Speyer Porsche steht im Mittelpunkt

Im elften Jahr laden die Schlepperfreunde Römerberg am Freitag, 1. Mai, zum Oldtimertreffen mit Traktoren, Autos, Motorrädern und Lastkraftwagen auf das Sportgelände des Fußballvereins Berghausen unterhalb der Hohl ein. Eröffnet wird die Ausstellung mit der Sonderschau „Porsche“ um 11 Uhr.

Traditionell starten die Schlepperfreunde ihr Fest bereits in der Hexennacht von Donnerstag auf Freitag. Zur Oldie-Night spielt die „Rockkapelle“ Klassiker von AC/DC, den Stones sowie aktuelle Chart-Hits. Durch den Mai-Feiertag begleiten die Schau Rundfahrten, Verlosung (Hauptpreis ein Fahrrad), Prämierung und ein Kinder-Programm. Es gibt Essen und Trinken, Kaffee und Kuchen. Johannes Jochem erwartet etwa 400 Aussteller. Er selbst fährt mit einem Allgaier-Porsche AP 16, Baujahr 1954, vor. In seiner Garage stehen noch zwei weitere Traktoren. Den ersten, einen Deutz D 30, kaufte er 2001 für Holzarbeiten im Wald, wie er sagt. Jochem, 2004 eines der acht Gründungsmitglieder der Schlepperfreunde, schraubte über drei Monate in jeder freien Minute daran: „Er stand auf einem Acker, war völlig marode.“ 2004 legte er sich den größeren D 40 zu, das Jahr darauf den Porsche mit Ölschleuder-Kupplung, die eine Überlastung verhindert. Jochem hat sich intensiv mit der Geschichte des Porsche-Schleppers beschäftigt. Seine Stichworte: 1937 Entwicklung des „Volksschleppers“ von Ferdinand Porsche, 1949 erwirbt die Firma Allgaier die Lizenz zur Fertigung, produziert in Friedrichshafen das Erfolgsmodell AP 17: „Der leichte, schnelle Traktor mit Luftkühlung und Hydro-Strömungskupplung war das Maß aller Dinge.“ Alle anderen Hersteller mussten den Preis für ihre Gefährte um bis zu 20 Prozent senken. Neuer Eigner wird 1956 die Mannesmann-Tochter „Porsche-Diesel Motorenbau“, sie erweitert die Palette mit „Junior, Standard, Super, Master“, verkauft 1959 18.428 Porsche-Traktoren. Mitte 1963 kam das Aus. Mercedes-Benz übernimmt die Produktionsanlagen zum Bau von Schiffs-, Industrie-, Panzermotoren, eine Vertriebsgesellschaft veräußert die auf Halde stehenden 2500 Porsche Diesel und 1050 MAN-Schlepper. „ISEKI“, ein japanisches Unternehmen, produziert für den Markt in Fernost bis 1966 noch 255 Einheiten. Jochem: „Geschätzt waren es insgesamt 120.000 Porsche-Diesel Schlepper und 30.000 Allgaier mit Porsche-Motor.“ Matthias Kinscherff kam 2010 ohne Traktor zu den Schlepperfreunden. Nach einer Ausfahrt war klar: „Ich lege mir einen zu.“ Ein Lanz-Bulldog sollte es sein. Zum Missfallen der Ehefrau. Die war von einem Bekannten darauf hingewiesen worden: „Wundere dich dann nicht über dunkle Flecken auf der Kleidung und im Gesicht.“ Kinscherff suchte in der „Schlepperpost“ nach einem Porsche, wurde weiter weg (500 Kilometer) fündig, zahlte für den einwandfreien Zustand 6300 Euro. Den heutigen Sammlerwert des „Standard/Star“ taxiert er auf 8500 Euro. Der reicht ihm: „Man kann eh nur einen fahren.“ Mathias Müller gefiel vor allem die Form der Haube, zudem faszinierte ihn der Name Porsche. Sein Hinweis: „Auch Ferrari und Lamborghini haben mit Traktoren angefangen. Sie waren die Vorgänger der Sportwagen.“ Beruflich in Karlsberg unterwegs, sah er den Standard-2-Zylinder 2005 in einem Hof rumstehen. Der Eigentümer mähte mit ihm die Pferdekoppeln. Müller fragte, bekam ihn, restaurierte über Wochen, ließ ihn lackieren. Beim Brunnenfest präsentierte er den Porsche das erste Mal. Inzwischen komplettierte er ihn mit einer Rolle und einem Kartoffelroder aus den 50er Jahren, nimmt ihn zum Holzmachen und für Ausfahrten mit Sohn Maxime. Auf seinen Touren mit dem Lkw entdeckte Axel Drews den Standard Baujahr 1966 in einer Frankfurter Werkstatt: „Der stand da völlig verrostet in einer Ecke.“ Für ihn praktisch, den Traktor gleich aufladen und mitnehmen zu können. Ihn auseinanderzunehmen und wieder zusammenbauen, zog sich über eineinhalb Jahre hin. Drews: „Man muss dazu kein Künstler oder Ingenieur sein, sollte aber schon ein wenig Ahnung von der Bastelei haben.“ Gefragt, warum ein Traktor: „Das Ding ist etwas Besonderes. Auto fahren kann jeder.“ Er hat fünf, unter anderem einen Lanz und IFA, hergestellt im Osten: „Wenn einer fertig ist, kribbelt es für den nächsten.“ Zwischen den Porsche-Bulldogs parkte Theo Stehle einen Porsche-Sportwagen, Baujahr 1995. (län)

Ihre News direkt zur Hand
Greifen Sie auf all unsere Artikel direkt über unsere neue App zu.
Via WhatsApp aktuell bleiben
x