Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Radsport: Sophie Deringer aus Mechtersheim holt Titel

Hallo: Sophie Deringer. Foto: Kunz
Hallo: Sophie Deringer.

Aus einem ganz besonderen Grund freute sich Sophie Deringer herzlich über ihren Sieg im Teamsprint in Berlin. Als Trophäe durfte sie neben der Goldmedaille endlich auch ihr erstes Meistertrikot von deutschen Bahnrad-Meisterschaften mit nach Hause nehmen.

Außerdem gewann die 16-Jährige aus Mechtersheim im Zeitfahren und im Keirin, im Sprint belegte sie Platz drei. Der Sportliche Leiter des Bahnteams Rheinland-Pfalz, Frank Ziegler, hatte nicht nur eine sportliche, sondern eben auch diese emotionale Absicht im Blick, als er Sophie Deringer an der Seite von Alessa-Catriona Pröpster in der Qualifikation einsetzte.

Dudenhofener Wechsel

Deringer sollte unbedingt ein Trikot bekommen. Im Finale sprang dann ihre Vereinskollegin vom RV 08 Dudenhofen, Katharina „Kiki“ Albers, ein, zusammen mit Alessa Pröpster war der Titel fällig. „Ja, ich ärgere mich schon, ich könnte jetzt sechs Trikots zuhause haben“, gab Deringer offen zu.

Es ist leider üblich beim Bund Deutscher Radfahrer, in der Jugendklasse keine Meistertrikots zu vergeben. Gut, entscheidend ist der Erfolg und die Art und Weise, wie er herausgefahren wurde. Sophie Deringer gewann das Zeitfahren über 500 Meter ganz souverän, und im Keirin zauberte sie einen taktisch sehr klugen Lauf auf die Bahn.

Donnerstags-Tief

Vergessen war damit der zweite Tag der Bahn-DM, der Donnerstag: „Es war einfach nicht mein Tag. Wenn man den Druck hat, den Titel verteidigen zu wollen und es nicht so klappt, dann ist man halt ein bisschen deprimiert. Ich war in einem Tief“, begründete sie ihre Halbfinalniederlage, „aber am Schluss bin ich ja noch gut rausgekommen, habe Bronze geholt“.

„Sophie hatte einen moralischen Hänger gehabt. Sie ist noch jung, da ist es nicht einfach, mit dem Druck umzugehen, wenn du im Jahr davor dreimal Meister warst, und das jetzt bei jedem Rennen über Mikrofon zu hören kriegst“, sagt Frank Ziegler, der erfahrene Coach.

Wie neu

„Wir haben in Ruhe darüber geredet, die Eltern haben sie im Hotel mal in den Arm genommen, und heute ist sie wie ausgewechselt gefahren“, sagte Ziegler nach dem starken Sieg im Keirin. Sie hatte den Sprint abgehakt: „Neuer Tag, neues Glück“, lautete ihre Devise.

An Niederlagen wächst man, oder? „Ja, so ist es, sagt Herr Ziegler auch immer“, weiß Sophie Deringer inzwischen. Nur: „Wenn halt der Ehrgeiz so groß ist, gewinnen zu wollen.“

Mittelpunkt Kaiserslautern

16 ist Sophie, die zum Radsport kam, weil ihr älterer Bruder Sascha Deringer unter Frank Ziegler gute Sprinterfolge feierte. Seit einem Jahr geht sie ans Heinrich-Heine-Gymnasium in Kaiserslautern, die Eliteschule des Sports, die vor allem im Bahnradsport groß herausgekommen ist. Dank einer Olympiasiegerin namens Miriam Welte.

Deringer lebt auch im Internat am HHG: „Dadurch kann ich die optimale Mischung zwischen Schule und Training hinkriegen. Mein Zuhause wäre eine Stunde entfernt, ich würde viel Zeit verlieren“. Den Wechsel vom Leistungsturnen zum Bahnradsport hat sie nie bereut.

Großer Zusammenhalt

Neben Vorbild Welte fördern auch Alessa Pröpster und Katharina Albers in der Juniorenklasse den Zusammenhalt im Bahnteam. „Es macht unglaublich Spaß, wir pushen uns gegenseitig, wir freuen uns für jeden sehr, wenn er erfolgreich“, erzählt Deringer, die nach den Ferien in die zwölfte Klasse geht.

Das Velodrom, in dem im kommenden Februar die Weltmeisterschaften stattfinden werden, fand sie einzigartig. „Tolles Feeling, auf der Holzbahn schnell zu fahren“, sagt sie, erinnert eben auch daran, wie viel besser ihr die DM vor einem Jahr auf ihrer Hausbahn gefallen hat.

Stimmungsvolle Badewanne

„Das Erste, was ich sagte, als ich hierher kam, war, das ist ja kein Vergleich zu Dudenhofen, dort war die Stimmung viel besser.“ Wie die Atmosphäre bei der WM sein wird, würde sie gerne wissen. „Wenn ich Zeit habe, würde ich gerne mal vorbeischauen. Wenn nicht gerade Training ist oder Rennen sind.“ Mal sehen, ob sie sich den Anschauungsunterricht leisten will.

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