Zweibrücken Deutsch lernen, Arbeit finden

Arbeit finden – egal was. Das ist für Moussa Mikhail aus Ägypten jetzt am wichtigsten. Die ehrenamtlichen Helfer im Flüchtlingstreff im Zweibrücker Dietrich-Bonhoeffer-Haus versuchen, ihm und anderen Migranten unter die Arme zu greifen – beim Deutschlernen, dabei, eine Arbeit zu finden und bei den kleinen Belangen des Alltags.

Ein CD-Player wäre gut, um mit den CD’s, die den alten Deutschbüchern beiliegen, die Aussprache zu üben. Irgendjemand wird doch noch ein Gerät haben, das nicht mehr gebraucht wird, überlegen die deutschen Helfer. Und ein Receiver vielleicht, denn die drei jungen Ägypter, die am Donnerstag beim Flüchtlingstreff sind, besitzen zwar einen Fernseher, aber keinen Anschluss. Doch auch deutsches Fernsehen kann ihnen beim Lernen der Sprache helfen. Und ein Zweibrücker Stadtplan wäre auch hilfreich. Die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer denken ganz praktisch. Doch es fehle eine zentrale Ansprechstelle, die alle Fäden in der Hand hält, klagt Klaus Schneider. Hilfreich wäre auch ein Merkblatt für die Helfer, das die vielen juristischen Begrifflichkeiten erklärt, mit denen die Flüchtlinge in Kategorien aufgeteilt werden, die unterschiedliche Rechte verleihen. Auch die Helfer müssen sich im Wirrwarr der Einwanderungsbehörden erst einmal zurechtfinden. Moussa Mikhail und seine Freunde Said Yehya und Ayad Azer haben Aufenthaltsgestattungen und eine Arbeitserlaubnis. Die bekommt man nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland, erklärt Flüchtlingsberater Timo Arnold. Wenn sich ein Deutscher für dieselbe Stelle bewirbt, hat der aber Vorrang. Nach 15 Monaten verfällt die Vorzugsklausel – zumindest offiziell – und Flüchtlinge können sich mit dem gleichen Recht wie alle anderen bewerben. Das alles gibt ihnen aber noch kein Recht auf einen bezahlten Deutschkurs. Said Yehya spricht ein bisschen Deutsch, er kann sich verständlich machen, aber noch ist es mühsam. Der 23-Jährige würde gerne eine Lehre machen, als Anstreicher. Die ehrenamtlichen Helfer im Flüchtlingstreff haben zwei Ausbildungsplätze gefunden, die im August beginnen. Doch er müsste in die Schule gehen. Sozialkunde und andere Fächer, alles auf Deutsch. Ein echtes Problem. Deswegen, meint Moussa Mikhail und grinst, ist die Mathematik vorzuziehen. Sie sei international und basiere auf der Logik. Er versteht nicht, warum Mathe bei Schülern so unbeliebt ist. Mikhail hat in Ägypten Mathematik studiert und danach in der Tourismusbranche gearbeitet. Lehrer würden in Ägypten schlecht bezahlt. Außerdem ist er, wie auch seine Freunde, kein Muslim, sondern koptischer Christ. Er hatte in seinem Land wenig Aussichten auf eine Stelle. Also arbeitete er für Touristen. Von den zahlreichen Russen darunter lernte er deren Sprache. Dann kam es zum Sturz Mursis und den Aufständen der Muslimbruderschaft. Viel darüber sagen möchte Mikhail nicht, nur dass es Probleme gab „mit Muslim-Leuten“ und „Revoluzzern“. Vor 15 Monaten flohen er und seine Freunde aus Ägypten nach Deutschland. Bei einem Termin vor einigen Wochen beim DRK unterhielt sich Mikhail mit einer russischen Migrantin – da kamen ihm die Russisch-Kenntnisse aus seiner Zeit als Fremdenführer zugute. Die Russin erzählte vom Bonhoeffer-Haus und den Deutschen, die dort Flüchtlingen unentgeltlich helfen. Vor zwei Wochen besuchte der 27-Jährige zum ersten Mal das Treffen, dieses Mal brachte er Ayad Azer und Said Yehya mit. Der 25-jährige Azer kämpft mit einer Verletzung am Knie und steht kurz vor einer Operation. Das wirft ihn in seinen Plänen, eine Arbeit zu finden, zurück. Er muss warten, bis das Bein verheilt ist. Auf die Frage, was er denn gerne machen würde, antwortet er dasselbe wie die beiden anderen: Alles. „Für uns ist es im Moment egal, was wir arbeiten“, erklärt Mikhail, dessen Deutschkenntnisse gar nicht schlecht sind. Die Kommunikation funktioniert. Um zu lernen, so erzählt er, sieht er sich Videos im Internet an oder unterhält sich mit den Leuten, die er auf der Straße trifft. Und sein Deutschbuch? Ja, das benutze er auch, aber mehr, um Floskeln zu lernen: „Wer bist du?“, „Wo gehst du hin?“, solche Sachen. Anita Schwarz begleitet ihn an diesem Tag zu einem Deutschtest an der Volkshochschule. Er soll eingestuft werden, seine Kenntnisse werden erfasst, um einschätzen zu können, wie er am besten weiterlernen kann. Viel Glück, wünschen ihm die Helfer. Sie drücken die Daumen: Eventuell kann er als Tutor an der Zweibrücker Hochschule arbeiten. Im Fach Mathematik. Denn die ist, wie gesagt, international.

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