Handball
Drittligist SV 64 Zweibrücken gewinnt Pfalz-Derby deutlich
„Ja, es war wieder einer dieser magischen Handballabende in der Westpfalzhalle“, bestätigte Eisel und ergänzte: „Leider nicht für uns.“ An einem solchen Samstag wäre er zu Zweibrücker Zeiten aufs Tribünengeländer geklettert und hätte lautstark mit den Fans gefeiert. Dass er selbst über weite Strecken ein Aktivposten im HSG-Spiel war, „ist egal, wenn die Mannschaft nicht gewinnt“, meinte er.
Die SV-Fans feierten dagegen ihr Team, das die Partie – bis auf acht Minuten nach dem Seitenwechsel – dominierte. Der erste Spieler, der nach dem Abpfiff von allen umarmt wurde, war Kapitän Philipp Hammann. Nach Long-Covid-Leidenszeit fand er am Samstag zurück zu alter Form: Sechs Chancen von Rechtsaußen, fünf nutzte er. Er atmete tief durch nach dem Erfolg. „Es war heute viel Druck dabei. Wir wussten, wir müssen abliefern“, sagte er. Die ganze Woche über habe man das gespürt.
Tom Grieser: Spiel als Jetzt-erst-recht-Moment
Das Zweibrücker Löwen brannten, waren vom Anpfiff weg präsent. Emotionaler Leader, Abwehrchef und am Samstag auch Kreisläufer war Tom Grieser – weil der SV am Freitag den Schlag verdauen musste, dass sich Top-Kreisläufer Kevin Knieps im Training eine Fußverletzung zuzog. „Das war so ein Jetzt-erst-recht-Moment“, beschrieb Grieser den Nackenschlag für das gebeutelte SV-Team.
Knieps Verletzung brachte auch Nils Wöschler vom Saarlandligisten SV 64 Zweibrücken II ins Drittliga-Team. Wöschler gelang, was zum Beispiel HSG-Rechtsaußen Yessine Meddeb, der wie Eisel mit seinem Zweitspielrecht von der Partie war, weil das Zweitliga-Spiel der Eulen Ludwigshafen beim TV Hüttenberg abgesetzt worden war, nicht gelang: Er setzte Akzente. Als Regisseur Tim Götz, früher auch im Hochdorfer Trikot, Mitte der ersten Hälfte etwas schwächelte, übernahm Wöschler, traf unter anderem zum 12:7 (20.). „Wir hatten heute Höhen und Riesentiefen. In diesen Tiefen hat uns Zweibrücken schon bestraft“, bilanzierte HSG-Trainer Gabriel Schmiedt.
Wermutstropfen: Zellmers erneute Schulterverletzung
Kämpferisch und spielerisch setzten die Gastgeber die Akzente. Top-Favorit bei der Wahl zum Tor des Monats: das 25:20 durch Niklas Bayer. Das geniale Anspiel von Tim Götz nutzte der auf der halbrechten Position einspringende Bayer, um es mittels Kempa in der Luft anzunehmen und perfekt zu vollenden. Mit der Zunge schnalzen erlaubt. Der SV 64 war danach wieder am Drücker, zog auf 28:20 davon. Und wusste: „Jetzt sind sie fertig, jetzt haben wir es geschafft“, resümierte Trainer Stefan Bullacher. Der Plan, in die Köpfe der HSG-Spieler zu kommen, ihnen zu zeigen, dass ein Sieg in Zweibrücken kein Selbstläufer ist, war aufgegangen. Kein Tempo in den Übergängen, in der Abwehr oft zu passiv, das waren die Schwächen im HSG-Spiel, stellte Schmiedt fest.
Dass es zumindest ergebnistechnisch keine Schmach für die Gäste wurde, lag daran, dass den aufopferungsvoll kämpfenden Zweibrückern etwas die Luft ausging. Die daraus resultierenden Fehler nutzte die HSG zur Resultatsverbesserung. Zudem musste der SV 64 nach dem 31:22 (54.) einen weiteren verletzungsbedingten Rückschlag verkraften: Benny Zellmer kugelte sich erneut die Schulter aus. Unter viele Zweibrücker Freudentränen mischten sich in diesem Moment auch bittere Tränen.