Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyerer Feuerwehr-Kommune geht sich nicht auf die Nerven

In Isolation (von links): Pascal Garecht, Peter Eymann und Moritz Zacher.
In Isolation (von links): Pascal Garecht, Peter Eymann und Moritz Zacher.

Kennen Sie die „Charly Company“? So nennen die 18 Speyerer Feuerwehrleute ihre Wohngemeinschaft auf Zeit, die derzeit im 168-Stunden-Dauerdienst sind. Um in der Corona-Krise die Ansteckungsgefahr zu minimieren, haben sie sich in der Feuerwache eine Woche lang isoliert. Wie übersteht man das ohne Lagerkoller?

„Man muss gucken, wie das passt mit den Schnarchern.“ Pascal Garecht hat seinen Humor nicht verloren. Die Regelung der Ruhezeiten ist eine der Herausforderungen für die 18 Männer. Sie bilden eine von drei Wachmannschaften der Speyerer Feuerwehr, die nun in der Industriestraße nacheinander „24/7-Sonderdienst“ leisten. Vorige Woche war die A-Truppe dran. Die B-Leute sollen nächsten Montag, 7 Uhr, übernehmen, ohne zu den „Charlys“ persönlichen Kontakt zu haben, damit die Wehr ohne Covid-19-Fälle bleibt. Wie oft sich das wiederholen muss, ist offen. „Es ist derzeit unumgänglich, um die kritische Infrastruktur Feuerwehr aufrechtzuerhalten“, betont Wachleiter Peter Eymann.

Eymann ist in dieser Woche im 168-Stunden-Einsatz, wird danach aber als Chef des Ganzen anders als seine Kameraden keine freien 14 Tage haben: Er werde im städtischen Corona-Krisenstab tätig sein, ohne die Feuerwache zu betreten, erklärt er. Bei dem 40-Jährigen sind derzeit daheim in Neuhofen Frau und Sohn Julius (7) ohne Mann und Papa. „Julius kennt mich nur als Feuerwehrmann und will natürlich auch einer werden“, sagt Eymann. „Außerdem weiß er nun, wie man Sprachnachrichten über Whatsapp versendet.“ Insofern stoße er in der Familie auf großes Verständnis. Dass sein Erstklässler derzeit auch von der Schulschließung betroffen ist, mache die Sache natürlich nicht leichter.

„Kleine Umgewöhnung“

„Eltern, die Verlobte und Freunde“ müssen derzeit ohne den 25-jährigen Garecht auskommen, der seit vier Jahren als Berufsfeuerwehrmann in Speyer tätig ist. In seiner Heimatstadt Landau ist er zusätzlich bei der Freiwilligen Feuerwehr. Er sei es wegen des Schichtdiensts gewöhnt, in manchen Nächten nicht zu Hause zu sein, aber die jetzige Situation sei noch mal eine „kleine Umgewöhnung“, berichtet er der RHEINPFALZ am Telefon. In der ersten Woche hatte ein Kamerad seinen 25. Geburtstag in der Isolation gefeiert, bei Garecht war es jetzt das kleine Dienstjubiläum am 1. April.

„Das sind alles zu 100 Prozent begeisterte Feuerwehrleute, und das macht die Sache einfacher“, lobt Eymann, der auch designierter Stadtfeuerwehrinspekteur ist. In jeder der drei Wachmannschaften seien zu den Hauptberuflichen ehrenamtliche Wehrleute gestoßen. Moritz Zacher (32) ist einer von ihnen. Er ist eigentlich im Qualitätsmanagement der Firma PFW Aerospace tätig und hat jetzt mit Genehmigung des Arbeitgebers seine Überstunden zusammengekratzt. „Meine Freundin muss diese Woche auf mich verzichten. Sie ist wegen der Corona-Krise nicht im Büro. Zum Glück gibt es Telefon und Whatsapp“, betont er.

Mysteriöser Brandgeruch

Eymann und die jeweiligen Wachabteilungsleiter takten für die Mitarbeiter den Tagdienst von 7 bis 16 Uhr durch. Da gibt es keinen Leerlauf, sondern Jobs in der Feuerwache, Dienstsport, Fortbildung – und natürlich einige Einsätze. Ein häuslicher Wasserschaden, zwei kleinere Waldbrände und mysteriöse Brandgerüche in Speyer-Nord und in der Lindenstraße waren seit Montag etwa schon dabei. „Abends sind der Kreativität dann keine Grenzen gesetzt“, berichtet Eymann. Da brächten sich die Kameraden in der Freizeitgestaltung bestens ein. Darts, Schach, Tischtennis und Fitnessübungen stünden etwa auf dem Programm. Ein Kollege habe auch sein Netflix-Passwort für Filmeabende mitgebracht. Und es wurden auch 500 Atemschutzmasken gebastelt.

Am Mittwoch hat ein Kamerad den Amateur-Friseur gegeben – Eymann war vom Ergebnis so angetan, dass er sich selbst unter dessen Rasierer begab, eine Nähe, die in der „Kommune“ unvermeidbar ist. Dass auch ein gelernter Koch im Team sei, diene der Kulinarik, wenngleich die Kameraden diesen nicht allein ließen: Wer gut Gyros oder Bolognese kochen könne, sei auch mal dran. Am Beispiel „Rumpsteak mit Zwiebelsoße“ erklärt Eymann, warum nicht jede Nacht alle 14 Betten in den beengten Dreibettzimmern genutzt würden. So werde im Wechsel auf Feldbetten ausgewichen. Wenn in der nächsten Woche auch eine ehrenamtliche Feuerwehrfrau in der Wachmannschaft ist, sei für diese aber ein „richtiges“ Bett reserviert.

Im Netz

Der „24/7-Sonderdienst“ berichtet über seine Erfahrungen täglich auf Facebook unter „Feuerwehr Speyer“.
In der Küche: Die Kameraden kochen selbst.
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An der Drehleiter: Ausbildung.
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Mit Keksen: Geburtstag in Isolation.
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