Zweibrücken Er mag Irland, den 1. FCK und abstrakte Kunst
Wer bei Bernhard Thurn aus dem Fenster schaut, bekommt eine Ahnung davon, wie das wohl war, als die Zweibrücker Herzöge hier residierten und hinunterblickten auf den Schlossplatz. Jetzt macht das der neue Präsident des im Schloss beheimateten Pfälzischen Oberlandesgerichts, und der lacht, auf die adligen Vorgänger angesprochen. „Also, wie ein Schlossherr fühle ich mich nun wirklich nicht!“ Das historische Gebäude indes habe ihn sofort angesprochen. „Es ist etwas Besonderes.“
Hat er sich deshalb für die Behörde in der Westpfalz beworben oder weil er aus dem nahen Saarland stammt, aus Saarlouis? Nein, sagt er, er stehe zu seinen saarländischen Wurzeln, aber dorthin zurückkehren wolle er nicht. „Wenn ich umziehe, ziehe ich hierher, nach Zweibrücken, denn mir gefällt’s hier wirklich gut.“ Noch wohnt er in Mainz, fährt täglich eineinviertel Stunden in die Westpfalz und abends wieder zurück. Mit dem Zug würde es über drei Stunden dauern – eine Fahrt. „Fahre ich halt Auto, das finde ich nicht so schlimm, da kann ich nachdenken“, sagt Thurn. Am Montag kam er auf dem Heimweg wie immer an Kaiserslautern vorbei und dachte kurz über einen Abstecher zum Betzenberg nach, wo der FCK an diesem Abend spielte. „Es war dann aber schon so spät. Aber ich werde mir in Kürze ein Spiel ansehen. Ich bin FCK-Fan.“ Nicht Mainz 05? „Nein, auf den Betze bin ich schon als Junge gefahren, als ich noch im Saarland wohnte.“ Fußballspieler habe er auch werden wollen, ursprünglich, „ich habe lange und sehr gern Fußball gespielt“. Jetzt schaue er nur noch. Unsportlich ist er aber nicht, der Hobby-Radfahrer, der sich schon auf Touren rund um Zweibrücken freut. „Das Radwegenetz hier soll ja sehr gut sein“, und es kann ihn bis nach Frankreich führen, ein Land, das der neue OLG-Präsident als Urlaubsland sehr schätzt. Sein Lieblingsreiseziel aber ist Irland, wie er verrät. Die Insel habe es ihm angetan, seit er während seines Referendariats in einer Anwaltskanzlei in Dublin arbeitete. Mindestens einmal jährlich besuche er Irland, besonders gut finde er die Dingle-Halbinsel, „weil sie schön einsam ist“. Ideal zum Ausspannen. Da wundert es nicht, dass Thurn zuletzt ein Buch eines irischen Schriftstellers las, einen Roman über die Hungersnot und die sich anschließende Auswanderungswelle in Irland. Viel mehr Hobbys sind dann auch nicht drin. Denn der OLG-Präsident ist auch Vater, er hat einen einjährigen Sohn sowie zwei ältere Kinder, 16 und 17 Jahre alt. Um die will er sich kümmern. Und um seine rund hundert Mitarbeiter am Gericht, die er alle noch persönlich kennenlernen will. Etwa die Hälfte habe er seit seinem ersten Arbeitstag am vergangenen Donnerstag schon geschafft. Er sei ein kommunikativer Mensch, auf Ausgleich bedacht, die Konfrontation sei nicht so sein Ding, erklärt Thurn und verspricht, er werde keine einsamen Entscheidungen an seinen Leuten vorbei treffen. Von Zweibrücken hat Thurn noch nicht allzu viel gesehen, doch was er sah, hat ihm gefallen, sagt er. Bei Rundgängen in der Mittagspause seien ihm das viele Grün mitten in der Stadt aufgefallen und das „fast französisch anmutende Flair der Fußgängerzone“. Zweibrücken sei wie seine Geburtsstadt Saarlouis. Klein, aber hübsch. Auf jeden Fall wolle er sich hier ins gesellschaftliche Leben einbringen, erklärt er. So plane er, zum Zweibrücker Oktoberfest zu gehen. Hat er schon eine Lederhose? Nein, hat er nicht. Wird er sich aber besorgen, wie er versichert. Sein Zimmer mit Blick auf Schlossplatz und Feuerwache hat er unverändert von Vorgänger Willi Kestel übernommen. „Es gefällt mir so, wie es ist“, lautet Thurns schlichte Begründung. Da er eher ein Freund abstrakter Kunst sei und im Dienstzimmer nur gegenständliche Gemälde hängen, werde er eventuell irgendwann ein Bild austauschen. Das habe aber keine Eile. Ebenso wie das Thema Bürgerfest im Schlossgarten. „Das wird es wohl nicht regelmäßig geben. Aber zu besonderen Anlässen – warum nicht?“ Die OLG-Landschaft mit den Oberlandesgerichten Zweibrücken und Koblenz in Rheinland-Pfalz sowie Saarbrücken im Saarland findet Thurn genau richtig. „Ich glaube nicht, dass das Thema Zusammenlegung noch mal aufs Tapet kommt“, ist sein Eindruck. Mehr Zusammenarbeit wünsche er sich allerdings, vor allem in Verwaltungsdingen. So stehe die Justiz derzeit vor einer großen Aufgabe: Stichwort Digitalisierung, elektronische Akte. Mit solchen Dingen mussten sich die Schlossherren im 18. Jahrhundert wahrhaftig nicht befassen.