Speyer Zum Ende der Laufbahn nochmal eine Meisterschaft

WIESBADEN. „Es ist meine Leidenschaft und macht mir immer noch sehr viel Spaß“: Torsten Löffler, der frühere Bundesliga-Handballer und dreimalige A-Nationalspieler des TSV Speyer, ist seinem Sport immer noch verbunden, weniger im Leistungsbereich oder als aktiver Spieler, sondern vielmehr als Jugendleiter und Nachwuchstrainer des Landesligisten TV Breckenheim.
Löffler lebt seit 2003 im mit 3400 Einwohnern beschaulichen Ortsbezirk von Wiesbaden. Mit der Meisterschaft und dem Aufstieg des TV Breckenheim in die Landesliga 2013 erklärte er seine aktive Laufbahn offiziell für beendet. Er hilft aktuell von Zeit zu Zeit in der zweiten Mannschaft aus. Löfflers Augenmerk gilt jetzt dem Nachwuchs. „Ich bin im fünften Jahr Jugendtrainer und habe die Lust noch nicht verloren“, meint er. In der Spielgemeinschaft mit dem Nachbarn Langenhain gehen rund 100 Kinder und Jugendliche auf Torejagd, darunter auch seine Söhne David (11) und Jonah (9). Ob beide vom Papa das Handballtalent erbten, könne er noch nicht sagen, meint Löffler: „Sie sollen ihr Ding machen und mit Spaß dabei bleiben. Man kann frühestens mit 13 oder 14 Jahren sehen, wohin die Reise gehen könnte.“ 1999 hörte der Speyerer beim damaligen Zweitligisten SG Leutershausen zugunsten seines Berufs als Bankmitarbeiter in Frankfurt am Main auf. Er spielte im Anschluss noch zwei Jahre bei seinem Heimatverein in Speyer. Als es seine Frau Sandra 2001 beruflich ebenfalls ins Rhein-Main-Gebiet zog, wechselte der heute 45-jährige frühere Linksaußen zum lokalen Handballverein in seinem neuen Wohnort Hattersheim. Seit 2002 arbeitet er bei der Aareal Bank in Wiesbaden. Die Wahl Breckenheims als Lebensmittelpunkt kam einem Zufall gleich, ebenso, dass er damit in direkter Nachbarschaft zur SG Wallau/Massenheim im sogenannten hessischen „Ländchen“ lebt, dem Verein also, der untrennbar mit seinem größten sportlichen Triumph, aber auch gleichzeitig Misserfolg verbunden ist. 1992 unterlag Löffler mit Leutershausen dem heutigen Lokalrivalen in den Finals um die deutsche Meisterschaft (17:24, 18:16). „Es tut heute noch weh“, sagt Löffler nicht ganz ernst gemeint. „Es gibt in Wallau eine schöne Eisdiele. Dort gehen wir gerne hin. Aber Trainer würde ich in Wallau nicht werden.“ Eine gewisse Genugtuung verschafft ihm die Tatsache, dass die HSG Wallau inzwischen mit der zweiten Breckenheimer Sieben in einer Liga spielt. Löffler ließ es sich nicht nehmen, im Derby am 8. März aufzulaufen und steuerte sieben Treffer zum 20:20 bei.Kontakt zu Speyer hält er über seine Verwandten. Auf dem Altstadt- oder Brezelfest trifft er ab und zu den einen oder anderen Handballer oder informiert sich im Internet über den TSV. Die SG Leutershausen sieht er sich manchmal auch vor Ort an, zumal seine Wohngemeinschaftskollegen aus einstigen Erst- und Zweitligatagen – von 1990 bis 1999 lief er an der Bergstraße auf – Marc Nagel und Holger Löhr auch als Trainer beim Ex-Klub arbeiteten. „Wenn wir uns sehen, trinken wir das eine oder andere Bierchen miteinander.“ Über das aktuelle Geschehen in Nationalmannschaft und Bundesliga hält sich Löffler übers Fernsehen oder auch schon einmal bei den Rhein-Neckar-Löwen in der Mannheimer SAP-Arena auf dem Laufenden. Das Spiel sei im Vergleich zu früher viel dynamischer und schneller geworden, findet er. „Der Angriff steht im Fokus. Es fallen viel mehr Tore. Früher wurde mehr Wert auf Abwehrarbeit gelegt.“ So ist ihm zum Beispiel ein 9:9-Remis im Bundesligamatch gegen TuSEM Essen in Erinnerung geblieben. Heute reiche einer Spitzenmannschaft wie Kiel oft ein Zehn-Minuten-Lauf, um ein Spiel zu ihren Gunsten zu entscheiden. Diese Dominanz mache den Sport nicht immer interessanter. Trotzdem sei der heutige Tempohandball schön anzusehen und fordere ein hohes Maß an individuellem Können bei den Spielern, meint Löffler zur RHEINPFALZ. „Meine Mission ist, das den Kids beizubringen und alle positiven Erfahrungen, die ich mit Handball hatte, auch den Kleinen zu ermöglichen.“ (Foto: privat)