Römerberg / Kuhardt
Handball: Adolf Eiswirth wechselt auf die Zuschauerplätze
Adolf Eiswirth ist das Kassengeschäft los. Der 77-Jährige könnte nun loslegen. Wie das war in den neun Jahren bis 2011 als Revisor des Dachverbands DHB. Wie sich Ein- und Ausgaben die Waage halten konnten. Wer unfair berichtete über seine Schiedsrichtereinsätze mit dem Ranschbacher Hubert Scherthan in der Bundesliga. Was in den 1980er-Jahren los war bei Spielen mit Dankersen, Nettelstedt, Lemgo.
Eiswirth sagt nix. „Bleiben Sie zuversichtlich“, sagt er nach seiner Rede in Haßloch. Zum 25. und letzten Mal hat er gerade beim Verbandstag der Pfälzer Handballer Zahlen des Haushaltsplans vorgestellt. Den Job ist er los. Nach 25 Jahren als Vizepräsident Finanzen geht er zum zweiten Mal in Rente. Pensionär ist er, seit er 60 ist.
Kleine Anekdote
Eine Anekdote erzählt Friedhelm Jakob, bis 2019 Präsident, beim Verbandstag: Prüfung der Steuerbehörde. Eine junge Dame ist da, die nach dem Essen zur gierigen Finanzbeamtin wird. Egal was sie anspricht, Eiswirth pariert und zieht den richtigen Ordner hervor. „Die Dame“, sagt Jakob, „kam aus dem Staunen nicht heraus und war am Ende waffenlos.“
Sein Beruf hat Eiswirth geholfen, sich in die Welt von Geschäftsvorgängen, Rechnungen, Spendenbescheinigungen und Mahnungen einzuarbeiten: „Ich war ein Leben lang bei der Deutschen Rentenversicherung.“ 1963 fing sein Berufsleben an. 1974 zog er von Kuhardt nach Speyer in eine Eigentumswohnung. Er kündigte seine Mitgliedschaft beim TSV Kuhardt, wo er zuletzt Vorsitzender war, wo er gespielt hatte „überwiegend als Torhüter“, und trat dem TSV Speyer bei.
Karriere als Referee
Seit 1990 wohnt Eiswirth in Heiligenstein. Das kam so: In Bad Schönborn führt er Pflegesatzverhandlungen. Man tauscht sich aus. Er suche ein Haus, sagt er. Sein Gegenüber erzählt, er habe gehört, Verwandte wollen in Heiligenstein ihr Haus verkaufen. Eiswirth greift zu. Er wollte mehr Platz haben für sich und seine Brigitte und die drei Söhne Andreas, Matthias und Rainer, von denen zwei Handball spielten.
„Ich war kein guter Handballspieler“, behauptet Eiswirth. Albert Götz, seit 1950 Verbandsfunktionär, bewegt ihn, die Seiten zu wechseln. Mit 23 Jahren hört er auf zu spielen und konzentriert sich auf das, was er mit 16 angefangen hatte: Schiedsrichter. „Ich habe die Chance auf einen sportlichen Aufstieg gesehen.“ Mit 27 Jahren pfiff er Regionalligaspiele. 1979 rückten er und Scherthan in den DHB-Kader auf.
Pannendienst und Hallensuche
Eiswirth erinnert sich, dass sie bei Gießen immer an derselben Raststätte gehalten haben, ein Insidertipp von anderen Schiedsrichtern. Dass sie sich immer durchfragten, wo die Halle ist. Navis gab es noch keine. Dass auf dem Heimweg von Kassel die Batterie versagte und sie den Pannendienst riefen. Dass ihm als Torschiedsrichter in Kiel jemand unvermittelt auf die Schulter klopfte: „Ich weiß nicht mehr, was er gesagt hat, es war nichts Freundliches.“ Ruckzuck sei ein Platzordner zur Stelle gewesen. Und sonst?
Eiswirth sagt nix. Und erinnert an Peter Rauchfuß, den viermaligen Olympiaschiedsrichter (1976 bis 1988) und späteren Schiedsrichterwart: Der habe alles sanktioniert, was schlecht über die Schiedsrichter geschrieben worden sei. Ehemalige Spitzenschiedsrichter treffen sich alle zwei Jahre und speisen zusammen. Es werden weniger. Rauchfuß starb 2016, vor Kurzem starb Manfred Prause. Mit den Schwegenheimern Jürgen und Hans Thomas verband ihn auch eine Freundschaft.
Bundesweit freier Eintritt
1986 hörten Eiswirth und Scherthan, der 77-Jährige und der zehn Jahre Jüngere verstehen sich bis heute gut, auf, Spiele in der Bundesliga zu pfeifen. Acht Jahre später leitete Eiswirth sein letztes Spiel in der Pfalz. Er wollte Schiedsrichterwart im Südwesten werden. 1991 leitete er schon das Beobachterwesen im DHB, 1993 bis 1997 war er stellvertretender Schiedsrichterwart und Ansetzer für die Zweitligaspiele. Er erklärt: „Wenn du für 100 Schiedsrichter verantwortlich bist und dann noch Kritik über dich als Schiedsrichter liest, das geht an die Nerven. Hubert war einverstanden. Wir wollten nicht mehr groß in der Öffentlichkeit stehen.“ Scherthan machte im Finanzamt Karriere und als Ortsbürgermeister.
1996 übernahm Eiswirth im pfälzischen Verband das Amt des Finanzpräsidenten. Er forderte: „Es geht nichts an der Steuer vorbei. Ich kenne es gar nicht anders, dass staatsbürgerliche Pflichten einzuhalten sind.“ Prüfung der Gemeinnützigkeit alle drei Jahre, alles zwei, drei Jahre Lohnsteuerprüfung, alle zehn Jahre Einkommenssteuerprüfung: „Heute müssen sich alle Verbände und Vereine nackig machen beim Finanzamt“, sagt er. Am besten sei der Verband vor der Sanierung der Pfalzhalle dagestanden.
Und nun? Adolf Eiswirth wird sich wie zuvor Spiele in Kuhardt, Heiligenstein, Iggelheim, Hochdorf oder Haßloch ansehen. Und gegenüber Dritten wie immer nix über die Schiedsrichterleistungen sagen. Als Träger der Goldenen DHB-Ehrennadel hat er übrigens zu allen Spielen bundesweit freien Eintritt.