Speyer Missverständliche Sätze

Placeholder-Image

Ilse Wambsganß, die Präsidentin des Landfrauenverbands Pfalz, schüre mit der von ihr verfassten „Mitgliederinfo 2016“ Ängste vor Flüchtlingen. Das werfen ihr Inge Volz und Dorothea Watermeier, Mitglieder im Landfrauenverein Westheim, vor. Auf RHEINPFALZ-Anfrage versichert die Präsidentin, dass das nie ihre Absicht gewesen sei. Sie räumt aber ein, „dass vielleicht das ein oder andere Wort nicht richtig gesetzt war“ und verweist auf „viele tolle Aktionen mit Flüchtlingen“.

Das Schreiben erhielten kürzlich alle Landfrauen in der Pfalz. Präsidentin Wambsganß dankt darin allen Mitgliedern, die Gemeinden Hilfe bei der Bewältigung der Flüchtlingssituation anboten. Sie schreibt aber auch: „Die Erlebnisse rund um den Silvesterabend in Köln machen mich betroffen. Wie wird sich unser Land verändern, ganz besonders für uns Frauen?“ Landfrauen seien „oft abends alleine im Dunkeln unterwegs“, zu Veranstaltungen oder Treffen. „Wir wollen uns weiterhin in unseren Dörfern sicher fühlen können.“ Die Gemeinden kämen deutlich an ihre Belastungsgrenze, wenn sie viele Flüchtlinge aufzunehmen hätten. Wambsganß: „Uns als Frau macht es dann Angst, wenn es sich um überwiegend männliche Flüchtlinge handelt.“ Sie fragt: „Was kommt auf uns zu?“ Und stellt klar: „Wir sind nicht bereit, unser Sicherheitsgefühl aufzugeben.“ „Nicht hilfreich“ seien „Empfehlungen, Selbstverteidigungskurse zu besuchen“: „Hier ist das integrative Engagement der Landfrauen wichtiger denn je.“ Ihr Appell: „Mischen Sie sich ein, wenn es um die Lebenssituation von uns Frauen geht.“ Errungenschaften und Werte dürften nicht aufgegeben werden: „Wir wollen uns kleiden und bewegen können, wie es uns gefällt. Keinesfalls sind wir bereit, unser Leben zu verändern.“ Gleichzeitig betont Wambsganß: „Bitte verstehen Sie dies nicht als grundsätzliche Ablehnung, Flüchtlinge, die schutzbedürftig sind, aufzunehmen. Mein Anliegen ist es, die Situation von und für uns Frauen zu erhalten und nicht zu gefährden.“ Als „große Besonderheit“ empfindet die Präsidentin, dass drei Parteien Frauen als Spitzenkandidaten für die Landtagswahl aufstellten: „Eine ganz besondere Chance und ein Zeichen für uns Frauen.“ Wambsganß bittet die Mitglieder wählen zu gehen, die Chance, Einfluss zu nehmen, zu nutzen. Volz, Landfrau und Ortsbürgermeisterin, spricht von „unnötiger Angstmache“. Die SPD-Frau betont: „Wir haben wegen der Flüchtlinge nicht weniger Frauenrechte. Wir müssen auf nichts verzichten.“ Und Frauen bräuchten auch keine Angst zu haben auszugehen – schon gar nicht im Dorf. „Schwarze Schafe“ gebe es bei allen Nationalitäten. Die Flüchtlingslage dürfe nicht genutzt werden, Frauen pauschal Angst zu machen. „Stutzig“ hat Volz Wambsganß’ Aufforderung gemacht, „zur Wahl zu gehen und die Chance zu nutzen“. Volz fragt sich, was damit gemeint sei. In dem Zusammenhang hätte sie sich das Wort „demokratisch“ gewünscht – um auszuschließen, dass ein Wahlaufruf zugunsten der AfD gemeint sein könne. Auch Dorothea Watermeier bemängelt die „einseitige Berichterstattung“ und kritisiert, dass es um Angstmacherei und gegen Flüchtlinge gehe: „Da werden nur Ängste geschürt. Ich bin bestürzt und entsetzt.“ Den Wahlaufruf verstand sie so, „dass ich AfD oder noch Schlimmeres wählen soll“. Wambsganß distanziert sich auf Anfrage vom rechten Rand: Für rechtspopulistische Parteien würde sie nie eine Wahlempfehlung abgeben: „Ich bin für Demokratie und Pressefreiheit.“ Zudem machten die Landfrauen viele tolle Aktionen mit Flüchtlingen. Laut Wambsganß hat sich, außer den beiden Westheimerinnen, niemand über ihr Schreiben aufgeregt – im Gegenteil: „Ich habe sehr viel Positives von Personen gehört, die das mit anderen Augen gelesen haben. Die waren dankbar, dass ich das Thema angesprochen habe.“ Und: „Wir haben Regionen, da sind Ängste da. Und die wurden an mich herangetragen.“ Weiter stellt sie klar: „Ich bin nicht die Präsidentin von Westheim, sondern von allen Mitgliedern.“ Beim Landfrauentag in Hochstadt hat Wambsganß „mit Frauen aus Westheim gesprochen“. Die hätten dafür plädiert, das Thema abzuhaken. Abschließend räumt die Präsidentin ein, dass manches im Schreiben „blöd ausgedrückt gewesen“ sei. Wambsganß hat mit den Kritikerinnen telefoniert und „die Sache aus dem Weg geräumt“. Sie spricht von langen, guten Gesprächen. Volz und Watermeier bestätigen die Telefonate. Nach Wambsganß’ Klarstellung will Volz Landfrau bleiben. Sie betont aber: „Wenn ich so etwas nochmals lese, dann ist Sense.“ Watermeier überdenkt ihre Mitgliedschaft noch. (nti)

x