ZWEIBRÜCKEN RHEINPFALZ Plus Artikel Fussball: Julian Derstroff vor Rückkehr in die Heimat

Spielt nach einem Mittelhandbruch mit Schiene: Julian Derstroff. Pausiert hat er wegen der Verletzung nicht.
Spielt nach einem Mittelhandbruch mit Schiene: Julian Derstroff. Pausiert hat er wegen der Verletzung nicht.

Der Zweibrücker Bub Julian Derstroff kehrt zurück in die Pfalz. Für 90 Minuten ist er am Karsamstag mit dem Hallescher FC zu Gast am Kaiserslauterer Betzenberg. Vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Verein spricht er über die Heimat, Freundschaften und Jürgen Klopp. Aber was hat es mit dem Saumagen auf sich?

Wenn der Bus aus Halle am heutigen Samstag den Betzenberg hochfährt, sind sie bei Julian Derstroff wieder da, die Erinnerungen an eine ganz besondere Zeit, die ihn geprägt hat. Die glorreiche Saison vor zehn Jahren, als er mit der U19 des 1. FC Kaiserslautern im Finale um die Deutsche Meisterschaft stand. „Man denkt oft daran zurück. Es war ein Riesenerlebnis.“ Mit den Jungs von damals steht er immer noch in Kontakt. „Orban, Klement, Zimmer, Heintzi, das sind heute noch meine Freunde. Man schreibt sich. Auch Gunther Metz, dem damaligen Trainer. Ich habe da Freunde fürs Leben gefunden. Und das ist so eine positive Geschichte, da erinnert man sich gern dran zurück.“

Auch sonst ist Derstroff bodenständig und mit der Gegend verbunden, aus der er kommt. Der 29-Jährige ist in Zweibrücken geboren. „Meine Familie wohnt da. Ich bin so oft es geht zu Hause.“ Im Moment sind Besuche coronabedingt etwas schwieriger, „aber so alle paar Wochen klappt das schon, und sonst sehen wir uns über Facetime“.

Die Wanderjahre

Verbunden fühlt er sich auch mit dem FCK. „Meine ganze Familie ist FCK-Fan, und auch ich habe dem Verein viel zu verdanken.“ Derstroff stieß 2002 vom SV Ixheim kommend zur FCK-Jugend, stieg mit Dominique Heintz und Willi Orban in die erste Mannschaft auf. 2013 begannen seine Wanderjahre, führten ihn über Borussia Dortmund II, FSV Mainz 05 II und SV Sandhausen zu Jahn Regensburg, wo er unglücklich war. „Für mich war es das Wichtigste, regelmäßig zu spielen. In Regensburg habe ich zwei Jahre nicht viel gespielt.“

So entschied sich der Pfälzer, einen Schritt zurückzugehen und unterschrieb in Halle. „Ich wollte wieder Spaß haben und wieder kicken.“ Sein Plan ging auf. Derstroff wurde von der Mannschaft „super aufgenommen“. Den einen oder anderen kannte er schon, „Thomas Schilk aus Mainz, Jonas Nietfeld aus Regensburg, und gegen den einen oder anderen habe ich schon gespielt“. Der ehemalige FCK-ler hat jetzt eine kleine Wohnung in der Nähe des Stadions. „Ich kann zu Fuß ins Training gehen, bin schnell an der Saale, am Wasser. Da lässt es sich leben.“ Seine Heimat vermisst der naturverbundene Pfälzer trotzdem – neben seiner Familie. „Besonders Pfälzer Saumagen. Den nehme ich mir immer von zu Hause mit.“

Endlich wertgeschätzt

Aber er ist auch froh, dass er jetzt wieder das machen kann, was er am liebsten tut: Fußball spielen. Seit seiner Zeit in Lautern hat er viel dazugelernt. „Man bekommt durch die Spiele und durch die Erfahrung mehr Feingefühl für Räume, für Abläufe.“ Er habe von jeder seiner Stationen viel mitgenommen. „Mit Sandro Schwarz in Mainz habe ich einen großen Schritt nach vorn gemacht. In Dortmund unter David Wagner und Jürgen Klopp habe ich viel über das Defensivverhalten gelernt. Unter Kenan Kocak in Sandhausen habe ich gelernt, in verschiedenen Systemen zu spielen. Ich habe von jedem Trainer was angenommen“, sagt Derstroff bescheiden.

Er betont, wie gut ihm sein neuer Verein tut. „In Halle erfahre ich wieder mehr Wertschätzung. Ich bekomme das Gefühl, dass ich gebraucht werde. Das hatte ich in den vergangenen zwei Jahren nicht mehr. Mit Selbstvertrauen und Wertschätzung spielt es sich ganz anders.“ Was dem Offensivspieler zugute kommt: Er ist flexibel einsetzbar. „Ich habe in der Saison schon alles gespielt. Durch die eine oder andere Verletzung mussten wir immer wieder umstellen.“

Die Mosterschiene ist weg

Derstroff bringt sowas nicht aus dem Tritt. Ihn scheint gerade ohnehin nichts auszubremsen. Vor zwei Wochen hat er sich im Training die Mittelhand gebrochen. „Im Zweikampf bin ich unglücklich draufgefallen. Und ich wusste direkt, dass was passiert ist.“ Der 29-Jährige ließ sich davon nicht beirren, sagte „lieber die Hand als der Fuß“ und spielte und trainierte mit Schiene weiter. Am Mittwoch wurde er seine „Monsterschiene“, wie er sie nannte, los, bekam eine kleinere angepasst. „Mit der ist es um Welten besser.“

Jetzt freut er sich auf Lautern, auf das Wiedersehen, zum Beispiel mit seinem Mannschaftskameraden aus glorreichen U19-Zeiten, Jean Zimmer, für dessen Schritt er ihn bewundert. „Ich habe mich für ihn gefreut und einen Riesenrespekt davor, dass er diesen Schritt gewagt hat in einer Lage, die für den FCK keine einfache ist.“

Der Plan ist fix

Doch auch für Halle sei die Situation nicht leicht. „Wenn wir in Lautern verlieren, rutschen wir auch schnell unten rein.“ Darum lautet sein Plan so: „Wir holen drei Punkte, und nach dem Spiel drücke ich dem FCK die Daumen.“

Dass er es auf dem kurzen Ausflug mit seinem Team in die Pfalz schafft, sich Saumagennachschub zu holen, glaubt er nicht. „Das ist im Moment etwas schwierig. Ansonsten hätte mir bestimmt jemand ein Päckchen vorbeigebracht.“

x