Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Patricks Woche: Verrechnet mit Corona

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Salierbrücke: Verrechnet

Jetzt ist sie also wieder offen, die Salierbrücke. Wäre man nicht so erschöpft von der Dauer der Pandemie, der Staus und natürlich der Sanierung an sich, könnte man sich fast freuen. Ein Brückenfest gab’s nicht, aber immerhin eine „feierliche Verkehrsfreigabe“, so die Namenswahl des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Dabei wurde ein Band in Schwarz-Rot-Gold durchgeschnitten, was im gleißenden Herbstlicht gar nicht so einfach war: Entweder wurden nämlich die Offiziellen geblendet oder die Fotografen. Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler regelte das und verteilte danach auch die historischen Schnipsel ans Volk.

Und so war am Ende alles ins rechte Licht gesetzt. Natürlich vergaß das in der Sanierungsphase immer wieder gescholtene Regierungspräsidium in der Pressemitteilung zum großen Tag auch nicht zu erwähnen, wie gut es das alles abgewickelt habe: Es war auch wieder von den „Optimierungsmaßnahmen“ die Rede, die die Behörde ermöglicht habe. Mit diesen wurde nämlich erreicht, dass die zunächst auf 25 Monaten angesetzte Maßnahme am Ende in 34 Monaten abgewickelt werden konnte. Die „Optimierung“ bestand darin, dass es doch nicht die 38 wurden, von denen zeitweise die Rede war. Weil’s so schön war, setzte das Amt in eben jener Mitteilung gleich noch ein Rechenkunststück drauf: Die Brücke sei nach „rund zwei Jahren Bauzeit nun wieder befahrbar“. Entweder wurde dabei sehr großzügig abgerundet oder die haben die Monate abgezogen, in denen auf der Salierbrücke – zumindest gefühlt – kein Bauarbeiter zu sehen war.

Corona-Regeln: Unkontrollierbar

Geimpft oder genesen und getestet ist „2G plus“. Diese Rechnung kennt das Regierungspräsidium. Am Nachmittag vor der Eröffnung hat es mal eben noch die Regeln verschärft und den Pressevertretern mitgeteilt, dass diese zu der Freiluft-Veranstaltung mit einer begrenzten Anzahl geladener Gäste auf der Brücke – und allen Möglichkeiten Abstand zu halten – ergänzend zu „2G“ einen tagesaktuellen, zertifizierten und natürlich negativen Schnelltest mitbringen müssten. Man kann bei den Corona-Schutzmaßnahmen gar nicht streng genug sein – richtig. Dennoch scheint diese zusätzliche Auflage doch etwas zu viel des Guten. Die baden-württembergischen Schutzmaßnahmen erforderten es so, hieß es. Weil auf der anderen Seite des Rheins offenbar vieles anders ist, galt beim folgenden Empfang der Speyerer Oberbürgermeisterin am pfälzischen Ufer „nur“ 3G.

Nicht alles ist logisch in der Pandemie-Bekämpfung, leider auch nichts einfach und schon gar nichts gut angesichts der schlimmen Infektionszahlen. Wer dabei jedes Detail auf die Goldwaage legt, braucht gute Nerven. Speyer rudert beim Weihnachtsmarkt gerade mal wieder zurück: 3G habe nicht ausgereicht, jetzt soll 2G kommen. Die städtische Allgemeinverfügung dazu werde kommende Woche erneuert, so die OB. Vielleicht merkt die Verwaltung dann auch, dass es – egal, ob da eine 2 oder 3 steht – eigentlich gar nicht zu kontrollieren ist: Laufen Sie bitte einmal durch die Maximilianstraße und überlegen Sie, wie genau zwischen Ständen, Geschäften und Passanten die folgende Vorgabe aus der Verfügung überprüft werden kann: Es herrscht Maskenpflicht, „es sei denn, es ist sichergestellt, dass der Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen Personen verschiedener Hausstände eingehalten werden kann“.

Krankenhaus: Zurückgeholt

Und noch eine schöne Rechnung: Eins plus eins plus eins ist drei. Das gilt auch für das ehemalige Stiftungskrankenhaus in der Spitalgasse. Es ist nun in seiner dritten Karriere angelangt. Erst war es städtisches Krankenhaus, dann nach und nach ausgeräumte Außenstelle des „Diak“ und zuletzt im eigentlich schon ausgemusterten Zustand Allzweckwaffe im Kampf gegen das Coronavirus. Derzeit ist es so, dass die Belegung schon optimiert werden muss, um neben einem Schnelltest- und einem PCR-Testzentrum auch noch die neue städtische Impfstelle unterzukriegen. Die Stadt ist „froh, dass wir diese Räume haben“.

Auch hier holt die Pandemie leider auf den Boden der Tatsachen zurück: Die alternativen Nutzungspläne für das „Filetstück“ in Innenstadtlage waren nämlich schon allzu hochtrabend. Die Politik hatte mal von Wohnungen, mal von einem Gesundheitszentrum geträumt, der Verein Zukunftsforum zum Missfallen der Stadt schon einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben. Bisweilen sollte sich das Wunschkonzert jedoch auf einen Titel beschränken: die Eindämmung von Corona.

Landesgartenschau: Argumentiert

Fünf von vier Leuten haben keine Ahnung von Mathematik. Behaupten zumindest Spötter. Eine Bürgerinitiative wirft der Stadt Speyer eine Milchmädchenrechnung vor, wenn diese die zweistellige Millionensumme, die eine Landesgartenschau 2027 kosten würde, für die Stadtentwicklung gut angelegt sieht. Diese Woche war die Landeskommission in Speyer zu Gast, deren Urteil für die Entscheidung unter sechs Bewerbern um die begehrte Schau eine wichtige Rolle spielt. Man hätte gerne Mäuschen gespielt, um zu erfahren, wie Speyers Konzept ankommt. Das war aber von Landesseite nicht gewollt. Haben die Gäste etwa kritisch nachgefragt wegen der nicht wirklich spürbaren Gartenschau-Begeisterung rund um den Dom?

Mitbewerber Neustadt war am selben Tag dran. Er hat die Kommission schon mit Plakaten an den Stadteingängen begrüßt und vermeldet, die ganze Stadt stehe hinter der Bewerbung. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich – wie immer – in der Mitte. Man lernt daraus aber, dass beim Thema Landesgartenschau immer die ganz großen Geschütze aufgefahren werden müssen. Die Bürgerinitiative Keine Gartenschau in Speyer zieht in ihrer jüngsten Pressemitteilung jedenfalls – unter anderem – den Rhododendron-Trumpf: Diese Pflanze würde bei der Schau in der Klipfelsau gepflanzt, werde dort aber „sowieso eingehen“. Diese Alpenrose ist ein anspruchsvoller Strauch, schon richtig. Aber als Top-eins-Argument gegen die Schau taugt sie nicht wirklich …

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