Speyer Vom Warenkorb in den Fahrradsattel
So ganz will sich Gerhard Baus noch nicht vom Berufsleben verabschieden. Auch wenn der Leiter des Caritas-Warenkorbs am Monatsende in den Ruhestand entlassen wird. „Was dann kommt, lasse ich offen“, sagt der 65-Jährige. Sicher ist für ihn, dass er auch weiterhin überwiegend per pedes unterwegs sein wird.
Baus fühlt und hält sich fit. „Laufen ist meine Passion“, erklärt er. „Maximal Halbmarathon“. Dafür büße er danach zwar zwei Wochen, aber eine Alternative gebe es nicht. „Allenfalls Fahrradfahren.“ Auf den Sattel will er schon bald wieder steigen und gemeinsam mit seinen zwei erwachsenen Söhnen die Westpfalz sowie das Saarland erkunden. „Meine Heimat.“ Baus ist in Zweibrücken aufgewachsen und hat „zwangsläufig“ kurzfristig im Saarland gewohnt. „Mein Vater war Zollbeamter in der Zeit, als das Saarland und die Pfalz noch getrennt waren. Er hat die Grenze bewacht und Schmuggler aufgehalten.“ Seit 2011 leitet Baus das Speyerer Sozialkaufhaus Warenkorb. Ursprünglich sei er als Qualitätsmanager für sieben Caritas-Warenkörbe eingestellt worden, sagt er. Er habe sie teilweise mit aufgebaut oder grundlegend verändert. „Als es nur noch vier waren, wurde ich Leiter in Speyer.“ Begonnen habe er im damaligen Sozialkaufhaus in der Franz-Kirrmeier-Straße. „Im neuen Haus in der Friedrich-Ebert-Straße 2b war die Ausländerhilfe anfangs noch im Lager untergebracht.“ Dass sich das Sozialkaufhaus unter seiner Führung gut weiterentwickelt hat, erfüllt Baus mit einer „gewissen Befriedigung“. Richtig ausgefüllt habe ihn die Tätigkeit jedoch nicht, räumt er ein. „Nach fast 15 Jahren Selbstständigkeit als Distriktleiter sowie im Außendienst für Beratung und Verkauf ist das auch kein Wunder“, sagt der gelernte Betriebswirt. Großes Vertrauen seines Arbeitgebers in seine Fähigkeiten und viel „freie Hand“ habe er im Warenkorb schätzen gelernt, betont Baus. Als besonders gut beschreibt er die Zusammenarbeit mit der Caritas-Verwaltung. „Und das gute Betriebsklima im Warenkorb.“ Zwei Vollzeit-Mitarbeiter, eine Halbtagskraft, 15 Langzeitarbeitslose mit Arbeitsgelegenheit (AGH) und sieben Ehrenamtliche seien im Warenkorb tätig. „Dass unsere AGHler befristet und in Teilzeit beschäftigt werden, macht Arbeit und Motivation nicht einfacher“, kritisiert Baus Kriterien, die das Jobcenter aufgestellt hat. Besonders hart treffe viele Beschäftigte die Rückkehr in die Arbeitslosigkeit nach spätestens einem Jahr. „Wenn die AGH ein Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt wäre, wäre das beispielhaft“, ist er überzeugt. „Ganz tolle Praktikanten kommen aus dem Speyerer Therapiezentrum“, weist Baus auf ein weiteres Arbeitsangebot im Warenkorb hin. Dass sämtliche Qualifizierungsmaßnahmen inzwischen gestrichen wurden, bedauert Baus ebenso wie seine Nachfolgerin. Ira Wenz hat bis vor einem Jahr für das Jobcenter gearbeitet. Die 49-jährige Sozialpädagogin kennt sich am neuen Arbeitsplatz gut aus und freut sich auf die Herausforderung. „Ein paar mehr gesunde Männer mit Führerschein und kreative Frauen, die etwas bewegen wollen, könnte der Warenkorb gut vertragen“, ist sie sich mit Baus einig. „Unser Markt ist sehr gefragt.“ Baus berichtet von 800 bis 1000 Kunden pro Monat. Die Spendenbereitschaft sei in Speyer größer als in den Warenkörben in Kaiserslautern, Pirmasens und St. Ingbert, betont er. Trotzdem müssten sie Kunden häufig auf später vertrösten. „Sie suchen nach Tisch, Bett, Stuhl und Schrank“, weist er auf die meisten Nachfragen hin. „Die Wohnungen sind klein. In der Komfortzone bewegen wir uns hier nicht.“ Auch Baus sieht sich da nicht. Er will „seinem“ Warenkorb treubleiben – zwischen Marathon und Fahrradtour. Kontakt Informationen: Warenkorb.Speyer@caritas-speyer.de