Zweibrücken Er setzt sich für Kinderrechte in Afrika ein

In Togo verhandelte Buchmann mit einem Scharlatan über die Freilassung von fast 100 sogenannten Hexenkindern, die dieser von bös
In Togo verhandelte Buchmann mit einem Scharlatan über die Freilassung von fast 100 sogenannten Hexenkindern, die dieser von bösen Geistern befreien will. Stattdessen beutet er diese Kinder übel aus.

Er fährt leidenschaftlich gerne E-Bike, ist aber kein E-Mail-Mann. Das moderne Kommunikationsgebaren ignoriert Horst Buchmann gerne mal. Der 70-Jährige hat die Erfahrung gemacht, dass man mit direkter Unterhaltung oft mehr erreicht und zahlreiche Situationen erlebt, in die ein „normaler“ Zeitgenosse gar nicht kommt.

Wer hat beispielsweise schon mal in Afrika mit Polizeichefs über die Freilassung von inhaftierten Straßenkindern verhandelt? Oder mit Dorfältesten über die Einrichtung einer Gesundheitsstation zur Früherkennung von Lepra gesprochen? Der gebürtige Zweibrücker hat das getan. Offiziell ist er in Rente. Aber den von ihm 1995 begründeten Verein zur Unterstützung afrikanischer Kinder leitet er bis heute. Für seine Arbeit bekam der Entwicklungshelfer im Juni von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Buchmann hat einen ungewöhnlichen Lebenslauf. Wenn man den liest, taucht ein Globus vorm geistigen Auge auf. Im Juni 1947 geboren und in Niederauerbach aufgewachsen, hat er sich bereits als Schüler auf internationaler Ebene sozial engagiert und unter anderem in England benachteiligte jüdische Kinder betreut. „Einen kleinen persönlichen Beitrag zur Wiedergutmachung“ nennt er das. Später hat er in Saarbrücken, Salzburg und Bridgeport/Connecticut (USA) Germanistik und Anglistik studiert. In Indien und dem damaligen Ceylon hat Buchmann im Freiwilligendienst gearbeitet, erzählt, dass er in dieser Zeit den jungen Dalai Lama mal persönlich getroffen hat. „Über meine Erlebnisse habe ich damals Artikel für die RHEINPFALZ geschrieben“, erinnert er sich. Auch der Saarländische Rundfunk habe über seine Arbeit berichtet. Zwischen 1969 und 1972 spielte sich ab, was Buchmann „meine Skandinavienzeit“ nennt. Er hat zunächst in Finnland am Goethe-Institut, dann in Schweden an der Volksuniversität als Lektor gearbeitet. Was folgte, war ein Angebot des Deutschen Entwicklungsdienstes, als Entwicklungshelfer zu arbeiten. Es war der Startschuss einer 45-jährigen Tätigkeit, die Horst Buchmann in etliche afrikanische und auch ein paar arabische Länder geführt hat. „Mehr als 200 Reisen nach Afrika“, kann Buchmann vermelden. „Ich bin ein Organisator“, sagt er von sich. Sein Job war es zunächst, in Togo ein Leprakontrollprogramm zu koordinieren. „Das war Pionierarbeit mit systematischen Reihenuntersuchungen in Dörfern und Schulen zur Früherkennung der Krankheit“, erzählt er. In Togo hat Buchmann eine deutsche Krankenschwester geheiratet, mit der er eine Familie gründete. Beim zweiten Engagement auf dem afrikanischen Kontinent in Süd-Sudan waren die drei Kinder – drei und 15 Monate sowie zweieinhalb Jahre alt – dabei. „Schwierigste Bedingungen“, erinnert sich Buchmann an Flüge in kleinen Maschinen bei brütender Hitze: „Und die Windeln der drei Kinder waren voll.“ Der Entwicklungshelfer beschreibt tagelange Fahrten in Geländewagen im 20-Kilometer-Schnitt, abenteuerliche und gefährliche Flussüberquerungen. Berater des regionalen Gesundheitsministeriums war er im Süd-Sudan. Von Mitte der 80er Jahre bis 1995 ging Buchmann der Familie zuliebe einen Kompromiss ein. Ein Dorf im Hochschwarzwald wurde zur Heimat, Buchmann stellvertretender Referatsleiter beim Caritasverband in Freiburg. Als solcher betreute er Entwicklungsprojekte in Kenia, Ruanda, Somalia, Kamerun, Nigeria, Togo, Burkina Faso, Niger, Mali, Senegal, Gambia, Guinea, Elfenbeinküste, Benin, Jordanien, Libanon und Ägypten. Mitte der 90-er Jahre war Horst Buchmann Vizepräsident einer französischen Kinderrechtsorganisation, unter dem Namen „Zukunft für Kinder in Not“ gründete er einen deutschen Ableger, der nun „Kinderrechte Afrika“ heißt. Seine Mailadresse: h.buchmann@kinderrechte-afrika.org

Horst Buchmann vor seinem Elternhaus in der Hauptstraße, Ecke Rosengartenstraße.
Horst Buchmann vor seinem Elternhaus in der Hauptstraße, Ecke Rosengartenstraße.
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