Speyer Vermittlungen, Ermittlungen

Skeptischer Blick: Katzen wie diese, die bei der Razzia gefunden wurden, sind ziemlich scheu.
Skeptischer Blick: Katzen wie diese, die bei der Razzia gefunden wurden, sind ziemlich scheu.

«Bornheim.» Ein paar Jahre hat der Kater mit dem rot-beige gestreiften Fell und dem Silberblick schon auf dem Buckel, vielleicht sind es zehn. Keiner weiß es so ganz genau. In den Impfpässen der 18 Katzen, die bei einer Tierärztin in Bornheim gefunden wurden, stehen die Geburtsdaten. Doch die Papiere liegen noch bei der Polizei, sagt Birgit Bosch, stellvertretende Vorsitzende der Tierinsel Bornheim, bei der nach der Razzia Ende April 16 der 18 Miezen untergekommen sind. Inzwischen wurden, wie gestern gemeldet, sieben Katzen an neue Besitzer vermittelt. „Viele Leute sind auf uns zugekommen, weil sie den Tieren helfen wollten“, sagt Bosch. Die übriggebliebenen neun Katzen wollen die Tierschützer aber noch nicht zur Vermittlung freigeben, weil sie ziemlich scheu seien. Nicht alle, die an der Tür der Tierinsel klopften, um einer der Katzen ein neues Zuhause zu geben, wirkten vertrauenswürdig. „Es waren einige Leute dabei, die zuvor ihre Katze bei der Tierärztin abgegeben hatten. Das heißt: Sie wollten sie eigentlich loswerden. Und jetzt möchten sie ihr Tier plötzlich wieder zurück. Das ist schon ziemlich komisch. Deshalb sind wir sehr vorsichtig“, sagt Bosch. Bis 2006 habe die Tierinsel mit der beschuldigten Tierärztin zusammengearbeitet. Seither gebe es keine Kooperation mehr – darauf lege die Organisation wert, betont die Edesheimerin. Den Tieren gehe es inzwischen besser, sie seien körperlich in einem relativ guten Zustand. „Aber sie sind durch die Bank übergewichtig“, sagt Bosch. Man merke den Katzen an, dass sie kaum Bewegung gehabt hätten. Zudem seien alle sehr zurückhaltend, was darauf hindeute, dass sie mit Menschen praktisch nicht in Kontakt gekommen seien. „Es wurde ihnen einfach nur das Futter hingeknallt“, echauffiert sich Bosch. Unter den Katzen seien außergewöhnlich schöne Exemplare mit Fellfärbungen, die relativ selten seien: etwa rot- oder cremefarben. Die Tiere seien zwischen einem Jahr und circa zwölf Jahren alt. Es gebe Mischlinge, aber auch Britisch Kurzhaar und eine Siamkatze, sagt Bosch. Vom Anwalt der Tierärztin, Stefan Beck, bekomme die Tierinsel pro Tag für jede Katze sieben Euro für die Versorgung, das decke die Kosten, so die Tierschützerin. Wie mehrfach berichtet, wurden Ende April bei einer Razzia die Praxis und zwei Wohngebäude einer Tierärztin aus Bornheim durchsucht. Die Ermittler fanden 44 verwahrloste Hunde, 18 Katzen und drei Kängurus. Die Tiere waren in den Geschäftsräumen sowie in unbewohnten Anwesen der Tatverdächtigen untergebracht. Die 50-Jährige soll die Tiere nicht artgerecht gehalten haben. Zudem wird sie verdächtigt, tierärztliche Leistungen abgerechnet zu haben, die sie aber nie erbracht haben soll. Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt. Derweil dauern die Ermittlungen an, teilt die Staatsanwaltschaft Landau auf Anfrage mit. Anwalt Stefan Beck möchte sich in den kommenden Wochen gegenüber der RHEINPFALZ äußern, wenn er Einsicht in die Akten genommen habe, sagt er.

In guten Händen: Einige Tiere sind vermittelt worden.
In guten Händen: Einige Tiere sind vermittelt worden.
Engagiert: Birgit Bosch von der Tierinsel.
Engagiert: Birgit Bosch von der Tierinsel.
x