Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Erinnerungen an 80 Jahre Stadtkapelle

Aus ihren 40 Jahren bei der Stadtkapelle haben Ralf Wedekind (links) und Volker Lehner viel zu erzählen.
Aus ihren 40 Jahren bei der Stadtkapelle haben Ralf Wedekind (links) und Volker Lehner viel zu erzählen.

Wenn die Zweibrücker Stadtkapelle am Samstag, um 11 Uhr, am Schlossplatz zum Standkonzert einlädt, sind zwei Freunde darunter, die dort seit 40 Jahren gemeinsam musizieren: Volker Lehner (63) und Ralf Wedekind (55). Was haben die beiden in dieser langer Zeit erlebt?

Wie sind Sie denn zur Stadtkapelle gekommen?
Wedekind: Wir haben vorher beim Musikzug der Vereinigten Turnerschaft Niederauerbach gespielt. Da haben wir uns 1977 kennengelernt. Als es dort musikalisch bergab gegangen ist, haben wir halt ein ansprechendes Orchester gesucht. So sind wir zur Stadtkapelle gekommen.

Lehner: Ich bin nach Auerbach gekommen, weil mir der damalige Leiter, Willi Vollmar, empfohlen worden ist. Der war in der Heinz Miller Band Posaunist. Ein guter. Der hat mich zwei Jahre unterrichtet. Und dann habe ich gemerkt, das war es. Da kommt nichts mehr. Der wollte mich zwar halten. Denn er hat immer gewusst, wenn einer gut wird, geht er vom Musikzug wieder weg. Ich habe mir dann aber trotzdem einen anderen Lehrer gesucht. In Kaiserslautern am Pfalztheater. Der Paul Wagner war Kammermusiker. Berufsmusiker. Bei dem habe ich noch mal drei Jahre gelernt. Das war eine schöne Zeit. Den habe ich 2019 noch zu unserem Jahreskonzert eingeladen. Er war total begeistert.

An welchen Instrumenten haben Sie Ihr Handwerk gelernt?
Wedekind: Am Tenorhorn

Lehner: An der Posaune.

Haben Sie ein Lieblingsmusikstück?
Wedekind: Nein. Ehrlich gestanden nicht.

Lehner: Ich habe viele Lieblingsstücke. Und zwar ist das die moderne Musikliteratur, die wir in den vergangenen sechs Jahren mit unserem Dirigenten Björn Weinmann gemacht haben. Wir sind ganz weit weg, von der einstigen Blasmusik. Und machen jetzt eine ansprechende Musik, die sogar mir als schon ein bisschen älteren Menschen Spaß macht. Was natürlich nicht bedeutet, dass ich keine Blasmusik mehr mache. Wie auf einer Kerwe. Das mache ich nach wie vor. Aber das, was wir hier in der Stadtkapelle machen, das spricht mich an.

Wedekind: Also gut, doch, ich habe ein Lieblingsstück. Das ist die „Appalachian Overture“ von James Barnes. Weil da alles drin ist, was die Musik ausmacht, die wir als Kapelle jetzt spielen.

Lehner: Anspruchsvoll. Klangvoll. Und die bläst man als Musiker nicht einfach so vom Notenblatt. Da muss man üben, üben, üben.

Was gefällt Ihnen den an den Proben mit ihrem Dirigenten Björn Weinmann?
Lehner: Wenn er Zeichen an die Musiker gibt, haben die Hand und Fuß. Da kann man was mit anfangen. Man weiß, was man als Musiker zu tun hat. Das ist nicht einfach nur Wind verteilen. Da ist dann der Einsatz auf die eins oder auf die vier im Takt verlangt. Und er kann seine Hände beidseitig bewegen. Mit der einen gibt er den Takt vor, mit der anderen gibt er noch zusätzliche Zeichen.

Wedekind: Er hat ein souveränes Auftreten. Für jeden Einsatz. Für alles was fehlt und was man braucht als Musiker. Und dazu ist der Dirigent da. Das bringt er.

Lehner: Und das Tollste ist: Er hört die Fehler. Er hört, wenn ihm was nicht gefällt. Und kann das in Worte fassen und mitteilen.

Wedekind: Und sein Umgang mit uns. Er ist absolut fair. Es wird keiner niedergemacht, wenn er einen Fehler spielt. Es wird auch keiner persönlich angegangen. So etwas haben wir früher alles schon erlebt.

Hand aufs Herz. Haben Sie wirklich 40 Jahre in der Stadtkapelle ununterbrochen Musik gemacht? Oder waren Sie auch mal stilles Mitglied?
Wedekind: Nein.

Lehner: Ich habe das durchgezogen. Immer. Auch im Job. Ich habe 20 Jahre Schicht geschafft. Da war ich die halbe Zeit halt arbeiten. Aber wenn ich frei hatte, kam ich zur Kapelle.

Wedekind: Ich habe auch während der Ausbildung nie pausiert.

