Wochenend-Meinung Die Firma Festlicht macht genau das, was sie angekündigt hat

Mit der Sommerlounge auf der Festhallen-Terrasse hat Festlicht ein neues Angebot geschaffen.
Mit der Sommerlounge auf der Festhallen-Terrasse hat Festlicht ein neues Angebot geschaffen.

Die Geschichte mit dem Kinderfasching ist dumm gelaufen. Die VTZ kann nicht einfach davon ausgehen, dass der Faschingssonntag für immer für sie geblockt ist, die Pächter von Festlicht hätten sich bei dem Verein melden können, bevor sie die Halle anderweitig vergeben. Der VTZ-Vorstand wiederum hätte mit seinem Ärger nicht gleich an die Öffentlichkeit gehen müssen. Auch er hätte das Gespräch mit Festlicht suchen können, danach hätte man den jeweils anderen vielleicht besser verstanden.

Denn dass es da völlig verschiedene Vorstellungen gibt, was die Festhalle angeht, liegt auf der Hand. Für die VTZ ist sie eine Art Zuhause, ein Zentrum des Vereinslebens. Lange Jahre gehörte sie dem Verein, nach wie vor trainieren dort Mitglieder in den Sporthallen und im Trimini. VTZ und Festhalle sind tief verbunden, ohne VTZ gäbe es keine Festhalle. Aber: Sie gehört sie dem Verein nicht mehr, und das auf eigenen Wunsch.

Die Stadt hat die Festhalle gekauft, weil die VTZ schon lange überlastet und finanziell überfordert war mit dem Hallenbetrieb, auch im Hinblick auf die unausweichliche Sanierung. Jahrelang drängte der Verein auf den Verkauf. Der langjährige Vorsitzende Heinrich Gauf meinte, es könne doch nicht Sache eines Sportvereins sein, eine Halle für Kultur bereit zu halten. Damit brachte er es auf den Punkt, und die Stadt übernahm 2006. Nach der Generalsanierung wurde die Festhalle 2008 wiedereröffnet, die technische und kaufmännische Betriebsführung obliegt den Stadtwerken.

Um die Halle mit Leben, Veranstaltungen und Gastronomie zu füllen, brauchte es einen Pächter. 14 Jahre lang war das die Zadra-Gruppe, die 2022 ausstieg. Kurz darauf erklärte sich Festlicht bereit, die dauerdefizitäre Festhalle zu pachten. Die Freude war groß bei der Stadt, die Hoffnung auch, dass die Halle doch mal was abwirft. Die Ansage von Festlicht war auch klar: Ja, können wir machen, aber nach unserem Konzept.

Und das sieht so aus: Die Veranstaltungen des Kulturamts sind gesetzt, einige Veranstaltungen werden über externe Agenturen abgewickelt, und einige Veranstaltungen organisiert Festlicht selbst. Das fanden alle gut, und das Ehepaar Matheis hält sich bislang auch an diesen Plan. Womit wir wieder bei den unterschiedlichen Lesarten wären. Festlicht sieht die Festhalle nicht emotional, so wie die VTZ, sondern als Geschäft, das erfolgreich sein muss, weil man sonst pleite geht. Was für die Festhalle nicht gut wäre.

Wie gesagt, ein kurzes Telefonat mit der VTZ hätte drin sein können. Aber das Ehepaar Matheis nun der „Profitgier“ zu zeihen, die wohl mehr zähle als eine alte Tradition, wie das teilweise in den sozialen Medien geschieht, das geht am Thema vorbei. Natürlich will die Firma Festlicht mehr Geld verdienen, als sie ausgibt, dafür ist sie ja angetreten, das ist ihr Job. Und dass sie bei der sicherlich nicht einfachen Aufgabe nicht alle Bedürfnisse berücksichtigen kann und vor allem wirtschaftlich denken muss, dürfte ja wohl auch klar sein.

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