Speyer
Letzter Pfälzer Kaufhof: Geschäftsführung wechselt bereits nach einem Jahr
„Mein Wechsel hat mit dem Insolvenzverfahren von Galeria rein gar nichts zu tun“, beteuert Niko Rauch. Seit erst rund 13 Monaten leitet der 33-Jährige die einzig verbliebene Niederlassung des Essener Warenhaus-Konzerns in der Pfalz: diejenige am Altpörtel. Doch zum 1. März ist schon wieder Schluss. Rauch übernimmt dann mit dem Traditionshaus am Paradeplatz in der Quadratestadt eine der prestigeträchtigsten Galeria-Adressen im weiten Umkreis. „Ein Top-Haus in einer Top-Lage“, schwärmt Rauch.
Mit rund 13.000 Quadratmeter Verkaufsfläche und aktuell 114 Mitarbeitern bietet der Mannheimer Kaufhof ein gut doppelt so großes Rad wie Speyer (6800 Quadratmeter, rund 60 Mitarbeiter), das Rauch kaufmännisch drehen kann. Für den 33-Jährigen bedeutet der neue Posten also einen Aufstieg auf der unternehmensinternen Karriereleiter. Zugleich ist der Wechsel aus der Pfalz in die Kurpfalz für ihn eine Rückkehr. Denn bevor er Anfang 2023 an die Spitze des Speyerer Kaufhofs trat, hatte Rauch bereits Führungsverantwortung am Standort Mannheim inne.
Über seinen alten wie künftigen Wirkungskreis weiß der gebürtige Nordrhein-Westfale daher schon bestens Bescheid. „Ich kenne die Mitarbeiter, ich kenne aber auch die Mannheimer“, sagt Rauch. Da er aus dem Ruhrgebiet stamme, erinnere ihn die „Arbeiterstadt“ an Neckar und Rhein sehr an die frühere Heimat. Ein weiteres Plus: Rauch wohnt mit seiner Familie in Ladenburg, sein Arbeitsweg wird künftig deutlich kürzer sein.
Bödeker: Verlust für Speyer
Gleichwohl falle es ihm schwer, die Domstadt zu verlassen, betont der 33-Jährige: „Speyer wird mir sehr fehlen.“ In seiner kurzen Zeit als Filialleiter hat Rauch einiges angestoßen. Unter seiner Ägide hat das Warenhaus das Sortiment umgestellt, regionale Produkte fanden im Erdgeschoss ihren Platz. Er führte Sonderaktionen wie Produktverkostungen und Live-Tätowierungen ein und ließ die in früheren Jahren stets beliebte Modenschau wieder aufleben – wohl zur Zufriedenheit der Kunden, denn die Geschäftszahlen hätten sich sehr gut entwickelt, sagt Rauch.
Das blieb offenbar auch der Essener Konzernzentrale nicht verborgen, die den Familienvater nun auf den Mannheimer Chefposten hievte. Ein Schritt, den Peter Bödeker nachvollziehen kann. „Speyer ist eine ertragreiche Filiale, aber auch ein Sprungbrett. Wer sich hier gut anstellt, kann bei Galeria aufsteigen“, hat der Vorsitzende der Leistungsgemeinschaft „Das Herz Speyers“ beobachtet. Persönlich habe er großes Verständnis für Rauchs Entscheidung. Der Kaufhof in Mannheim sei ein Haus mit einem jährlichen Umsatz von 250 Millionen Euro. Für Speyer hingegen sei die Nachricht vom Weggang Rauchs betrüblich.
Nicht nur sei der 33-Jährige auf die anderen Akteure des lokalen Geschäftslebens zugegangen, er habe sich auch stark eingebracht. So jemanden brauche es an der Spitze des größten Einzelhändlers der Innenstadt. Es sei nur zu hoffen, dass es eine ähnlich gute Nachfolgelösung gebe. Bödeker bedauert die „fehlende Kontinuität“ auf dieser für den Speyerer Handel wichtigen Position.
Kein Omen für Kaufhof-Aus
Nach Rauchs Worten wird Vanessa Keil kommissarisch die Speyerer Galeria lenken. Über eine endgültige Nachfolgeregelung wisse er noch nichts, sagt Rauch. Sein Wechsel sei jedenfalls kein Anzeichen dafür, dass das Warenhaus in Speyer von der Schließung bedroht sei. Das laufende Insolvenzverfahren, das dritte in vier Jahren, hängt wie ein Damoklesschwert über allen Galeria-Filialen, auch über der in Mannheim. Dort hat Rauch zudem die Aufgabe, im Textilbereich mit den Peek & Cloppenburg und Engelhorn mitzuhalten. „Das ist eine Herausforderung“, räumt er ein. Eine weitere sind die Eigentumsstrukturen. Die Kaufhaus-Immobilie am Altpörtel gehört einem Geschäftsmann aus dem Rheinhessischen.
Das Haus am Paradeplatz hingegen zählt laut Rauch zum Gebäudebestand der Signa-Gruppe des österreichischen Milliardärs René Benko. Diese hatte im Jahr 2018 das Handelsunternehmen Galeria Kaufhof übernommen und mit Karstadt verschmolzen. Die Immobilien wurden vielfach in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert und mussten dann von den einzelnen Filialen teuer zurückgemietet werden, was die Rendite vieler Niederlassungen enorm schmälerte oder ganz auffraß. Im Fall von Mannheim liefen nun Gespräche mit der ebenfalls insolventen Signa, bestätigt Rauch. Am Mittwoch will er für die Beschäftigten des Speyerer Kaufhofs Waffeln backen und seinen Abschied versüßen.
