75 Jahre Zweibrücker Rundschau Biker, Boulespieler, Zeitzeugen
1947 geboren, außerdem treuer RHEINPFALZ-Leser und Stammgast im Gasthaus Drumm – Klaus Schilb musste nicht lange überlegen, ob er zu uns in die gläserne Redaktion kommt, das war Ehrensache. Der gebürtige Walshauser zog 1977 nach Zweibrücken kehrt seitdem regelmäßig im Gasthaus an der Ecke Hilgard-/Gutenbergstraße ein. „Erst bei Adolf Drumm, dann beim ,Sexy’, also Hans Heydrich, und jetzt beim Hansi Müller.“ Hier habe er auch den Boule-Club „Bonne Chance“ mit gegründet, bei dem er zuletzt Vorsitzender war, so Schilb. Leider habe der Club sich vor drei Jahren aufgelöst, weil sich kein Nachwuchs fand.
„Wir hatten aber schöne Zeiten, waren früher so an die 30 Mitglieder und feierten unsere legendären Paella-Feste mit viel ,Rouge Ordinaire’“, erinnerte sich Schilb schmunzelnd. Entstanden sei der Boule-Club durch die Städtepartnerschaft mit Boulogne und die regelmäßigen Pfingstbegegnungen, bei denen auch Boule gespielt wurde. „Mit den Boulognern waren wir oft hier im Gasthaus Drumm“, erzählt Klaus Schilb. Jetzt komme er jeden Mittwoch mit seiner Frau und Freunden in den Drumm zum Essen. „Hansis Frau Gundula fragt uns immer, was sie mittwochs drauf kochen soll, und das gibt’s dann auch“, freut sich der Rentner. An der RHEINPFALZ habe er nichts auszusetzen, meinte er beim Roséwein.
Biker mit Herz und Tatkraft
Drei Biker mit großem Herz drückte rheinpfalzmäßig indes der Schuh, so dass sie sich entschieden haben, die Gelegenheit zu nutzen, mit der Redaktion persönlich ins Gespräch zu kommen: Ewald Preiml, Uwe Maas und Günter Österreicher gehören zu den Saar-Pfalz Stromern, einer Gruppe von befreundeten Motorradfahrern, die seit sieben Jahren den Zweibrücker Bikers Day als Benefizveranstaltung organisiert. Und ausgerechnet in diesem Jahr, wo sie im Juni an zwei Tagen mit vollem Programm und einem sehr bewegenden Friedensgottesdienst in Niederauerbach rund 2000 Menschen angelockt und einen niemals erwarteten Reinerlös von 5000 Euro für den einen Zweck erwirtschaftet haben, sei in der RHEINPFALZ von der Spendenübergabe ans DRK zugunsten von rund 70 ukrainischen, teils arg traumatisierten Kindern, die hier in der Region Zuflucht gefunden haben, nur ein sehr kleines und auch leicht zu übersehendes Foto mit wenig Text erschienen. Aus der kurz, sehr fair und konstruktiv vorgetragenen Kritik an uns entspann sich ein locker-informatives Gespräch: über die Biker-Gruppe, über die Redaktionsarbeit und darüber, dass es eigentlich in jedem Lebensbereich sinnvoller ist, miteinander statt übereinander zu reden. Und am Ende war die Stimmung so gut, dass die Drei den Retro-Verkleidungsspaß mitgemacht haben.
Die erste Saarland-Rikscha
Dass es in Zweibrücken eine Rikscha gibt, ist nicht mehr ganz neu. Dass aber Blieskastel ab heute im Saarland Rikscha-Vorreiter sein wird, das hat uns Michael Meyer, Geschäftsführer der Stiftung Lebenswerte, erzählt. Der Webenheimer Rentner, der jahrelang im Bereich Personalentwicklung, insbesondere in der Gesundheits- und Pflegebranche selbstständig war, will damit ein weiteres Projekt auf den Weg bringen, bei dem Menschen für Menschen da sind, ihnen nicht in erster Linie materiell, sondern mit konkreter Lebenshilfe beistehen, damit eine größere Teilhabe ermöglicht wird. „Armut ist Einsamkeit“, bringt er auf den Punkt, was ihn bewegt, Menschen miteinander zu vernetzen.
Die Rikscha hat er angeschafft, damit auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen – unabhängig von ihrem Alter – wieder herauskommen. „Es sollen unvergessliche Erlebnisse werden. Wir haben auch schon Rikscha-Erlebnispartner gewinnen können, eine Eisdiele zum Beispiel und eine Bäckerei, bei denen die ehrenamtlichen Rikscha-Fahrer mit ihren Gästen eingeladen sind – auf ein Eis oder einen Kaffee oder so.“ Aber das Rikscha-Fahren sei ja keine Einbahnstraße: Nicht nur die Fahrgäste profitierten, sondern auch die Fahrer. Und auch das meint Michael Meyer nicht pekuniär, sondern bezieht sich allein auf den menschlichen, emotionalen Gewinn eines nicht von Egoismus getragenen Miteinanders. Am Samstag um 11 Uhr wird in Webenheim bei der Firma Thönes in der Allmendstraße die Rikscha feierlich eingeweiht, und die ersten zehn freiwilligen Fahrer und Fahrerinnen werden über das Gefährt informiert.
Der rasende Reporter Ulrich Schiller
„Sellemols“ war vieles anders. Ein Ehepaar erzählte, wie sich die Arbeit bei der Zweibrücker Rundschau verändert hat. Vor 75 Jahren wanderte sie zum ersten Mal über die Ladentheke – und wurde damals noch im Hinterzimmer des Gasthauses Drumm geschrieben. Wie die Redaktionsarbeit aussah, erzählten Ulrike und Hans Joachim Müller. „Das war 1952“, sagt Ulrike Müller und zeigte auf ein Schwarz-Weiß-Foto. Ihr Vater ist darauf zu sehen. Ulrich Schiller war Gründungsmitglied der Rundschau. Er schrieb, was ihm unter die Feder kam. Es gab keine Ressort-Einteilung. Kultur, Land, Stadt, Sport – Schiller war der „rasende Reporter“, beschreibt es Ulrike Müller. Auf seiner Vespa sei übers Land gefahren, „und hat da alles abgeklappert“.
„Er ist auch ins Theater und auf Konzerte gegangen“, verrät Müller. „Er schrieb aber auch Feuilleton.“ Zur RHEINPFALZ sei er zufällig gekommen, da er während des Zweiten Weltkriegs in Zweibrücken stationiert war. „Schreib-Talent hatte er aber“, und da war der Weg zur Zeitung nicht weit. Weit war der Weg bis zum Druck: Auf der Schreibmaschine wurde geschrieben, der Text im Bleisatzverfahren gesetzt. Von der gesamten Ausgabe wurde eine Matrize, also ein Abdruck, von einem Expressfahrer zur Druckerei in Kaiserslautern oder Ludwigshafen gebracht. Nach dem Drucken wurde alles wieder „zurück ausgefahren“ an die Abonnenten. Das hatte ein enormes Zeitproblem zur Folge. „Wehe, es passierte was auf der Strecke“, so Müller.