließen sich nicht öffnen. „Die halbe Stadt war dunkel“, sagt Werner Brennemann. Nach seiner Beobachtung ist der Strom der Pfalzwerke um 6.54 Uhr wieder geflossen, um 7.11 Uhr seien die letzten Kunden zurück am Netz gewesen.

Zuvor war ein Team der Stadtwerke zum Umspannwerk 2 ins Wolfsloch gefahren. „Bei einem Ausfall kann man nicht einfach per Fernwartung wieder einschalten, da muss man vor Ort nachsehen, was los ist“, erklärt Brennemann. Vor Ort sei klar geworden, dass die Sicherungen gefallen sind. Von einem Blackout will Werner Brennemann nicht sprechen. Diesen Ausdruck benutze man erst, wenn beispielsweise in ganz Rheinland-Pfalz kein Strom mehr sei, und das längere Zeit.

Große Stromausfälle sind selten

Stromausfälle wie der am Freitagmorgen kommen laut Brennemann nur sehr selten vor. Zum letzten Mal sei etwas Vergleichbares vor drei Jahren passiert, als in der Lützelstraße bei Bauarbeiten eine 20-Kilovolt-Leitung beschädigt wurde. „Unser Netz ist relativ neu und gut, wir haben wenig Störungen“, beschreibt er das Stadtwerke-Versorgungsnetz in Zweibrücken. Aber auch Störungen von außerhalb wie am Freitagmorgen seien eher selten.

Zu falschen Mutmaßungen in den sozialen Medien kam es am Freitag, weil die Feuerwehr zeitgleich mit dem Stromausfall einen größeren Einsatz bei John Deere hatte. Laut dem stellvertretenden Brandschutzinspekteur Sven Blinn hatte der Stromausfall in Ernstweiler die Brandmeldeanlage im Logistikbereich ausgelöst. Im Netz wurde dann spekuliert, der Stromausfall habe seine Ursache bei John Deere, was Blinn aber als definitiv falsch zurückweist. Genau das Gegenteil sei der Fall gewesen: Erst der Stromausfall habe die Brandmeldeanlage ausgelöst und so den Feuerwehreinsatz begründet. Noch während des Einsatzes im Stockdunkeln sei der Strom wieder da gewesen. Sonstige Einsätze wegen des Stromausfalls gab es laut Blinn für die Feuerwehr nicht.

Bis dato keine Geräteschäden bekannt

Schäden, beispielsweise an empfindlichen elektrischen Geräten wie Computern und DSL-Modems von Stadtwerke-Stromkunden, sind laut Werner Brennemann bislang nicht bekannt. „Wenn jemand einen Schaden meldet, geben wir das an die Versicherung weiter. Da wird man aber selten Glück haben in Zeiten von unterbrechungsfreien Stromversorgungen und robusten Schaltungen in den heutigen Geräten.“

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