Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Kitas und Geschäfte leiden besonders unter aktueller Corona-Lage

Betreten erlaubt mit und ohne Registrierung: Regelung am Dienstag bei Kaufhof.
Betreten erlaubt mit und ohne Registrierung: Regelung am Dienstag bei Kaufhof.

Speyer wird am Mittwoch den dritten Tag in Folge über einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 bei den Corona-Neuinfektionen liegen. Öffnungsschritte der vergangenen Woche werden wieder rückgängig gemacht werden müssen. Was aus dem geplanten „Speyerer Tagesticket“ wird, ist ungewiss. Vor allem die Lage an Kindergärten bereitet Sorgen. Ein Überblick.

Die Infektionslage

Fünf Neuinfektionen kamen am Dienstag in der Landesstatistik dazu, die Speyerer Sieben-Tage-Inzidenz verharrt damit bei 118,7. Es ist der zweite Tag über 100. Nach dem dritten müssten die Regeln verschärft und Öffnungsschritte etwa bei der Außengastronomie zurückgenommen werden. Weil am Mittwoch vor einer Woche „nur“ drei Neuinfektionen dazugekommen waren, die nun aus der Statistik fallen, würde die Inzidenz am Mittwoch auch ohne Neuinfektionen nicht unter 100 kommen.

Die Stadt bereite schon eine neue Allgemeinverfügung für die Zeit ab Donnerstag vor, berichtet Sprecherin Annika Siebert. Es gebe „einrichtungsbezogene Infektionsfälle, aber auch ein diffuses Infektionsgeschehen, das insbesondere auf das private Umfeld zurückzuführen ist“. Vorige Woche waren die Kitas Don Bosco, Wola und Sara Lehmann betroffen, nun ist die Schatzinsel dazugekommen und nach dem positiven PCR-Test eines Kindes geschlossen worden. Für 14 Mitarbeiter und 90 Kinder werden Reihentestungen ermöglicht, ebenso an weiteren Kitas und am Schwerd-Gymnasium.

Am schlimmsten betroffen ist die Kita Don Bosco, wo nach der Schließung weitere Fälle bekannt geworden sind. Acht Mitarbeiter, acht Kinder und ein Elternteil gelten laut Stadt als mit der britischen Mutation infiziert. Weitere Verdachtsfälle werden aus den Kitas Mariä Himmelfahrt, Seekätzchen, St. Christophorus und St. Markus vermeldet. Dezernentin Monika Kabs (CDU) bezeichnet das Infektionsgeschehen an Kitas als „bedenklich“ und will weitere Tests ermöglichen.

Die Regeln

Die neue Allgemeinverfügung wird weitere Einschränkungen im Einzelhandel bringen, der bereits am Dienstag nach drei Tagen mit Inzidenzen über 50 teilweise wieder zum Terminshopping übergehen musste. Die Stadt hält dennoch an ihren Planungen für ein „Speyerer Tagesticket“ nach Tübinger Vorbild fest, das unter anderem Lokalbesuche mit tagesaktuellem, negativem Schnelltest ermöglichen soll. Gastronomen reichten dafür ihre Hygienepläne ein, die Stadt habe ihr Konzept am Dienstag an den Städtetag geschickt, sagt Sprecherin Siebert. Für Mittwoch sei ein Austausch zwischen der Landesregierung und möglichen Modellregionen angesetzt. Speyer wäre gerne dabei, jedoch haben sich die Chancen verringert, seit das Land erklärt hat, es müssten „Regionen mit einer niedrigen Inzidenz“ sein. Bei einem Wert über 100 müssten „klare Abbruchkriterien definiert werden“.

Die Reaktionen

Die Kunden sind zurückhaltend, die Wirte und Händler alles andere als begeistert. Die Öffnung der Außengastronomie, die seit Montag mit negativem Schnelltest möglich war, wurde am Dienstag etwa im Lokal „Porta Nuova“ am Altpörtel mangels Nachfrage wieder beendet. Für Kaufhof-Geschäftsführerin Christiana Baudach war die Organisation des Termin-Shoppings an sich kein Problem, wohl aber die Folgen: „Es ist relativ einfach, weil man sogar vor Ort einen Termin vereinbaren darf.“ Kunden durften das Kaufhaus am „Eingang Dom“ betreten und wurden mit Registrierungsformularen empfangen. Gut 180 Kunden durften sich auf den 7500 Quadratmetern verteilen. „Die Kunden sind zurückhaltender als bei einer normalen Öffnung“, berichtet Baudach. „Uns schadet jeder Tag unter diesen Bedingungen.“ Sie hatte ihr Personal am Dienstag vorerst noch vollzählig an Bord.Verärgert über die politischen Beschlüsse zeigte sich Liliana Gatterer, Kreis- und Landesvorsitzende des Bundes der Selbstständigen (BDS): „Unglaublich und nicht nachvollziehbar, dieses Krisenmanagement der Bundesregierung.“ Sie erachtet die Schließung am Gründonnerstag und am Karsamstag als falsch: „Wer zahlt das den Arbeitgebern und was bringt es uns außer Gedränge am Mittwoch vor Ostern?“

Mehr zum Thema
x