Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Malerisch und meditativ: „Cantate Domino“ mit Bariton Michael Marz

Gehaltvolle Passionsmusik: Bariton Michael Marz, begleitet von Domkantor Joachim Weller.
Gehaltvolle Passionsmusik: Bariton Michael Marz, begleitet von Domkantor Joachim Weller.

Mit bei allem Feinsinn doch fesselnden Gesangsvorträgen beeindruckte der Bariton Michael Marz in der jüngsten Ausgabe der Speyerer Dommusik-Reihe „Cantate Domino“ ein beachtliches, auf Hochaltar und Domschiff verteiltes Auditorium.

Von Domkantor Joachim Weller passgenau begleitet, trug Michael Marz mit seinem angenehm geschmeidigen Bariton Marien- und Psalm-Gesänge aus Barock und Spätromantik vor. Dabei standen malerische bis dramatische Strophen-Balladen des viktorianischen, in Irland geborenen Briten Sir Charles Villiers Stanfort auf Psalmen und prophetische Texte aus dem Alten Testament im Vordergrund.

Ausladend fesselnd und auch wieder meditativ bestritt Marz den Löwenanteil der Programmfolge mit den mehrteiligen, schlichten bis balladesken Liedern des später als Bachchor-Leiter in London hervorgetretenen Stanfort. Seinen leichten, angenehmen Bariton führte der Solist geschmeidig, erreichte ausladende Höhen und nahm ihn auch wieder meditativ zurück. Stanforts figurativ ausladendes Freiheitslied „Song of Freedom“ nahm er im breiten Spektrum bis ins energisch Aufwallende.

Von Frieden und Weisheit

Das Friedenslied „Song of Peace“ mit seinen lieblichen Anklängen von der friedfertigen Kreatur bekam gerundete Agilität. Danach mobilisierte der Solist für das Konfrontationslied „Song of Battle“ mit hoher Stimmkraft und Intonationssicherheit dramatische Gesten. Schließlich steigerte sich Marz im Weisheitslied „Song of Wisdom“ aus der pastosen Sprachmelodie zu fesselnden und stimmstarken Aufschwüngen.

Durch diese über die Programm-Stunde verteilten, von irischer Volksmusik inspirierten Stanfort-Gesänge trat das Motto dieses anregenden „Cantate Domino“-Abends, „Siehe, ich bin die Magd des Herrn“, für geraume Momente in den Hintergrund. Marianische Gesänge gab es denn aber doch eine ganze Reihe zwischen den ins Philosophische gehenden Stanfort-Liedern. Josef Gabriel Rheinbergers fließendes „Ave Maria“ sang Marz eingangs sanft gleitend. Später mobilisierte er spürbar hohe Konzentration für ein introvertiertes, freitonales „Ave Maria“ des modernen Franzosen Jehan Alain. Auch der zeitgenössische Niederländer Flor Peeters hat einen ehrfürchtigen marianischen Huldigungsgesang hinterlassen, den Marz mit zarter Empfindung gebetsartig einbrachte.

Spätromantische Gegensätze

Und in Johann Sebastian Bachs choral-nahem „Ein Bote kommt“ konnte Marz in dichter Legato-Bindung Maria die Ehre erweisen, während Bachs danach gebrachtes „Ich freue mich in dir“ aus dem Schemelli-Gesangbuch in der Register-Tiefe etwas mehr Substanz vertragen hätte.

Hohe Wellen schlug Marz gleich zu Beginn mit Antonin Dvoraks passioniert intonierter Vertonung von Psalm 98 „Singet ein neues Lied“. Er legte einen frohgemuten Duktus vor. Gegensätze taten sich bei den Spätromantikern auf: Während in Peter Cornelius’ Vater-Unser-Zeile „Dein Wille geschehe“ die lockere Rhythmisierung erfreute, war Hugo Wolfs „Führ’ mich, Kind nach Bethlehem“ in seinem meditativen Gestus von trauernder Selbstanklage durchzogen. Marz wurde beiden Stimmungslagen in adäquater Weise gerecht.

Domkantor Joachim Weller steuerte über seine aufmerksamen Gesangsbegleitungen, die er in passenden Registrierungen und elastischen Tempi leistete, hinaus noch zwei Solovorträge bei, die Marz in seinem randvollen Programm ein wenig Atem holen ließen: im Bach-Block ein im Tempo gemessenes Adagio in Es-Dur mit hohen Oberton-Registern und exakter Artikulation und später zwischen den modernen Gesängen Sigfrid Karg-Elerts malerische Bildfenster-Eindrücke „Saluto Angelica“ mit leuchtend ausregistrierten Registerfarben. Warmer Beifall der Zuhörenden dankten am Ende Marz und Weller für ihre gehaltvollen Passionsmusik-Vorträge.

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