Speyer
Letzter Kaufhof in der Pfalz: „Wir glauben alle an den Standort Speyer“
„Wir blicken positiv in die Zukunft“, sagt Niko Rauch betont entspannt. Seit rund einem Jahr ist er Geschäftsführer der letzten verbliebenen Filiale des Essener Handelskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof in der Pfalz. Sein Warenhaus hat die Turbulenzen der vergangenen Jahre alle überstanden, auch das dritte Insolvenzverfahren seit 2020 werde für den traditionsreichen Kaufhaus-Standort am Altpörtel nicht das Ende bedeuten, versucht Rauch, Optimismus zu verbreiten. Seine Zuversicht schöpft er aus den guten Zahlen, die die Galeria-Dependance in der Domstadt vermelden kann. So sei das Weihnachtsgeschäft sehr stark gewesen, im Umsatz liege man auch zum Jahreswechsel über Plan: „Wir sind profitabel.“
Auch der vorläufige Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus müht sich um eine gute Grundstimmung. So sei das Geschäft von Galeria bis zum Spätsommer durchfinanziert, lässt er sich in Medien zitieren. Es gebe mehrere Interessenten, das Insolvenzverfahren solle „in einem Zeitfenster von sieben bis acht Monaten“ abgeschlossen werden.
Kaufhaus-Konzept überholt?
Handelsexperten wie Jörg Funder hingegen sind skeptisch, dass der Befreiungsschlag gelingt. Sie gehen eher von einer Zerschlagung des Konzerns aus, die dazu führen würde, dass allenfalls einzelne Standorte „in einem vollständig veränderten Betriebsmodell von einem Dritten weitergeführt werden“, wie der Professor für Unternehmensführung an der Fachhochschule Worms jüngst der Nachrichtenagentur dpa sagte. Gegenüber der RHEINPFALZ hatte Funder bereits im Dezember geäußert, dass aus seiner Sicht Speyer aufgrund seiner Größe kein „Top-Standort“ für ein Warenhaus sei. Dieses Geschäftsmodell sei ohnehin in der herkömmlichen Weise nicht mehr tragfähig.
Rauch will sich davon nicht bange machen lassen. Er setzt auf den Spielraum, den jede Filiale mittlerweile genieße, um sich neu am Markt zu positionieren. So richte der hiesige Kaufhof seinen Blick vermehrt auf regionale Produkte, veranstalte Aktionen wie Modenschauen oder Tastings und gehe mehr auf Kundenwünsche ein: „Bei uns gibt es nun wieder Anzüge und passend zu Saison einen großen Fasnachtsmarkt.“
Bestärkt sieht sich Rauch vom Galeria-Vorsitzenden Olivier van den Bossche, der im Oktober vor Ort gewesen sei und dabei gegenüber Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) zum Ausdruck gebracht habe, dass er „viel Potenzial“ in der Domstadt sehe. Auch die aktuell knapp 70 Mitarbeiter gingen gut mit der gewiss nicht einfachen Situation um, schildert Rauch: „Das Team will Veränderung. Es hat Lust darauf, Speyer nach vorne zu bringen. Wir glauben alle an den Standort.“
„Wäre herber Verlust für Einzelhandel“
Für Peter Bödeker hat der Kaufhof eine Schlüsselposition im Gefüge des Speyerer Einzelhandels. Er sei der größte Anbieter mit dem größten Sortiment und daher ein Frequenzbringer. „Wir haben schon lange um den Kaufhof gezittert, gerade waren wir auf einem guten Weg“, sagt der Vorsitzende der Leistungsgemeinschaft „Das Herz Speyers“ etwas angefressen ob der neuerlichen wirtschaftlichen Schieflage des Konzerns.
„Der Kaufhof ist für Speyer ganz wichtig“, betont Thomas Armbrust, Sprecher des örtlichen Einzelhandelverbands. Das Kaufhaus trage mit seinem Sortiment entscheidend zum breiten Warenangebot in der Innenstadt bei. „Das zieht die Menschen aus dem Umland an“, sagt der Inhaber des Modehauses Charlott. Ein Ende von Kaufhof wäre ein „herber Verlust“, ist Armbrust überzeugt.
Vermieter äußert sich zurückhaltend
Als einen Grund der wirtschaftlichen Galeria-Misere nennt Filialleiter Rauch unter anderem überhöhte Mieten von bis zu 30 Prozent des Umsatzes. In Speyer habe man jedoch Glück. Hier liege man von der Miete in einem Bereich, der „wirtschaftlich darstellbar“ sei, sagt Rauch. Als marktüblich und verkraftbar gelten nach seinen Worten Miethöhen in Bereich zwischen sieben bis zehn Prozent des Umsatzes.
Das Kaufhof-Gebäude gehört dem rheinhessischen Geschäftsmann Günther Drees. Auf die Auswirkungen der Galeria-Insolvenz angesprochen gibt Drees an, derzeit von dem Konzern keine Mietzahlungen zu erhalten. In der Vergangenheit hatte der Immobilien-Unternehmer zugesagt, Kaufhof bei der Miethöhe entgegenzukommen und auch Geld ins Gebäude zu stecken. Dass Investitionen nötig sind, ist allen Beteiligten klar: „Da muss etwas passieren“, sagt Rauch.
Momentan lägen alle Vorhaben auf Eis, betont Eigentümer Drees. Die Situation sei unbefriedigend. Dennoch strebe er von sich aus keine Veränderung an. Allerdings habe es einige Anfragen von Interessenten für das Objekt gegeben, auch von Modeunternehmen, und auch aus der Region.
Gerüchte um Nachfolger aus der Region
In diesem Zusammenhang fällt immer wieder der Name Steffen Jost. Dem Grünstadter Unternehmer wird nachgesagt, schon lange ein Auge auf das attraktive Umfeld Speyer geworfen zu haben. Er sei bestrebt, sein Mode-Imperium aus mittlerweile fünf Filialen in Grünstadt, Landau, Frankenthal, Worms und Bruchsal zu erweitern. Dem Vernehmen nach solle er zudem willens sein, die Immobilie nicht nur zu mieten, sondern auch zu kaufen. Jost will dies auf Anfrage allerdings nicht bestätigen.
Ohnehin hat sich die Stadt ein Vorkaufsrecht für die Immobilie gesichert, um notfalls die Entwicklung an dieser bedeutenden Stelle lenken zu können. Wobei sie sich mit einem regionalen Modehändler und etwaigen Zusatzangeboten auf den rund 6800 Quadratmetern Verkaufsfläche vermutlich arrangieren könnte. Oder wie es Modehändler Armbrust ausdrückt: „Falls Kaufhof geht, brauchen wir zumindest wieder etwas Ähnliches.“
