Speyer Sprache, Brücken, Römerschätze

Wer die Südostpfalz als „Mundartlandschaft“ kennenlernen möchte, ist beim fünften Band der Schriftenreihe zur Geschichte des Landkreises Germerheim richtig. Es gibt aber auch „handfeste“ Themen, die sich vom 19. Jahrhundert bis heute durchziehen, wie Landrat Fritz Brechtel (CDU) bei der Vorstellung des neuen Bandes bemerkte: Rheinbrücken. Die waren schon immer ein Politikum.

200 Jahre sind vergangen, seit der Landkreis Germersheim als eines von insgesamt zwölf königlich-bayerischen Landkommissariaten im Bereich der Pfalz gebildet wurde und eine eigene Verwaltung erhielt. Das ist das Hauptthema des fünften Bandes der Schriftenreihe, der unter Leitung des Germersheimer Stadthistorikers Ludwig Hans entstanden ist. Der Landkreis Germersheim gehört nicht nur zu den ältesten Landkreisen innerhalb der heutigen Pfalz, sondern hat diese zwei Jahrhunderte auch weitgehend ohne nennenswerte räumliche Veränderungen an der Gesamtfläche des Kreisgebietes überstanden. Hans beleuchtet die weitreichende Bedeutung der Verwaltungsstrukturen, die während der „Franzosenzeit“ gelegt wurden, als große Teile der Pfalz von 1798 bis 1814 zum französischen Departement „Donnersberg“ gehörten. Aus den zur damaligen Zeit nach französischem Muster geschaffenen „Kantonen“ Germersheim und Kandel bildete der bayerische König Max I. Joseph wenige Jahre danach das Landkommissariat Germersheim, so dass die damals gelegten Strukturen bis in die Gegenwart fortwirken. Die Kunsthistorikerin Dr. Claudia Gross nimmt eine baugeschichtliche Einordnung des heutigen Kreishauses am Luitpoldplatz vor, das in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg als Offizierswohngebäude in der damaligen Garnisons- und Festungsstadt Germersheim in der Formensprache des Jugendstils errichtet worden war. Mit dem Ersten Weltkrieg endete nicht nur eine lange Zeit des Friedens. Auch die aus dem 19. Jahrhundert stammende Ordnung von Gesellschaft und Politik fand mit dem Ersten Weltkrieg ihr Ende. Dies gilt auch für die Besuche bayerischer Könige im heutigen Landkreis Germersheim, die sich von Max I. Joseph im Jahr 1816 bis zu Ludwig III. 1914 nachweisen lassen und für die damalige Kreisbevölkerung stets herausragende Ereignisse von besonderer Bedeutung darstellten, wovon zeitgenössische Schilderungen und Presseberichte ein detailliertes Bild überliefern. Aufgearbeitet wird auch die „Kreis-Geschichte“ während der NS-Diktatur. Im fünften Band wird die Biografie des Landrates Ludwig Schmitt nachgezeichnet, der von 1937 bis 1945 dem Landkreis vorstand. Nach Kriegsende als „Mitläufer“ eingestuft, zeigt seine Biografie beispielhaft, wie ehemalige Staatsbeamte in der Nachkriegszeit nur allzu schnell wieder in „Amt und Würden“ gelangten. Der Beitrag von Dr. Karl-Heinz Rothenberger befasst sich mit dem Bau von Brücken über den Rhein im Gebiet des Landkreises in einem Zeitraum vom frühen 19. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts – für einen Landkreis, dessen östliche Grenze zu einem großen Teil vom Flussbett des Rheins gebildet wird, über zweihundert Jahre stets ein in vielerlei Hinsicht aktuelles Thema. In eine Zeit lange vor der Gründung des Landkreises Germersheim führen Dr. Ulrich Himmelmann und Dr. Richard Petrovszki mit ihrem Beitrag. Sie stellen den 2013 im Wald bei Rülzheim von Raubgräbern gefundenen „Barbarenschatz“ vor, der zur Zeit der Völkerwanderung dort vergraben wurde, und unternehmen eine archäologische wie auch kunstgeschichtliche Bestimmung und Einordnung der Fundstücke. Sprachwissenschaftler Dr. Josef Schwing befasst sich in seinem Beitrag „Die Südostpfalz als Mundartlandschaft“ mit den im Bereich des Landkreises Germersheim gesprochenen Ortsdialekten und verortet diese im Rahmen einer übergreifenden Mundartforschung, die in der Pfalz bereits im 19. Jahrhundert ihre Anfänge fand. Info —Schriftenreihe zur Geschichte des Landkreises Germersheim, Band 5 (2018). 200 Jahre Landkreis Germersheim (1818-2018), ISBN 978-3-9815628-3-5, gebunden, 220 Seiten, zahlreiche Abbildungen (Fotografien, Pläne, Karten), schwarz-weiß und in Farbe, 19,80 Euro. —Alle vorausgegangenen Bände 1 – 4 aus den Jahren 2010, 2012, 2014 und 2016 sind einzeln für jeweils 19,80 Euro erhältlich. Bei Abnahme mehrerer Bände kosten zwei Bände zusammen 29,80 Euro, jeder weitere Band zusätzlich 10 Euro. —Die Kreisvolkshochschule Germersheim nimmt Bestellungen per Telefon 07274 53319 oder per Email an k.traeber@kreis-germersheim.de entgegen.

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