Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Probleme mit dem TÜV: Sorgen in Fahrschulen nehmen zu

Fahrlehrer im Austausch (von links): Arton Blakaj, Thomas Adam, Jurij Holfinger, Bernd Wittmann.
Fahrlehrer im Austausch (von links): Arton Blakaj, Thomas Adam, Jurij Holfinger, Bernd Wittmann.

Verbesserte Arbeitsbedingungen und ein Abbau von bürokratischen Hemmnissen – dieses Ziel nennt die Interessengemeinschaft deutscher Fahrlehrer (IDF). Vier Fahrlehrer aus Speyer und Umgebung sagen: Gerade aktuell ist der Einsatz dafür wieder besonders wichtig.

„Wir alle kämpfen um Prüfplätze“, sagt Thomas Adam. Der Inhaber einer Fahrschule in Speyer mit Filialen in Harthausen, Lingenfeld und Bellheim hat vier Jahrzehnte Erfahrung in der Branche. Immer wieder hat er Personalmangel beim für die Fahrprüfungen zuständigen TÜV Rheinland beklagt. Im Berufsverband IBF ist er als ehrenamtlicher Geschäftsführer für das Land Rheinland-Pfalz zuständig. Er bekomme eine gewisse Anzahl von Prüfungen zugeteilt, habe aber Probleme, zusätzlich Termine zu buchen.

Ludwigshafen ist der Brennpunkt“, sagt Adam über die Möglichkeit, mit seinen Wünschen bei der unter anderem für Speyer zuständigen Prüfstelle anzukommen. Arton Blakaj („Easy Drive“), Fahrlehrer aus Dannstadt-Schauernheim, spricht von Wochen, in denen er für seine drei Fahrschulen 15 bis 20 Prüfplätze benötige, aber nur drei bis vier bekomme. Er weiche deshalb auch auf Prüfstellen in Frankenthal, Neustadt und Haßloch aus. „Besonders problematisch ist es bei Prüfungen für den Motorrad- oder Lkw-Führerschein“, sagt er.

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Hoffnung auf mehr Termine

Die Fahrlehrer-Kollegen Bernd Wittmann (Dudenhofen) und Jurij Holfinger (Germersheim) schließen sich der Kritik zumindest teilweise an. „Wenn man mehr Termine braucht oder ein Feiertag in einer Woche liegt, wird es schwierig“, sagt Holfinger. Wittmann, früher selbständig, inzwischen angestellt tätig, kommt nach eigener Aussage „einigermaßen mit den Terminen rum“. Adam fordert: „Der TÜV müsste mehr Leute einstellen.“ Teilweise müssten seine Schüler – obwohl prüfungsreif – mehrere Wochen auf einen Termin dafür warten und zusätzliche Fahrstunden nehmen, um in Übung zu bleiben – was die Kosten des Führerscheins für sie erhöhe.

Der TÜV Rheinland weist die Kritik zurück. „Es gibt keinen Mangel an Prüfterminen und demzufolge auch keine dadurch verursachte Verlängerung der Ausbildungsphase“, sagt auf RHEINPFALZ-Anfrage Jörg Wehrfritz, Leiter der technischen Prüfstellen bei TÜV Rheinland. Auch bei Motorrad- sowie bei Lkw-Prüfungen sieht er keine Engpässe. Die Herausforderungen von feiertagsbedingten Vier-Tage-Wochen würden gemeistert. Zu Thomas Adams Verwunderung über eine Verlängerung der Prüfzeiten „mitten in der Corona-Zeit“ von 45 auf 55 Minuten sagt er: Der für die Fahrsicherheit positive Schritt habe „keinen Einfluss auf die Nichtbestehensquote“.

Blick nach Baden-Württemberg

Die Fahrlehrer würden sich teilweise mehr Entgegenkommen vom TÜV wünschen. Zuletzt seien Möglichkeiten abgeschafft worden, dass Schüler die Prüfgebühren selbst per Überweisungsträger an die Prüforganisation überweisen. Laut Adam müssen Fahrschulen nun selbst Konten für diesen Zweck einrichten und selbst das Geld „eintreiben“. Damit werde Risiko und Aufwand auf die Unternehmen verlagert. Baden-Württemberg mit dem TÜV Süd als Partner habe eine komfortablere Lösung, nach der Prüflinge ihre Gebühr sogar an Supermarktkassen entrichten könnten. Ein solches System fordert Adam auch für Rheinland-Pfalz. Der TÜV, der zudem telefonisch schwer zu erreichen sei, gehe ihm gegenüber nicht darauf ein.

Jörg Wehrfritz als Vertreter der Prüforganisation sieht das anders. Er erwähnt mehrere Zahlmöglichkeiten und folgert: „Von einer Verlagerung von Risiken und Kosten auf die Fahrschulen kann keine Rede sein.“ Er fragt: „Wer anders als die Fahrschule selbst kann sicherstellen, dass die Prüfungsgebühr im Vorfeld bezahlt beziehungsweise überwiesen ist?“

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