Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Warum der Industriehof gewachsen ist

Teilweise sehr alter Baubestand: Industriehof in Speyer-Ost.
Teilweise sehr alter Baubestand: Industriehof in Speyer-Ost.

Es ist ein ambitioniertes Projekt: Die Besitzer wollen eine zweistellige Millionensumme in die Weiterentwicklung des Industriehofs als Wohn- und Gewerbestandort investieren, die Politik ist teilweise skeptisch. Jetzt gibt es einen kleinen Fortschritt und viele offene Fragen in Corona-Zeiten.

Der Industriehof ist größer geworden. Ein halber Hektar ist hinzugekommen, sodass das Gelände an der Franz-Kirrmeier-Straße, über das die Investoren Martin Koch (Trier) und Stefan Johann (Speyer) verfügen, nun knapp die Acht-Hektar-Grenze übersprungen haben dürfte. Sie haben es von der Familie Pfirrmann (Karlsruhe) übernommen, die nördlich angrenzend den Gewerbehof (früher Schiffer & Nicklaus) betreibt. „Eine Arrondierung, das sind kleinere Flächen, die bei uns ohnehin hineingeragt haben“, erklärt Johann auf Anfrage.

Der Grundbesitz wurde in eine Firma namens Industriehof Speyer II GmbH eingebracht, in der nun Johann und Koch die Verantwortung übernommen haben. Die Flächen sollten überwiegend zum Parkplatz werden, erklären sie. Sie liegen im hinteren, von der Kirrmeier-Straße abgewandten Teil des Industriehofs zum Lidl-Lager hin, der schadstoffbelastet ist, weil frühere Besitzer dort Eisenbahnschwellen gebeizt hatten. Deshalb werde der Boden auch nicht geöffnet, sondern nur Parkraum geschaffen.

Größer angelegt

Für die Industriehof-Eigner ist das Grundstücksgeschäft nur ein Randaspekt in ihren viel größer angelegten Plänen. Wie mehrfach berichtet, wollen sie den historischen Gebäudebestand und die Infrastruktur der ehemaligen Celluloidfabrik auf Vordermann bringen und für neue Gewerbe- sowie Wohnmieter attraktiv machen. Die Stadt will das Gelände dafür planungsrechtlich zum „urbanen Gebiet“ entwickeln – mit „gewerblicher Prägung“, wie der Politik wichtig ist.

Dieser Prozess ist etwas ins Stocken geraten. Dass noch viele Vorarbeiten nötig und Gutachten zu erstellen sind, war klar – „und das wird soweit möglich auch vorangetrieben“, wie Koch betont. Bei Vielem seien aber Abstimmungen mit Ämtern nötig, und da habe neben den Corona-Auflagen die längerfristige Erkrankung einer wichtigen Mitarbeiterin der Stadtverwaltung die Sache erschwert. „Das wirft uns ein paar Monate zurück“, erwartet Johann. In den Gutachten gehe es unter anderem um Schall- und Denkmalschutz. Vor allem mit der Landesdenkmalbehörde seien noch Fragen zu klären. Nicht möglich ist derzeit auch die von der Stadt eigentlich für Frühjahr 2020 angekündigte zweite Bürgerversammlung zum Projekt.

Kanalarbeiten stehen an

Mit den Stadtwerken arbeite die Betreiber-GmbH unter anderem wegen der anstehenden Erneuerung der Kanalisation sehr gut zusammen, betont Johann. Auch hier verzögere sich jedoch eine geplante Bodenöffnung rechts der Zufahrt. Johann berichtet, die vermietbaren Flächen seien derzeit fast voll belegt; bei weiteren 4500 Quadratmetern Hallenfläche fehlten noch Genehmigungen. In acht oder neun Fällen – bei insgesamt 140 Mietern – seien zuletzt wegen der Corona-Krise Mietstundungen nötig gewesen, so Johann auf Anfrage. „Wir haben etliche Mieter, die vom Veranstaltungsgeschäft leben und derzeit keine Einnahmen haben“, erklärt er.

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