Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Claudia Betz denkt mit 53 Jahren noch nicht ans Ende

Seit über zehn Jahren bei der SG Thaleischweiler: Claudia Betz.
Seit über zehn Jahren bei der SG Thaleischweiler: Claudia Betz.

Seit 39 Jahren spielt die Zweibrückerin Claudia Betz nun schon Fußball. Auch mit 53 hat die Landesliga-Spielerin der SG Thaleischweiler davon noch nicht genug. Erst recht, nachdem das Coronavirus den Spielbetrieb so lange gestoppt hat.

Seit rund fünf Monaten ruht nun bereits der Spielbetrieb in der Frauen-Landesliga Westpfalz. So lange wie nie seit ihrem 14. Geburtstag hat auch die mittlerweile 53-jährige Claudia Betz an keinen Ball mehr getreten. Dabei ist sie der Dauerbrenner schlechthin in Sachen Frauenfußball in der Region.

„Da ich von Verletzungen weitestgehend verschont geblieben bin, habe ich kaum einmal gefehlt“, erzählt die Metzgerei-Fachverkäuferin aus Zweibrücken, die nunmehr schon über zehn Jahre für die SG Thaleischweiler kickt. Und wenn doch beispielsweise einmal ein Band gedehnt gewesen sei, dann sei eben ein Stützverband angelegt und seien die Zähne zusammengebissen worden. Auch so manche Erkältung hinderte sie nicht an Einsätzen in der Verbands- oder Landesliga.

Mit ihrem Bruder war Claudia Betz anno 1982 zum Fußballtraining beim SV Ixheim mit anderen Buben gegangen. Eine Frauenfußball-Bundesliga oder eine Mädchenklasse gab es damals noch nicht. Und es machte ihr richtig Spaß. Als sie dann nicht mehr mit den Jungs kicken durfte, wechselte sie in Ixheims Frauen-Verbandsliga-Team. Rund 20 Jahre spielte Betz für den SVI.

Unter Ex-Profi trainiert

Dann gab es Probleme in Ixheim, weil nicht mehr ausreichend Fußballerinnen zur Verfügung standen; auch die Qualität hatte nachgelassen. Also beschloss der SVI, freiwillig in die Landesliga abzusteigen. „Wenn ihr das macht, dann war’s das für mich“, erklärte indes Betz und stellte konsequenterweise das Kicken in Ixheim ein. Nur wenige Tage nach dem Rücktritt riefen Verantwortliche des TSC Zweibrücken an und fragten, ob sie denn nicht am Wattweiler Berg spielen wolle. „Ja, wenn ihr aufsteigt“, habe sie daraufhin geantwortet, erzählt Betz. Und der TSC stieg von der Landes- in die Verbandsliga auf, mit Betz als erstem Neuzugang. Trainer des TSC war damals der frühere Homburger Bundesliga-Profi Kurt Knoll. „Wir hatten Erfolg“, erinnert sich Betz gerne an jene Zeit zurück.

Und doch bröckelte nach rund fünf Jahren alles wieder auseinander. Fast alle Frauen des TSC wechselten damals zum SV Großsteinhausen, wo nach dem Start in der untersten Klasse schon bald Verbandsliga-Fußball angeboten werden konnte. Erneut zerfiel das Team, und Nicole Morgenstern lotste Betz zur SG Thaleischweiler, die 2010 in die Verbandsliga aufgestiegen war. Betz: „Ich habe mir das damals angeschaut und gemerkt: Die sind ja alle nett. Also blieb ich, obwohl ich immer von Zweibrücken nach Thaleischweiler fahren musste. Nun sind bereits mehr als zehn Jahre vorbei.“

„Was will denn die Oma?“

Spielte sie in jungen Jahren noch im Sturm ihrer Teams, so hilft sie heute als Sechser – „einen Libero alter Prägung gibt es ja nicht mehr“ – ihrer Mannschaft. Just jene Position kommt der sehr lauffreudigen, aber nun mal 53 Jahre alten Betz entgegen. „Ich bin nicht mehr die Schnellste, aber mir fehlt es nicht an Übersicht, Erfahrung und genauem Passspiel“, versucht sie ihr eigenes Spiel zu beschreiben. Genau das attestiert ihr denn auch SGT-Trainer Roland Gortner, und er fügt hinzu: „Claudia ist sehr kopfballstark.“ Immerhin versenkte die 1,73 Meter große Fußballerin in der vorigen Saison fünfmal mit dem Kopf das Runde im Eckigen.

Faszination Fußball

Fußball ist für mich eine Faszination, ein geiles Spiel für mich“, lässt Claudia Betz keinen Zweifel daran, dass sie noch nicht ans Aufhören denkt. „Was will denn die Oma auf dem Platz?“ – solche Sprüche hat sie schon gehört, doch diese Provokationen stacheln ihren Ehrgeiz erst recht an.

Wenn sie Selbstkritik übt, dann wegen ihres früher so lockeren Mundwerks. Sie habe sich schon immer lautstark eingemischt, weiß sie selbst. „Aber mittlerweile bin ich sehr viel ruhiger geworden.“ Claudia Betz übt ihr Hobby mit sehr viel Fairness aus. In fast 40 Fußball-Jahren habe sie nur ein einziges Mal wegen Beleidigung („hohle Nuss“) die Rote Karte gesehen: „Ich war zwei Wochen gesperrt. Das war hart für mich.“

Weit über 1000 Pflichtspiele

Trainer Gortner bestätigt übrigens, dass Betz bei den Trainingseinheiten stets ganz vorne dabei sei. „Ich bin halt eine Spielerin der alten Generation, in der Pünktlichkeit und Einsatz gefordert waren“, merkt die ledige Fußballerin dazu an. Und Gortner ergänzt: „Claudia lebt Fußball.“ Und das, überschlägig geschätzt, seit weit mehr als 1000 Pflichtspielen. Gerne würde sie noch weitere Begegnungen anhängen statt nur „zu stricken, spazieren zu gehen oder zu puzzeln“. Kein Fußball wegen Corona – das ist für sie besonders hart.

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