Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel WM in Katar: Boykott und Vergabe werden kritisch gesehen

Im Al Shamal-Stadion trainiert die deutsche Nationalmannschaft während der Fußball-WM in Katar.
Im Al Shamal-Stadion trainiert die deutsche Nationalmannschaft während der Fußball-WM in Katar.

Hätte die Fußball-Weltmeisterschaft überhaupt nach Katar vergeben werden dürfen? Wie weit kommt die deutsche Mannschaft in diesem Turnier? Die RHEINPFALZ hat vier Trainer aus der Region befragt.

Die Fußball-Weltmeisterschaft startet am Sonntag. Noch nie wurde im Vorfeld so viel über Themen wie die Vergabe oder einen möglichen Boykott diskutiert. Die Meinungen dazu sind unterschiedlich.

Patrick Pflug (Trainer ASV Harthausen; A-Klasse): „Ein TV-Boykott wird nicht das Problem an sich lösen und ist dem Scheich dort oder FIFA-Präsident Gianni Infantino völlig egal. Es muss jeder für sich entscheiden, aber dadurch wird die WM nicht abgebrochen. Die Vergabe der Weltmeisterschaft ist nicht die Schuld von Katar, sondern die der FIFA. Katar hat das System ausgenutzt. Die Vergabe 2026 in die USA ist sicher nicht anders gelaufen. Da sitzen wir dann wieder vor dem Fernseher und werden feiern, weil die WM ja im Sommer ist und sie in einem Land stattfindet, welches wir respektieren. Für die Arbeitsbedingungen vor Ort ist Katar zuständig, für die Vergabe der WM aber nicht. Vor zehn Jahren hat sich keiner über Katar aufgeregt, in drei Jahren wird dies genauso sein. Ich frage mich auch, ob die Medien die Heilsbringer in Katar sein sollen. Wir werden den Menschen durch eine Sportstudio-Reportage nicht erklären können, dass es funktionieren kann, wenn man in Vielfalt zusammenlebt.“

Tipp: Deutschland kommt ins Achtelfinale.

Sven Fischer (Trainer TuS Mechtersheim U23; Bezirksliga): „Als leidenschaftlicher Fußballfan werde ich mich gegen einen TV-Boykott entscheiden. Die Situation in Katar ist sicher nicht zu akzeptieren und deshalb wünsche ich mir, dass während der Weltmeisterschaft darüber diskutiert wird. Ein Boykott ist dennoch die falsche Lösung, denn es muss auf die Missstände hingewiesen werden. Das kann nur gemacht werden, wenn es vor Ort aktiv angegangen wird.“

Tipp: Deutschland kommt ins Viertelfinale.

Markus Hajok (Trainer TuRa Otterstadt; C-Klasse): „Aus allgemeinem Interesse zum Fußball werde ich die WM verfolgen, aus Zeitgründen jedoch nicht alle Spiele. Ich sehe es eher neutral. Auch in Katar leben Menschen, die für die Zustände vor Ort keine Verantwortlichkeit haben. Es gibt ebenfalls dort lebende Menschen, die sich am westlichen Lebensstandard orientieren. Für diese Menschen, die für die Missstände nichts können, freue ich mich. Für die obere Polit-Ebene nicht. Es ist ein zweischneidiges Schwert. Primär soll es um Fußball gehen. Über die menschenrechtlichen Geschichten muss man nachdenken und diskutieren. Das normale Volk ist aber nicht für die toten Arbeiter verantwortlich, das sollte jedem klar sein. Die Menschenmenge sollte also aufgeteilt werden bei dieser Betrachtung.“

Tipp: Deutschland kommt ins Finale.

Kevin Bappert (Trainer FV Dudenhofen III; B-Klasse): „Ein Boykott kommt auf jeden Fall in Frage. Das sollte sich jeder überlegen. Ich liebe Fußball über die Maßen, aber nicht um jeden Preis. Es geht nicht darum, weil es ein anderes Land, eine andere Religion, ein anderer Glauben oder andere Grundsätze in Katar gibt. Es geht darum, den Tributen, die dieser WM gezollt wurden, besser gesagt zum Opfer gefallen sind, respektvoll gegenüberzutreten. Der Blutzoll, den die Leute dort bezahlt haben, die Verschmutzung der Umwelt, die Verschwendung von Ressourcen, die Menschenrechtsverletzungen in jeglicher Form, die Unterdrückung dort. Und allen voran die Korruption, die damit verbunden ist, darf keine Beachtung finden und das verurteile ich bis auf das Schärfste. Einem jedem Funktionär der FIFA gehört auf jedem Fußballplatz dieser Erde ein Hausverbot ausgesprochen. Von der Kreisklasse bis zur Bundesliga, von der Fußballkrabbelgruppe bis zu den Alten Herren – überall. In einer weltweiten Klimakrise Stadien hochzuziehen, welche danach nicht mehr gebraucht werden, was Ressourcenverschwendung auf ein neues Level hebt, ist für mich ein Skandal, der weit über die Grenzen des Vorstellbaren geht. Katar hätte niemals den Zuschlag erhalten dürfen. Ich wünsche mir, und das ist der einzige Grund, warum ich es wahrscheinlich verfolgen werde, dass jede teilnehmende Mannschaft der Welt zeigt, dass diese gemeinsam gegen die Verbrechen in Verbindung mit dieser WM stehen und ein Zeichen setzen. Vielleicht auch ein Zeichen gegen den Krieg.“

Tipp: Deutschland kommt ins Halbfinale.

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