Homburg
Der Thriller „Die Republik“ zeigt, wie die DDR die BRD schluckt
Die wurmt, dass sich der hochmoderne Überwachungsstaat DDR fast ganz Deutschland geschnappt hat, sogar das Saarland, und zum Global Player realsozialistischer Prägung wurde, der alle das Fürchten lehrt.
Die ersten 80 Seiten verbringt man damit, sich in diese neue Welt einzufinden oder sich zurückzuerinnern, wie das damals war, als es die DDR noch gab. In diesem Thriller ist Westberlin nicht die Enklave Deutschlands, die von der DDR umschlossen ist, sondern der traurige Rest, der noch von der BRD übrig blieb, ein Gebiet, so groß wie das Saarland. Die Handlung spielt nach 2008, denn dann wurde in Westberlin das einst im Ostteil befindliche zerstörte Luxushotel Adlon als New Adlon wiederaufgebaut, so die Fantasie des Autors. Dort wohnt Harper, die britische MI6-Agentin, die den Giftgasanschlag untersucht und schnell dahinterkommt, dass da Kampfmittelbestände der NVA oder der Roten Armee in die Luft gingen. Langsam, aber sicher tastet sie sich wie James Bond immer weiter vor, Sex und coole Sprüche inklusive, und mit männlicher Hilfe aus der Heimat, einer Art M. Die Vorbilder sind unübersehbar - und doch spielt Voland auf souveräne Weise mit den Klischees. Das gilt vor allem für alles, was mit dem Alltag in der DDR zu tun hatte. Wer die wichtigsten Begriffe des DDR-Wortschatzes nicht drauf hat, kann sie mit Hilfe des Glossars lernen.
Immer wenn man denkt, nun ist man einen Schritt weiter, springt die Handlung zur nächsten der drei Hauptfiguren, die zur selben Zeit an einem anderen Ort zugange sind. Da ist der alte Stasi-Oberst Gustav Kuhn, der sich an der DDR rächen will, bevor er abhaut, angewidert von der ewigen Bevormundung, Überwachung und Geheimniskrämerei. Der Dritte ist der junge, naive Christopher, ein französischer Dolmetscher, der in der DDR einen entfernten Verwandten beerdigt, im „Bezirk Saarbrücken, Kreis Homburg, DDR“ und zuerst geschockt ist von den Wachtürmen und den DDR-Sicherungsanlagen am Grenzübergang Goldene Bremm, später von dem brennenden Haus seiner Verwandten, deren Brand man seiner Familie in die Schuhe schieben will, vor allem der rebellischen Elektronikerin Alice, die viele Tricks kennt, die staatlichen Überwachungen auszuschalten. Wie bei einem typischen Markus-Heitz-Roman kommen die Handlungsstränge mitunter dicht zusammen, ohne dass die Spannung abfällt, denn die Geschichte schlägt immer wieder überraschende Haken.
Einfach alles macht Spaß, an diesem Roman: die Suche nach verlassenen Orten (die Hinweise auf Reales wie den Berliner Technoclub Bar 25, der 2010 dicht machte), die Beschreibung des Staatsapparats, die Kalte-Kriegs-Taktik, wilde Schießereien, die Rückschläge, die Jagd nach einer Karte, die Gänge in der Nacht. Alles verbindet sich zu einem munteren, nachdenklichen Thriller, der seine irre Ausgangsidee überzeugend zu Ende bringt. Goldbroiler inklusive. Ein wunderbarer Thriller – und vielleicht bald ein Film: Die Ufa hat sich schon vor der Veröffentlichung die Filmrechte gesichert.
