Speyer Von Bühne zu Bühne im Bahnstreik

Das Speyerer Kinder- und Jugendtheater bietet Programm für junge Zuschauer. Viele der Schauspieler, Regisseure und Akteure sind dem Publikum nach 25 Jahren ein Begriff. In dieser Serie stellt die RHEINPFALZ neue Ensemblemitglieder vor, die an Produktionen der aktuellen Spielzeit auf oder hinter der Bühne beteiligt sind.
Zur Feier seines 25. Geburtstages hat Johannes Rosenzweig am vergangenen Wochenende den ICE nach Köln genommen. „Das ist mein Lebensmittelpunkt“, sagt der Schauspieler, der derzeit bei Tante und Onkel in Speyer wohnt. Zum ersten Mal halte er sich für eine längere Zeit in der Geburtsstadt seines Vaters auf, erzählt Rosenzweig – selbst in Trier aufgewachsen – von der Entdeckung seiner pfälzischen Wurzeln während der Probenarbeiten zu „Türkisch Gold“. In der Eigenproduktion des Kinder- und Jugendtheaters nach dem Jugendtheaterstück von Tina Müller verkörpert Rosenzweig unter anderem einen verliebten Jugendlichen und einen Nazi. In diese Rolle zu schlüpfen, falle ihm leicht, weist der Schauspieler auf zahlreiche Vorbilder in Film und Fernsehen hin. „Es ist nicht schwer, den Klischee-Nazi zu geben“, sagt er. Überhaupt spiele sich Wut und Hass leichter als das Gute, Sanfte, bekennt sich Rosenzweig zu „richtig bösen“ Lieblingsrollen. Im Januar hat er die Kölner Schauspielschule erfolgreich abgeschlossen, künftig will er sich professionell in seinem Traumberuf beweisen. Erste Set-Erfahrungen habe er als Reporter in der ARD-Vorabendserie „Verbotene Liebe“ gesammelt, berichtet Rosenzweig von zwei kleinen Filmszenen. „Das ist nicht richtig arbeiten“, meint der Fan guter Soaps. Theater spielen oder Hörbücher sprechen komme seiner Vorstellung von Berufstätigkeit sehr viel näher. „Ich mache, was ich am besten kann“, erklärt Rosenzweig seine Entscheidung für den Schauspieler-Beruf nach ersten Erfolgen in der Schultheater-AG, gegen die „ein Punkt in Mathe“ gestanden habe. „Es gibt nichts Schöneres, als fürs Spielen bezahlt zu werden“, meint er. An der Sicherheit, davon auch regelmäßig seine Miete bezahlen zu können, müsse er allerdings noch arbeiten, räumt er ein. Das häufige Herumreisen von Bühne zu Bühne empfindet er als besondere Härte. „Ständige Bahnstreiks machen die Sache nicht besser“, schildert er abenteuerliche Fahrten durch die Republik bis zur Ankunft in letzter Sekunde zum Proben- oder Vorstellungsbeginn. Die Unterstützung seiner Mutter bei der Berufsfindung und -ausübung ist Rosenzweig sicher und wichtig. „Sie war froh, dass ich etwas gefunden habe, was mir unfassbar viel Spaß macht“, sagt er. Dafür sei er bereit, jederzeit sein Bestes zu geben. Mit Spannung erwartet er die Reaktionen der Zuschauer auf „Türkisch Gold“. „Es geht um die Auseinandersetzung mit Themen der Zeit“, sagt Rosenzweig. „Das wird Jugendliche nicht unberührt lassen“, blickt er zuversichtlich auf den Premierentermin.