Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Speyer: Jüdische Gemeinde feiert Chanukka

„Chanukka ist ein fröhliches Fest“: Robert Mann, Swetlana Nikiforova und Dimitrij Kelman in der Synagoge Beith Schalom.
»Chanukka ist ein fröhliches Fest«: Robert Mann, Swetlana Nikiforova und Dimitrij Kelman in der Synagoge Beith Schalom. Foto: Lenz

Chanukka feiern Juden auf der ganzen Welt jedes Jahr. Das Lichterfest erinnert acht Tage lang an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 vor Christus. Auch in der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz hat es am Sonntag begonnen.

Der Kantor zündet die erste Kerze am Chanukka-Leuchter, der Minora, an. Er steht auf der Bühne im Gemeindesaal, über ihm der Davidstern, daneben Girlanden und Luftballons. „Chanukka ist ein fröhliches Fest“, sagt Gemeindegeschäftsführerin Marina Nikiforova. Mit ihr sitzen zahlreiche Gemeindemitglieder mit ihren Familien und geladene Speyerer an den gedeckten Tischen. „Wir sind eine so kleine Gemeinde mit so viel jüdischem Leben“, schwärmt Nikiforovas Tochter Swetlana von dem Fest, an dem die Kinder beschenkt werden. Es findet immer in der „dunklen Zeit“, im Dezember, statt. 2019 überlappt es mit dem christlichen Weihnachtsfest.

Zusammenhalt ist am schönsten

„Es ist schön, dass so viele Kleine da sind“, erfreut sie sich an dem Lachen und Strahlen im Raum. Das schönste für sie sei der Zusammenhalt, der sonst nur in großen jüdischen Gemeinden sichtbar werde. Davon erzählt ihr Freund Robert Mann. Er lebt in Frankfurt. Nie habe er Antisemitismus erlebt, bevor er Swetlana kennengelernt habe, betont er. Sie wohnt in einer kleinen Stadt in der Pfalz, in der kaum Juden leben. „Im tiefsten Pfälzerwald haben die Leute Antisemitismus mit der Muttermilch aufgesogen“, ist Dimitrij Kelman überzeugt. So habe er es erlebt, sagt er.

In der Synagoge „Beith Shalom“ fühlen sich die drei gut aufgehoben. Dass vor der Tür Polizei steht, halten sie für gut und richtig. „Sicherheit muss leider sein“, sagt Swetlana Nikiforova. „Das macht uns nicht besonders“, meint Mann. Jeder Weihnachtsmarkt, jeder Flughafen und viele Bahnhöfe seien mittlerweile komplett abgeriegelt, sagt er. „Leider ist die Angst vor Anschlägen real“, erinnert er an das Attentat auf dem Berliner Breitscheidplatz vor drei Jahren und den Terrorakt auf die Synagoge in Halle am 9. Oktober. „Das hat uns alle betroffen, Christen und Juden.“

Davidstern unter dem Pullover

Mit Einschränkungen fühle sie sich wohl in ihrem Leben, betont Swetlana Nikiforova. Ihre Kette mit dem Davidstern trägt sie dennoch lieber unter dem Pullover. „Gerade für eine Frau kann das Symbol des Judentums gefährlich werden“, meint sie. „Gut, dass es Israel gibt. Dahin können wir immer“, sagt Kelman. „Social Media ist ein Segen für uns“, betont Mann die Möglichkeit für Juden, sich weltweit zu vernetzen. Verantwortung für die Schöpfung und den Schöpfer sei in der modernen Zeit nicht besonders attraktiv, erklärt der Kantor in seiner Rede. Er zweifele sehr an Aussagen, dass es keinen Schöpfer geben könne. „Dann wäre alles ein großer Zufall ohne Sinn und Ziel.“ Er erzählt von dem Wunder, das acht Tage lang Licht in das Dunkel des Tempels gebracht habe. „Ich bin froh, dass die Gemeinde diese Traditionen an uns weitergibt“, betont Mann. „Auch wir wollen sie unseren Kindern später vorleben. Das Jüdische darf nicht verlorengehen“, betont er im Gespräch.

Der Gemeindechor singt vertonte Gebete für Frieden, Freiheit und zur Ehre Gottes. Ein Lied singt die Gemeinde zur Melodie von „Tochter Zion“, ein anderes ist Leonard Cohens „Halleluja“ auf hebräisch.

Nach viel Beifall für den enthusiastischen musikalischen Teil wird gemeinsam festlich und koscher gegessen. Swetlana Nikiforova fühlt sich geborgen in der Gemeinschaft. „Ich bin glücklich, heute den ersten Chanukka-Tag zusammen mit Speyerern feiern können, die hinter unserer jüdischen Gemeinde stehen“, sagt sie. Musik setzt ein. Der Tanz beginnt.

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