Speyer „Hier hat keiner Angst“

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Römerberg. Vardan Grigoryan (48) kommt aus Armenien und ist als politischer Flüchtling nach Deutschland gekommen. Er arbeitet hart daran, sich zu integrieren und erzählt in diesem Teil unsere Serie „Wie ich euch sehe“, wie er seine Ankunft in Deutschland erlebt hat und was er von der aktuellen Flüchtlingsdiskussion hält.

„Ich bin im Dezember 2013 aus Armenien nach Deutschland gekommen. Eineinhalb Jahre war ich alleine hier, dann sind meine Frau und mein Sohn nachgekommen. Ich hatte in meiner Heimat politische Probleme, deswegen musste ich Armenien verlassen. Ich habe in Armenien eine große Familie, zwei verheiratete Töchter mit jeweils einem Kind, außerdem meine Eltern und meine Schwester, die vermisse ich schon sehr. Zuerst habe ich in Fußgönheim gelebt, ich war aber der einzige Christ unter lauter Muslimen, das hat nicht so gut gepasst. Deswegen habe ich das Sozialamt gebeten, mich an einem anderen Ort unterzubringen. Ich konnte dann in eine Einzimmerwohnung mit einem Kurden ziehen. Irgendwann wurde dann das kleine Haus in Römerberg für mich gefunden, in dem ich mit meiner Frau und meinem Sohn lebe. Am Anfang war es schon sehr schwer in Deutschland, ich konnte die Sprache überhaupt nicht und auch kein Englisch, sondern nur Russisch. Und damit kommt man hier nicht sehr weit. Ich habe dann Russen und Armenier gesucht, die mir beim Übersetzen geholfen haben. Außerdem gab es auch sehr hilfsbereite Ehrenamtliche, die mir viel geholfen haben. Käthe Maier zum Beispiel, sie hat mir mit den Papieren und bei der Suche nach einer Wohnung und einem Arbeitsplatz geholfen. Ich habe ein Jahr lang einen Deutschkurs bekommen, das Fernsehen hilft auch, um die Sprache kennenzulernen. Momentan mache ich meinen Lkw-Führerschein, zwei von fünf nötigen Prüfungen habe ich schon bestanden. Ich habe auch schon einen Arbeitsplatz, bei dem ich als Lkw-Fahrer anfangen kann, sobald ich meinen Führerschein habe. Ich habe schon dreißig Jahre als Lkw-Fahrer gearbeitet, bei uns muss man dafür aber nicht so viele Prüfungen machen wie in Deutschland. Aber ich verstehe das: Man braucht Regeln, das ist ein gute Grundlage für ein Zusammenleben. In Armenien funktionieren die Regeln nicht, da geht es immer nur ums Geld. Da ist es besser, wenn es Regeln gibt. Ich bin sehr dankbar dafür, wie ich in Deutschland aufgenommen wurde. Meine Erfahrungen mit den Deutschen waren sehr positiv, die Leute helfen einem gerne und man merkt, dass es ein richtig demokratisches Land ist. Ich habe sogar einen Computer geschenkt bekommen, an dem ich für meine Theorie-Prüfungen lernen kann, auch unser Vermieter hilft uns sehr viel, das ist ein guter Mann. Der große Unterschied zwischen den Menschen in Deutschland und denen in Armenien oder Russland, wo ich auch gelebt habe, ist, dass in Deutschland keiner Angst hat. Bei uns muss man immer aufpassen, was man sagt, dieses beklemmende Gefühl gibt es hier nicht. Auch landschaftlich ist es ganz anders bei uns, viel bergiger als in der Pfalz. Deutschland ist zwar nicht meine Heimat, aber ich sehe es trotzdem mit Sorge, dass jetzt so viele Asylbewerber kommen. Vor allem kann ich Menschen nicht verstehen, die hierher kommen und dann keinen Respekt vor den Menschen im Land habe. Den Leuten wird geholfen und dann machen sie so schlimme Sachen wie an Silvester in Köln. Das ist für mich nicht zu verstehen. Egal wo man lebt, man muss Respekt vor den Menschen haben, mit denen man zusammenlebt.“ Stichwort Armenien ist seit 1991 unabhängig, davor gehörte es zur Sowjetunion. Im Land leben rund drei Millionen Menschen, davon eine Million in der Hauptstadt Eriwan. Armenien ist etwa so groß wie Belgien und grenzt an Georgien im Norden, Aserbaidschan im Osten, Iran im Süden, Nachitschewan (autonomes Gebiet zu Aserbaidschan) im Südwesten und die Türkei im Westen. 93 Prozent der Einwohner gehören zur armenisch-apostolischen Kirche, die im Jahre 301 als erste christliche Staatskirche gegründet wurde.

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