Was packt Sie am Musizieren?
Wedekind: Das Zusammenspiel. Man hat immer etwas Gemeinsames und nie etwas gegeneinander. Ich vergleiche das mit Fußball. Da will immer eine Mannschaft gewinnen. Das habe ich hier niemals erlebt. Außer früher mal, als die Stadtkapelle meinte, sie sei etwas Besseres. Aber da waren wir zwei noch nicht im Vorstand. Durch das Miteinander haben wir so viele Freunde gewonnen, aus anderen Orchestern. Aus Boulogne-sur-Mer und so weiter. Das ist einfach faszinierend.

Lehner: Ein Orchester hat etwas mit einem guten Zusammenklang zu tun. Und ein Mensch wie ich, der auf gute Zusammenarbeit, Manieren und guten Umgang Wert legt, der hat da seinen Spaß dran. Zusammenklang und Kameradschaft. Das sind im Orchester die maßgeblichen Punkte.

Wie halten Sie sich über die ganzen Jahre fit? Das muss doch anstrengend sein, aus der vollen Lunge Blasmusik zu machen.
Wedekind: Üben (lacht).

Haben Sie trotz Pandemie weiter geübt?
Wedekind: Ich habe weiter geübt.

Lehner: Ich habe mir das ausgerechnet. Ich führe momentan Buch. Seit dem 1. Dezember habe ich 477 Stunden geübt. Plus die paar Proben seit Anfang Juni. Posaune, Tenor, Bassflügelhorn und Tuba. Jeden Tag mindestens zwei Stunden. Das merkt man jetzt. Jetzt kommt wieder Technik ins Spiel. Ich war mal gut. Zwischendurch habe ich einen Durchhänger gehabt. Es wird wieder. Es ist auch nicht die Lunge, die bei der Blasmusik gefragt ist, sondern das Training der Lippen. Man kann stundenlang spielen, wenn die Lippenmuskulatur mitmacht. Die Lunge ist einfach nur dabei. Es geht vielmehr darum, die Luftsäule im Instrument zum Schwingen zu bringen. Von der Lunge braucht man nur einen leichten Anstoß. Wenn die Lippen gut trainiert sind, spielt man fünf, sechs Stunden. So, wie es ein Fußballer in den Beinen hat, haben wir es in den Lippen. Und wenn man die Lippen sechs Monate nicht trainiert, fängt man wieder von vorne an. Das ist so wie bei einem, der 14 Tage im Krankenhaus nur liegt und dann aufsteht. Dem wird schwindelig und er fällt um.

Wie bereiten Sie sich auf ein Konzert vor? Haben Sie ein Ritual?
Wedekind: Den Aufbau und die Organisation. Das ist schon Ablenkung genug. Aber natürlich, man spielt sich kurz ein.

Lehner: Man hat kalte Lippen vor dem Konzert. Die muss man anblasen.

Wedekind: Aber ein Ritual? Nein.

Sind sie noch nervös bei Konzerten?
Wedekind: Beim Jahreskonzert. Aber die Nervosität beschränkt sich darauf, dass ich will, dass das Publikum zufrieden ist. Wenn die Halle voll ist und man sieht, den Leuten macht das Zuhören so viel Spaß, wie uns das Musizieren. Dass das nicht passieren könnte ist meine einzige Nervosität.

Können Sie das Publikum in der Festhalle sehen?
Wedekind: In der Festhalle, wenn es abgedunkelt ist, ist das schwierig. Im Rosengarten sieht man, wie die Leute mitgehen.

Lehner: Man sieht in der Festhalle ja, dass Leute da sind, weil es vorher hell ist. Aber dann geht das Licht aus und dann muss man sich konzentrieren. Da hat man keine Zeit mehr, um sich groß umzuschauen.

Unternehmen Sie auch privat was gemeinsam?
Lehner: Wir grillen mal gelegentlich. Oder gehen was trinken. Wir waren auch schon zusammen mit unseren Frauen essen.

Wedekind: Wir sind befreundet, Volker ist Patenonkel bei meinem Sohn.

Gibt es Erinnerungen, die außergewöhnlich sind? Oder besonders schön?
Wedekind: Boulogne. Da hat man schon einiges miterlebt.

Lehner: Zum Beispiel, dass man nicht zum Konzert erschienen ist, oder sehr verspätet. Weil wir irgendwo essen waren und in Frankreich ist das so: Sie kriegen beim Essen gesagt: „Volker zappelt schon. Bleib ruhig, zuerst wird gegessen und dann fahren wir zum Konzert. Und wenn das dann schon eine halbe Stunde läuft, dann läuft es eben ohne dich.“Das kennt man als Deutscher nicht so.

Konzert

Die Stadtkapelle Zweibrücken meldet sich nach achtmonatigem Lockdown erneut mit einem Standkonzert zu Gehör. „Statt Fest II“, so lautet das Motto des Konzertes, das von den verschiedenen Ensembles der Stadtkapelle am Samstag, 31. Juli, 11 bis 13 Uhr, auf dem Schlossplatz, gestaltet wird. Es ist der dritte Auftritt in dieser Reihe und der erste seit September 2020. Mit einem Monat Probenvorlauf, seit dem 23. Juni. Für das Konzert haben sich auch einige Besucher aus Boulogne-sur-Mer angekündigt. Der Eintritt ist frei.

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